Ärzte antworten Impfskeptiker

Nebenwirkungen bei Corona-Impfung viel seltener als bei anderen Impfungen

3.12.2021, 14:53 Uhr
PD Dr. Dane Wildner und Dr. Christian Schmidt haben die Fragen der Leser zur Corona-Pandemie beantwortet. Beide arbeiten am Laufer Krankenhaus.

PD Dr. Dane Wildner und Dr. Christian Schmidt haben die Fragen der Leser zur Corona-Pandemie beantwortet. Beide arbeiten am Laufer Krankenhaus. © Privat

Sollte man sich nach einer Kreuzimpfung mit Astra Zeneca und einem mRNA-Impfstoff ebenfalls nach sechs Monaten boostern lassen oder gilt dafür ein anderer zeitlicher Abstand? Wie hoch ist der Schutz der verschiedenen Impfstoffe nach sechs Monaten im Vergleich?

PD Dr. Dane Wildner: Unabhängig vom verwendeten Impfstoff bei der Erstimpfung gilt die Empfehlung, sechs Monate nach der zweiten Impfung oder der durchgemachten Infektion eine Auffrischungsimpfung durchzuführen. Im Vergleich der Impfstoffe bieten die mRNA-Impfstoffe (Biontech und Moderna, Anmerkung der Redaktion) den besten Schutz vor einer symptomatischen Infektion und einem schweren Verlauf. Daher werden bei den Erstimpfungen und Auffrischungsimpfungen mRNA-Impfstoffe empfohlen.

Zu Covid-19-Impfungen wurden der Weltgesundheitsorganisation 2 528 431 Nebenwirkungen im Zeitraum 2020 bis 2021 gemeldet. Jeder andere Impfstoff mit derart vielen Nebenwirkungen wäre längst vom Markt genommen worden. Warum sollte man sich daher mit einem eventuell wirkenden oder nur kurzfristig wirkenden Mittelchen impfen lassen und sich einer schweren Nebenwirkung aussetzen? Dies natürlich nur mit unterzeichneter Haftungsverzichtserklärung …

Ich weiß zwar nicht, wo Sie die Zahl von 2 528 431 gefunden haben. Sie würde aber bei weltweit bisher 7 500 000 000 verimpften Dosen einer Häufigkeit von 0,034 Prozent entsprechen. Die von ihnen genannten Zahlen belegen also, wie nebenwirkungsarm die Impfung ist. Sie liegen übrigens deutlich unter den vom Paul-Ehrlich-Institut (trotzdem immer noch sehr geringen) regelmäßig berichteten Zahlen, woran Sie sehen können, dass unser Meldesystem im weltweiten Vergleich sehr effektiv ist. "Gemeldete Nebenwirkungen" umfassen auch Verdachtsfälle und leichte Reaktionen wie Armschmerzen oder leichte grippale Symptome. Dass ein anderer Impfstoff mit derart vielen Nebenwirkungen längst vom Markt genommen worden wäre, ist eine kühne Behauptung. Die Nebenwirkungsrate bei der Masernimpfung zum Beispiel liegt im Kindesalter bei etwa zehn Prozent, also 297 Mal so hoch. Er ist dennoch seit Jahren in Gebrauch. Es gibt sogar quasi eine Impfpflicht.

Im Vergleich zu den Corona-Impfstoffen gibt es zudem andere zugelassene Impfstoffe mit wesentlich häufigeren und gefährlicheren Nebenwirkungen (zum Beispiel Gelbfieberimpfung vor Reisen). Diese dürfen nur nach individueller Aufklärung von zugelassenen Impfstellen verimpft werden. Der Impfstoff gegen Covid-19 ist auch nicht "eventuell oder nur kurzfristig" wirkend, wie die Unterschiede in den Intensivstationsbelegungen zwischen Geimpften und Ungeimpften eindrucksvoll zeigen. Im Zweiten Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes wurde in Paragraf 60 IfSG klargestellt, dass für alle gesundheitlichen Schäden, die im Zusammenhang mit indizierten Impfungen eingetreten sind, bundeseinheitlich ein Anspruch auf Entschädigung besteht. Warum Sie sich also impfen lassen sollten? Um Ihr eigenes Risiko einer schweren Erkrankung zu minimieren, und aus Verantwortungsgefühl für Ihre Umgebung.

Anmerkung der Redaktion: In Deutschland überwacht das Paul-Ehrlich-Institut die Sicherheit der Covid-19-Impfstoffe. Für dessen letzten Bericht vom 30. September wurden insgesamt über 107 Millionen verimpfte Dosen ausgewertet und 172 188 Einzelmeldungen zu Nebenwirkungen beschrieben. Insgesamt sind das 1,6 Meldungen pro 1000 Impfdosen. Schwerwiegende Nebenwirkungen gab es sogar nur 0,2 Mal pro 1000 Dosen.

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