Nürnberger Jugendzentrum P31 sucht vergebens neues Zuhause

15.10.2020, 12:10 Uhr
Das selbstverwaltete Jugend- und Kulturzentrum bezieht seinen Namen Projekt 31 von der Hausnummer 31 An den Rampen.

Das selbstverwaltete Jugend- und Kulturzentrum bezieht seinen Namen Projekt 31 von der Hausnummer 31 An den Rampen. © Rurik Schnackig

"Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr" - was der gute Rilke so wohklingend gedichtet hat, ist für die Mitglieder des Jugend- und Kulturzentrums gerade bittere Herbst-Realität. Ihr Mietvertrag endet im Januar nächsten Jahres. Das Grundstück samt Haus soll neu verkauft werden, Eigentumswohnungen seien geplant, heißt es. Und obwohl es Unterstützung aus der Politik und vom Kreisjugendring gibt und die Szene sich schon seit über einem Jahr in Nürnberg umsieht, ist kein Ersatz-Quartier in Aussicht.

Unfreiwillig im Film


Als selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum in Steinbühl nimmt die Szene in Nürnberg unbestritten einen Sonderstatus ein. "Hier bilden sich Meinungen, Standpunkte und Persönlichkeiten", beschreiben die Verantwortlichen das Ziel, das über der ehemaligen Autowerkstatt in Bahnhofsnähe steht. Als Szene abgeschottet haben sich die Aktiven jedoch nicht. Immer wieder gibt es Angebote zur Partizipation, werden Türen für Nachbarn und Neugierige geöffnet.

Dennoch waren die Schlagzeilen in der Vergangenheit nicht jene, die man sich in der Einrichtung an den Rampen gewünscht hätte: Ein groß dimensionierter SEK-Einsatz machte von sich Reden und zuletzt wurde der Name "P31" in einem Filmtrailer "Und morgen die ganze Welt" verwendet. Im fertigen Film wurde die fiktive Szene noch umbenannt, aber das Nürnberger P31 fühlte sich durch die Darstellung mit ihrem Namen kriminalisiert. "Im Film wirkt das so, als ob selbstverwaltete Jugendstrukturen sich zwangsläufig unkontrollierbar radikalisieren", teilten Sprecher mit.

Investoren sind schneller


Das alles ist nicht förderlich, wenn man sich gerade irgendwo als Mieter vorstellen möchte. Doch soweit kommt es in der Regel nicht, die Suche gestaltet sich denkbar schwer: "Wir haben Eigentümer angeschrieben, Objekte recherchiert und besichtigt, sind an die Öffentlichkeit, haben an Veranstaltungen teilgenommen, Gespräche mit Politikern geführt und Finanzpläne erstellt", sagt Sprecherin Lilli.

Vielversprechende und geeignete Objekte haben die Mitglieder zuletzt in Schweinau gesehen. "Wir kommen aber gar nicht zum Zug, weil bereits ganze Blocks durch Investmentfirmen aufgekauft werden", klagen die Suchenden - und kommen zu dem Schluss: "Einen Raum erhalten nicht die, die ihn benötigen, sondern die, die über das nötige Kleingeld verfügen."

Zentral gelegen und gut erreichbar - das sind wichtige Kriterien für die Szene. Doch wo gibt es das noch?

Zentral gelegen und gut erreichbar - das sind wichtige Kriterien für die Szene. Doch wo gibt es das noch? © Rurik Schnackig

Nun wenden sich die Szene unter dem Trägerverein Alternative Kultur Nürnberg (AKN) direkt mit einer Forderung an die Stadt: "Wir fordern die Stadt auf, das Objekt An den Rampen 31 in Nürnberg zu kaufen und uns dieses unter der Wahrung unserer Prinzipien der Selbstverwaltung und Selbstbestimmung zur Verfügung zu stellen oder die Stadt erwirbt ein vergleichbares Objektes innerhalb des Stadtgebietes, in dem eine Zukunft des Projekt 31 ermöglicht wird."

Nicht das Herz zerbrechen!


Dass es sich bei dem Projekt 31 um ein echtes Herzensprojekt handelt, zeigen die Mitwirkenden in einem Video auf dem Kanal Youtube.

Zu einer mit Inbrunst gesungen Version von "Don’t go breaking my heart" bekräftigen sie, dass dieses Zentrum schlichtweg ihr Herz sei. Und schließlich kämpferisch: "Das lassen wir uns nicht nehmen."

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