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In Betzenstein regt sich Protest gegen Wohnmobil-Stellplatz

Bürger wehren sich gegen die geplanten 40 Parzellen auf einem Areal am Badersberg. - 21.07.2020 08:55 Uhr

Gegner des geplanten Reisemobilstellplatzes laufen durch die Wiese, die für das Vorhaben vorgesehen ist. Sie machen klar: „Die Landschaft darf nicht zerstört werden“.

20.07.2020 © Foto: Klaus Trenz


Ein Reisemobilstellplatz mit 40 Parzellen, Sanitärgebäude und Lagerschuppen soll am Badersberg, südlich der Photovoltaikanlage, mit privater Investition entstehen. Auf einer landwirtschaftlich genutzten Wiesenfläche von knapp 1,3 Hektar. Investor und Eigentümer des Grundstücks, Christian Otto, rechnet mit Kosten in Höhe eines mittleren sechsstelligen Betrags.

Aber es regt sich Widerstand aus der Bevölkerung. "Dieser Platz muss verhindert werden", sagt Betzensteins Ex-Bürgermeister Friedrich Funk, einer der schärfsten Kritiker an dem Vorhaben.

Damit steht er nicht alleine. Am Samstag trafen sich mehrere Gegner des Vorhabens am Badersberg. Vor allem Peter Kaatz ist schon in regem Schriftverkehr mit dem Landratsamt, der Stadt Betzenstein und dem Stadtrat eingetreten, vor allem in den letzten Tagen. Denn der Bauplan liegt gegenwärtig zur Beteiligung der Öffentlichkeit noch bis 14. August im Rathaus aus und ist auch online auf der Homepage der Stadt einzusehen. Ende Januar hatte der Stadtrat für das Vorhaben mehrheitlich grünes Licht gegeben. Nur Matina Köhler und Matthias Hümmer stimmten dagegen. Sie befürchteten vor allem erhebliche Eingriffe in die Natur.

Die Gegner des Reisemobilstellplatzes sehen laut Kaatz "eine Zerstörung des gewachsenen Landschaftsbildes" und einen "Frevel am Naturschutz". Funk ist überzeugt, dass das Vorhaben nicht ohne deutliche Eingriffe in die Natur möglich ist. "Da kommt schweres Gerät zum Einsatz."

Gegen Eingriffe in die Natur

Und weiter: "Diese gewachsene Naturlandschaft darf nicht zerstört werden". Schotterstraßen und Gräben für die Ver- und Entsorgung und Fundamente "werden nicht mit Schaufel und Pickel hergestellt", so Kaatz: "Da bleibt vom gewachsenen Landschaftsbild nicht mehr viel übrig". Noch diese Woche soll eine Unterschriftenaktion gestartet werden. Dort wird auch die "Minderung der Artenvielfalt und der natürlichen Lebensgrundlagen" für Einheimische, Gäste und von Tieren und Pflanzen als Argument gegen einen Stellplatz ins Feld geführt.

Investor Christian Otto aus Betzenstein, der die öffentliche Diskussion befürwortet, beschreibt in einem ausführlichen Exposee fast das genaue Gegenteil. Der Stellplatz zeichne sich durch einen "naturnahen Charakter" aus, werde "kein Fremdkörper im Areal des Badersbergs sein". Der Großteil der Wiesenfläche bleibe bestehen und werde zusätzlich zwischen den Parzellen mit Büschen und Bäumen angereichert, so Otto. Bäume und Hecken am Rand der Fläche würden bestehen bleiben. Für große Teile des Platzes seien keine Eingriffe nötig.

Im östlichen Bereich des Platzes würden einzelne Parzellen begradigt. Hierzu werde die Grasnarbe mit einem Sodenschneider auf eine Tiefe bis zu acht Zentimetern abgeschält, die ursprüngliche Grasnarbe danach wiederhergestellt. Der Teil der Parzelle, auf dem das Fahrzeug steht — das seien rund 20 Prozent — werde als Schotterrasen ausgebildet, der von der Fauna wieder überwachsen werde. Der Weg durch das Gelände soll als Schotterweg gebaut werden. Eine Asphaltierung oder Pflasterung schließt Otto aus.

Die Gegner des Stellplatzes können sich nicht vorstellen, dass die Abwasserentsorgung größere Kanalbauarbeiten an der Höchstädter Straße nach sich zieht. Auch wenn der Betreiber des Stellplatzes nur Grauwasser (gering verschmutztes Abwasser) über die Kanalisation entsorgen darf. Die Abwässer der chemischen Toiletten der Reisemobile müssen gesammelt und abgeholt werden, da die Kläranlage Plech dafür nicht ausgelegt ist. "Da muss man die Straße erneut aufbrechen", glaubt Funk.

Bei der Sanierung der Höchstädter Straße wurden Ver- und Entsorgungsleitungen bereits bis kurz der Einmündung Fußweg zum Scheunenviertel verlegt, erklärt Otto. Von diesem Anschlusspunkt könne zunächst auf Gemeindegrund neben der Straße bis auf die Höhe des Ortsschildes ein Erschließungsgraben gezogen werden. Auf Höhe des Ortsschilds befindet sich eine gepflasterte Erhebung in der Fahrbahn zur Verkehrsberuhigung. Dort kann die Fahrbahn gequert werden, ohne Asphalt und den Unterbau der Straße zu schädigen. Nach der Querung verläuft der Erschließungsgraben am östlichen Rand der gemeindlichen Fläche des Rückhaltebeckens zum Stellplatz.

