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Bahnstrecke ab Ende August wegen Brückenbauarbeiten gesperrt

Wegen Bauarbeiten auf der Bahnstrecke im Pegnitztal gibt es ab dem 24. August eine Sperrpause. - 02.08.2020 19:14 Uhr

Im Zuge einer Sperrpause wird Ende August unter anderem die Brücke km 60,119 bei Michelfeld erneuert. Eine Bürgerinitiative hatte vergeblich um deren Erhalt gekämpft. Details zum Schienenersatzverkehr werden zeitnah bekanntgegeben.

© Foto: Siegfried Fuchs


Die DB Netz AG – Regionalbereich Süd – hat vor sechs Jahren ein Gutachten mit dem Ziel in Auftrag gegeben, den Zustand der 23 Stahlbrücken auf der doppelgleisigen Bahnstrecke Nürnberg–Schirnding sowie Möglichkeiten für deren Erhalt zu prüfen. Das Ergebnis war am 28. November 2014 in Nürnberg im Rahmen einer Infoveranstaltung von Professor Martin Mensinger, Lehrstuhl für Metallbau an der TU München, vorgestellt worden (wir berichteten ausführlich).

In seinen gutachterlichen Empfehlungen kam der Gutachter damals zu dem Ergebnis, dass bei den Bauwerken km 40,910, km 43,489, km 46,665 sowie km 60,119 keine ausreichenden Tragfähigkeiten mehr vorliegen würden und diese aufgrund eines besonders schlechten Erhaltungszustandes zu ersetzen seien.

Die drei erstgenannten Brücken wurden während einer Totalsperrung der Bahnstrecke bereits 2019 abgebrochen, anschließend wurden Hilfsbrücken eingebaut und bei einer weiteren Sperrpause (23.08. bis 7.09.2020) werden nun die neuen Überbauten eingeschoben.

Die Erneuerung der Eisenbahnüberführung (EÜ) bei Bahn-km 60,119 über die Pegnitz am alten Bahnhof Michelfeld erfolgt ein Jahr später. Das heißt konkret: Rückbau und Einbau von Hilfsbrückenketten während der diesjährigen Totalsperrung und Einschub des neuen Überbaus dann während einer neuerlichen Sperrpause vom 24.08. bis 30. 08.2021.

Nahe des Michelfelder Bahnhofs

Die Brücke EÜ km 60,119 überführt die Bahnlinie über die Pegnitz im Veldensteiner Forst nahe des Michelfelder Bahnhofs. Jedes Gleis der zweigleisigen Bahnstrecke wird durch je eingleisige Überbauten über den Fluss geführt. Beim Überbau "1/1", der aus dem Jahre 1931 stammt, handelt es sich um einen Vollwandträger, beim Überbau "1/2" aus dem Jahre 1899 handelt es sich um ein zwei Meter hohes Fachwerk, auf dem die Fahrbahn gelagert ist.

Der Gutachter ging von einer Restnutzungsdauer von etwa zwölf Jahren aus, sodass er zu dem Schluss kam: "Aufgrund der ungenügenden vorhandenen Restnutzungsdauer und der nicht ausreichenden Tragfähigkeit wird der Ersatz des Bauwerks empfohlen". Laut Erläuterungsbericht ist Geschwindigkeit auf 110 km/h und für Neigezüge auf 140 km/h begrenzt.

Wörtlich heißt es in diesem Bericht: "Das vorhandene Brückenbauwerk befindet sich in einem baulich sehr schlechten Zustand. An den Unterbauten wurden Abplatzungen, Durchfeuchtung, Hohlstellen, Verschiebungen und offene Fugen, an den Überbauten erhebliche Abrostungen, Lagerschäden und Risse festgestellt". Außerdem besitze der Stahlüberbau keine ausreichende beziehungsweise nur noch geringe Sicherheit gegen Ermüdung. Und letztlich entspreche das Bauwerk nicht mehr den heutigen technischen Regelwerken (Sicherheitsräume, usw.).

Bekanntlich wurden die Brücken durchs Landesamt für Denkmalpflege bereits 2011 auf ihre "Denkmaleigenschaft" hin überprüft und auch die EÜ km 60,119 in die Denkmalliste des Marktes Neuhaus aufgenommen, "nachqualifiziert" wie es hieß. Dies ist einer der Gründe, warum die Bürgerinitiative "Eisenbahnbrücken Pegnitztal" für die Erhaltung der historischen Stahlfachwerkbrücken kämpft. Mittlerweile wurde aber seitens der Denkmalbehörde dem Abbruch und der Erneuerung des Bauwerks zugestimmt, da "eine längerfristige Erhaltung aufgrund der vorliegenden Situation nicht zielführend ist" (Anlage 12.6 – Besprechungsprotokoll BlfD vom 23.03.2016). Nach einer detaillierten Begründung heißt es am Schluss, dass eine Sanierung aus Betreibersicht nicht zumutbar sei.

Als Lösungsvariante wurde ein Stahlverbundüberbau gewählt, bei dem die Stützweite von 20 Meters gegenüber dem Bestand gleich bleibt. Das Tragwerk, so die Überzeugung der Planer, werde sich harmonisch in das Landschaftsbild einfügen.

Die Arbeiten im Bereich der EÜ – begonnen haben sie mit der Baustelleneinrichtung und Baufeldfreimachung – und der anschließende Rückbau der bestehenden Brücke Ende August laufen weitgehend außerhalb des öffentlichen Verkehrsbereichs ab. Lediglich in der Sperrpause wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden, Details dazu werden noch bekanntgegeben.

Neue Stahlverbund-Überbauten

Wer schon heuer wissen will, wie die neue Brücke aussehen und wie sie sich ins Landschaftsbild einfügen wird, kann dies nach der Sperrpause beispielsweise in Güntersthal oder beim Steinbruch/Enzendorf "begutachten". Denn alle genannten vier Eisenbahnüberführungen sind als "Brückenfamilie" vom gleichen Typ, nämlich sogenannte Stahlverbundüberbauten.

SIEGFRIED FUCHS

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