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Kleines Dorf mit großer, wilder Geschichte

Lehrer Gerhard Eckstein stellte eine Chronik von Kosbrunn zusammen: Ein raubender Freibeuter zog durch und Flut zerstörte - 10.10.2014 15:00 Uhr

Kosbrunn hat den Charme des Allgäus. Heute führt nicht weit die Autobahn vorbei; damals war der Kirchweg bedeutsam. Er leitete die Gläubigen über die Reuth an der Steinmarterkapelle vorbei zur Urpfarrei in Büchenbach. © Foto: Ralf Münch


Kosbrunn ist ein idyllisches Dorf, gleich neben Oberhauenstein gelegen, wo Gerhard Eckstein lebt. Er bekam deshalb vor drei Jahren mit, wie das Kosbrunner Gemeindehaus eingerichtet wurde und fühlte sich da der „Böhmers-Anna“ zu Dank verpflichtet, „weil sie es angestiftet hat“. Ihr zuliebe fasste er danach alles an Berichten zusammen, was er finden konnte. Er hörte viel von Hans Wolfring, hatte aber auch eigene Forschungen.

Gerhard Eckstein beginnt mit den Hausnamen des 55-Seelendorfes, die beim „Staba“ losgehen (heute das Transportunternehmen Ruck-Zuck), zum „Stoffel“ führen, zum „Klanbu“, „Wastel“, „Franz“, „Forstkla“ und „Forstgroß“.

Der Name „Kosbrunn“ selbst fußt auf „Kaschbrunn“ (um das Jahr 1126, was sich eventuell auf einen Fischkasten an einer Quelle bezog). Später wandelte er sich zu „Katzbrunn“ (1400), Kostbrunn und Corsbrunn (1430).

Eckstein beschreibt auch die Michaelskapelle am Anger, von einem Vorfahren der Bäuerin Anna Brütting 1847 gestiftet. Hinter ihr erhebt sich der „Wartperch“ (1139 noch so genannt), dessen Festung die Altstraße von Plech über Büchenbach nach Bayreuth bewachte. Diese Burg in 608 Metern Höhe wurde zweimal zerstört, von den grausamen Hussiten (1429/30) und im Markgrafenkrieg 1555. Auch ein Georg von Egloffstein stritt sich 1466 mit dem Bamberger Bischof derart darum, dass sie am Ende an die Rabensteiner verpfändet wurde.

Schon 1525 hatte die Burg im Bauernkrieg gelitten. 70 Jahre später war auch Kosbrunn in Gefahr — allerdings durch eine Flut im Februar 1595. Sie entstand durch eine plötzliche Schneeschmelze auf der Höhe und riss drei Stadel und ein Haus weg. Zwölf Menschen starben. Nur ein Kleinkind überlebte, weil seine Wiege hochschwamm und an einem Pfosten hängenblieb.

Der Pegnitzer Chronist Heinrich Bauer widmete sich diesem Ereignis. Andere Forscher untersuchten die Richtstätte am Wartberg oder die Keltengräber am Fuß des Bärlauchhangs, 2500 Jahre alt.

Für Schrecken sorgten 1630 die Blattern und 1631 ein Freibeuter, der mit 1000 Mann von Schlammersdorf übers Land zog. Die Bauern flüchteten zur Pottensteiner Burg, weil er in Büchenbach, Leups und Körbeldorf 48 Pferde und 50 Fuder Gut geraubt hatte.

Interessant ist weiter das Erdbeben am 4. August 1908, das zu starken Bodenschwankungen im Veldensteiner Forst führte. Am nächsten Tag hörte man in der Körbeldorfer Flur für eine halbe Minute eine Art Gefechtschießen in der Luft, gefolgt von einem kurzen, seltsamen Brummen und Summen. Das war um 10 Uhr. Um 11.30 Uhr brach bis 18 Uhr ein heftiges Unwetter herein, mit einer Dreiviertelstunde stärksten Hagels. Die Kosbrunner Ernte war zerstört.

Ein verwüstendes Hochwasser folgte im Februar 1909 und ein stürmisches Gewitter tobte im August 1910.

Um solche Unbillen fernzuhalten, wandte man Sprüche und Riten an. Zu diesem Brauchtum fügt Gerhard Eckstein viele Seiten an. So nahm man vom Osterfeuer („Judasfeuer“, weil früher eine Strohpuppe mit verbrannt wurde) gern die Kohlen und legte sie unter das Dachgebälk, als Schutz vor Blitzen.

Hatte man an Mariä Himmelfahrt den Wurzbüschel geweiht, kam er getrocknet hinter das Wohnzimmerkreuz. Das Vieh erhielt davon das „Gleck“, das heißt, die in warmem Wasser aufgeweichten Kräuter.

Bekannt war, dass eine schwangere Frau kein Unglück oder Grausamkeit sehen durfte, „denn das Kind im Mutterleib muss alles miterleben“.

Lustig ist ein Brauch zur Taufe, welcher den Paten des Kindes betraf. Er musste nämlich vor der Kirche für die Dorfjugend Kleingeld streuen, und im eigenen Dorf noch einmal, von einer quer gespannten Schnur aufgehalten. Schließlich traf er auf Männer an einem Biertisch mitten auf der Straße, die ihm einen geschmückten Maßkrug zum Trinken hinhielten: „No Pat, lass des Kind amol brunzen!“

Starb in Kosbrunn jemand, wurde vor dem Leichnam gebetet. Gerhard Eckstein hörte so beim Tod seiner Großmutter Gebete, „die in keinem kirchlichen Gesangbuch verzeichnet sind“. Sie waren alt, von Mund zu Mund überliefert.

THOMAS KNAUBER

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