Die Orgel ist das Instrument des Jahres

21.2.2021, 08:55 Uhr
Die größte Orgel der Umgebung befindet sich in der Pegnitzer Bartholomäuskirche (Bild), die jüngste steht in Buchau.

Die größte Orgel der Umgebung befindet sich in der Pegnitzer Bartholomäuskirche (Bild), die jüngste steht in Buchau. © Foto: Klaus Trenz

"Die Orgel ist ein Instrument, mit dem man bei wenig Kraftaufwand eine große Lautstärke erreichen kann", sagt Dekanatskantor Jörg Fuhr. Um laut zu sein, sei es bei anderen Instrumenten, wie Klavier oder Violine, aber auch für Gesang, deutlich anstrengender, zählt er auf. Ob das allein der Grund ist, warum die Orgel "Instrument des Jahres 2021" geworden ist, ist fraglich. Aber der Musik-Experte Fuhr kennt einige überraschende Fakten rund um die Königin der Instrumente, wie die Orgel auch genannt wird. Und Dekan Markus Rausch verrät, wie wichtig sie für den Gottesdienst ist.

Das Prinzip der Orgel funktioniere recht einfach, erklärt Fuhr: Der Organist drückt eine Taste, ein statischer Klang ertönt durch die Pfeife so lange wie die Taste gedrückt bleibt. Die Geschwindigkeit, mit der eine Taste gedrückt wird, beeinflusst dann – im Gegensatz zum Klavier – zwar nicht die Lautstärke, aber die Brillanz des Tones. "Die Orgel ist das einzige Instrument, bei dem der Zuhörer im Resonanzkasten sitzt, also beispielsweise in einer Kirche oder einem Konzertsaal", erklärt Fuhr weiter. Dementsprechend sei der Klang des Instruments auch immer etwas anders. Mal bleibt der länger im Raum, mal kürzer. Außerdem hat jede Orgel eine andere Auswahlmöglichkeit an Klangfarben.

Zu hohen Festtagen in der Kirche – wie an Weihnachten, Ostern oder zur Konfirmation – erklingen in der Pegnitzer Bartholomäuskirche neben der Orgel auch der Stolz der Kirchengemeinde, die beiden Zimbelsterne: mit Strom betriebene Glockenspiele, deren Hämmer an Klangschalen schlagen und Töne erzeugen. "Dabei sollte der Gottesdienst gut besucht sein, weil das recht laut wird und der Gesang sonst untergehen würde", so Fuhr weiter.

Ein Vorbild für Buchau

Auch in der Gemeinde, in der Dekan Markus Rausch früher tätig war, spielte der Zimbelstern immer an Weihnachten eine wichtige Rolle: Wegen eines technischen Defekts war er einmal ausgefallen. "Wenn der Zimbelstern an Weihnachten nicht spielt, ist für viele Menschen nicht richtig Weihnachten. Ich habe damals viele Rückmeldungen erhalten, sogar die örtliche Zeitung hat darüber berichtet und es gab Leserbriefe", erinnert er sich im Gespräch mit der Redaktion. Dabei habe er am Weihnachtstag noch zwei Stunden lang versucht, den technischen Fehler mit einem Fachmann zu finden und zu beheben.

Orgeln mit Zimbelsternen seien relativ selten, weiß Fuhr. Die Orgel in der Buchauer Kirche habe vor neun Jahren, als sie gebaut wurde, in Anlehnung an die Orgel in der Stadtpfarrkirche aber ebenfalls einen erhalten. Das Instrument an sich sei "schön gelungen", findet der Kantor. Es sei die jüngste Orgel im Dekanat. Eine der Spannenden stehe in der Markgrafenkirche in Plech, weil sie hinter einem historisches Rokoko-Prospekt aus dem Jahr 1784 steht. Die größte der insgesamt 19 Orgeln im Dekanatsbezirk sei aber die in der Pegnitzer Bartholomäuskirche. Insgesamt spielen an den Instrumenten 24 offizielle Organisten zu den evangelischen Gottesdiensten.

Funktioniert mit wenig Personal

Gerade in der Pandemie hat die Orgel für Dekan Rausch eine besondere Bedeutung: "Wenn weder Chor noch Gemeinde singen dürfen, sieht man, wie wichtig die Orgel ist. Sie funktioniert mit wenig Personal und hat einen großen Effekt", schwärmt er. Im Dekanat gebe es viele Organisten, die momentan gleichzeitig zum Orgelspiel singen. Das sei ein "großer Genuss" für die Gottesdienstbesucher, weil sie selbst nicht singen dürfen, hat er beobachtet.

Ihm gefalle vor allem die "unendliche Vielfalt" des Instruments und dass die Gottesdienstbesucher beim Nachspiel beschwingt nach Hause und in die Woche gehen. Die 10-vor-11-Band und der Posaunenchor bieten eine "genussvolle Abwechslung", die seiner Einschätzung nach gut in Pegnitz ankomme. Vor allem der Posaunenchor habe für die Freiluft-Gottesdienste in der Pandemie einen hohen Stellenwert, weil die "Allzweckwaffe der evangelischen Kirche" leichter einsetzbar ist.

Die landläufige Einschätzung der Orgel leide etwas unter dem allgemein geringer werdenden Gottesdienstbesuch, gibt der Musik-Fachmann Fuhr zu bedenken. "Viele Menschen gehen erst aus Anlass einer Beerdigung in die Kirche. Und weil dann meistens die Orgel als statisches Instrument spielt, verbinden viele Menschen sie mit dem traurigen Ereignis und noch mehr mit schwermütigen, getragenen Klängen." Auch der Orgelunterricht sei im Winter nicht sehr attraktiv, weil die Schüler in der meist kalten Kirche üben müssten. Kaum jemand hat zu Hause ein Instrument. Wie viele Schüler ihm nach dem Lockdown noch bleiben, ist ungewiss. Derzeit dürften es um die vier sein, eine Warteliste gebe es nicht. Deshalb sei es momentan günstig, sich an ihn zu wenden, wenn man das Orgeln lernen möchte. Sobald der Lockdown vorbei ist und Musikunterricht wieder vor Ort stattfinden darf, kann es losgehen, betont der Dekanatskantor hoffnungsvoll.

INFO: Seit 2008 benennen zehn der insgesamt 16 Landesmusikräte ein Instrument des Jahres. Mit dieser Initiative wollen sie auf die Bedeutung des Instrumentes hinweisen und Interesse wecken. Die Orgel ist das erste Tasteninstrument, das zum Instrument des Jahres erklärt wurde, schreibt der Bayerische Musikrat auf seiner Internetseite. Die Orgel ist das größte Musikinstrument der Welt. Seit 2017 sind Orgelmusik und Orgelbau durch die Unesco als Immaterielles Kulturerbe anerkannt.

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