Grundsätzlich halten die Kritiker des Stellplatzes die Höchstädter Straße für zu schmal für den Reisemobil-Verkehr, vor allem wenn sie sich im Gegenverkehr begegnen. "Das geht nicht reibungslos", sagt Funk. Von Anfang April bis Mitte Oktober rechnet man mit 7000 zusätzlichen Fahrzeugen, die den Platz durch die Stadt anfahren und mit 3000 Fahrzeugen, die aus Richtung Höchstädt kommen. Stefan Müller, der vor zwei Jahren in der Höchstädter Straße ein Wohnhaus gebaut hat, sieht "keine Chance, dass die Fahrzeuge aneinander vorbeikommen". Auch habe er absichtlich am Badersberg gebaut, weil es dort eben ruhig zugehe.

Wechselnde Belegung

Otto entgegnet, dass durch eine wechselnde Belegung nach seiner Schätzung am Morgen 20 Fahrzeuge wegfahren und am Abend 20 neue Fahrzeuge ankommen. Zehn aus nördlicher und zehn aus südlicher Richtung. Ausgehend von "typischen An- und Abreisezeiten" müsse mit zwei bis drei Fahrzeugen pro Stunde gerechnet werden. "Diese Rechnung bezieht sich auf die Vollbelegung", so Otto: "Das wird aber natürlich nicht über die ganze Saison so sein. Es wird auch Tage geben, da ist kaum jemand da. Im Mittel rechne ich mit einer halben Belegung, was im Mittel dann auch die obigen Zahlen halbiert."

Die Höchstädter Straße sei eine Gemeindeverbindungsstraße, wo auch Durchgangsverkehr stattfindet. "Eine Zusatzbelastung mit in der Spitze von drei Fahrzeugen pro Stunde am Vormittag finde ich vertretbar". Sicherlich seien die ersten zehn Meter gegenüber dem Unteren Tor neben der Stadtmauer beengt, aber diese Stelle sei überschaubar, es ist Zone 30 und die Stelle werde auch von den Landwirten mit ihren großen Gespannen oder den Fahrzeugen der Paketdienste erfolgreich bewältigt. Eine Gefahr für die Kindergartenkinder kann Otto nicht ableiten.

Bedarf und Standort: Die Gegner halten einen zusätzlichen Wohnmobilstellplatz neben dem bereits bestehenden Campingplatz für überflüssig. Sollte der Bedarf dennoch vorhanden sein, wäre ein Stellplatz in Nähe des Freibads und des Kletterparks sinnvoller. Die Gäste des künftigen Stellplatzes würden nach Einschätzung von Kaatz kaum den Fußweg zum Freibad auf sich nehmen, mit dem Reisemobil dorthin fahren und die schon angespannte Parkplatzsituation am Freibad verschärfen.

Otto hält gerade den Standort Badersberg für vorteilhaft, weil unter anderem die Stadt fußläufig schnell erreichbar ist. Eine Konkurrenz zum Campingplatz sieht Otto nicht. Ein Urlaub mit dem Reisemobil unterscheide sich grundlegend vom Campingurlaub. Reisemobilisten würden zum Großteil die "spontane Mobilität" dem "stationären Charakter" eines Campingplatzes vorziehen. Sie würden einen Campingplatz eher selten anfahren. Reisemobilstellplätze seien ein eigenes Marktsegment.

Die Stellungnahme des Bürgermeisters: Claus Meyer bezweifelt, dass es eine Pro-Entscheidung des Stadtrats gegeben hätte, wenn naturschutzfachliche Gründe gegen den Stellplatz gesprochen hätten. Man habe diesbezüglich viele Gespräche mit den Behörden geführt. Seit Jahren sei die Einrichtung von Reisemobilstellplätzen Thema in der Arbeitsgemeinschaft Frankenpfalz. Mit dem Ergebnis, „dass man dieser Zielgruppe eine Infrastruktur geben muss“. So könne man die Reisemobilisten, die ständig im Umgriff von Betzenstein an verschiedenen Stellen — auch nicht immer gern — zu sehen sind, auch lenken.

Meyer hat durchaus Verständnis für die Diskussion, weil es „eine Veränderung bedeutet und da nicht jeder hurra schreit“. Aber er betont, dass die schützenswerten Flächen auf dem Badersberg nicht verloren gehen. Durch die Pandemie-Auflagen sei in den vergangenen Monaten eine Informationsveranstaltung dazu nicht möglich gewesen. Momentan sei die Verwaltung am überlegen, inwieweit man bei der Stadtratssitzung im September, die gemeinsam mit der Teilnehmergemeinschaft der Dorferneuerung stattfinden soll, auch noch Zuhörer aus der Bürgerschaft unterbringt. Im September will man die Bedenken und Anregungen zum Stellplatz-Bebauungsplan behandeln.

KLAUS TRENZ

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