Klimawandel sorgt für zerplatzte weiße Wintersport-Träume

10.1.2021, 21:51 Uhr
Deutsche Mittelgebirge wie das Fichtelgebirge werden künftig keine sicheren Regionen für Wintersport mehr sein und erlauben diesen nur noch in kurzen kälteren Perioden. Im Bild die Seilbahn am Ochsenkopf.

Deutsche Mittelgebirge wie das Fichtelgebirge werden künftig keine sicheren Regionen für Wintersport mehr sein und erlauben diesen nur noch in kurzen kälteren Perioden. Im Bild die Seilbahn am Ochsenkopf. © Foto: Archiv/Udo Meixner

Das belegt eine aktuelle Untersuchung von Professor Thomas Foken zum Klimawandel. Angesichts der globalen Erwärmung lautet eine seiner Erkenntnisse: Deutsche Mittelgebirge werden keine Regionen für Wintersport mehr sein und erlauben diesen nur noch in kurzen kälteren Perioden. Vom Bayerischen Wald und Schwarzwald sowie den Gipfelregionen des Erzgebirges abgesehen.

Der Forscher von der Universität Bayreuth belegt in einem Interview mit dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) vom Dezember 2020 seine Schlüsse mit Daten, die er speziell für Nordbayern und Oberfranken erhoben hat: In den vergangenen 60 Jahren ist im Fichtelgebirge in 650 Metern Höhe die Zahl der Tage mit einer Schneedecke von 15 Zentimetern und höher von 80 auf 40 gesunken.

Foken sagt: "Während man vor 60 Jahren noch eine Schneesicherheit in Höhenlagen von 500 bis 600 Metern hatte, trifft man diese heute erst in 900 bis 1000 Metern an — also in den beiden Kammregionen des Fichtelgebirges" um Schneeberg (1051 Meter) und Ochsenkopf (1024 Meter).

Keine neuen Erkenntnisse. "Vor fast 20 Jahren haben wir die Bürgermeister des Fichtelgebirges auf diese dramatische Entwicklung hingewiesen", erinnert sich Foken. Aber nur wenige hätten das Tourismuskonzept ihres Ortes umgestellt und sich nicht mehr ausschließlich auf den Wintersport konzentriert. "Das hat dramatische Folgen für den Tourismus einer ganzen Region."

Schon jetzt ist Schnee in niedriger gelegenen Bereichen Nordbayerns eine Rarität: Im 240 Meter hoch gelegenen Bamberg liegt nur noch an 15 Tagen im Jahr der Schnee mehr als einen Zentimeter hoch. 1960 war dies noch an 60 Tagen der Fall. Die durchschnittliche Erwärmung in Deutschland von derzeit 1,7 Grad hat zur Folge, dass Temperaturen, die früher in einer Höhenlage von etwa 200 Metern auftraten, heute für Lagen um 500 Meter typisch sind.

Der Forscher beschreibt die weitreichenden Folgen dieser Entwicklung: Die Wälder — und viel mehr Menschen — werden sterben angesichts von Trockenheit mit stark steigenden Temperaturen. Das Statistische Bundesamt gibt für das vergangene Jahr einen Wert von 4237 Hitzetoten an, alleine für die Woche vom 10. bis 16. August 3192.

"Dies waren 150 Tote mehr als Verkehrstote im ganzen Jahr 2019 und doppelt so viel wie Covid-19-Tote zum ersten Höhepunkt dieser Pandemie im April dieses Jahres", schreibt Thomas Foken. Zahlen aus Bamberg dienen ihm als Beleg. Hier stieg innerhalb der vergangenen 60 Jahre die Zahl der Tage mit über 25 Grad von 40 auf 60.

Die 30-Grad-Grenze wurde an 15 statt wie früher an fünf Tagen überschritten. 1983 maß ein Thermometer in der Domstadt erstmals über 35 Grad. 2003 und 2015 geschah dies bereits an acht oder neun Tagen.

Professor Foken vergleicht die Kurven von Covid-19-Fällen mit der Kurve, die die Erderwärmung beschreibt: Den exponentiellen Anstieg, der am kritischen Punkt im Frühjahr zu einem Lockdown geführt hat, hatte die Klima-Kurve etwa in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts erreicht. Damals hätte die Politik mit einer Art Klima-Lockdown noch die Chance gehabt, das Überschreiten vieler Kippunkte und unwiederbringliche Veränderungen zu vermeiden.

"Während ein Nichthandeln bei Covid-19 zu einem Kollaps des Gesundheitssystems binnen weniger Wochen geführt hätte, ist die Legislaturperiode von Politikern noch deutlich kürzer als die Zeit bis zum kompletten Kollaps des Klimasystems."

Die Wissenschaft habe immer wieder gewarnt und Lösungswege aufgezeigt. "Doch seit dem Pariser Klima-Abkommen vor gut fünf Jahren ist wenig geschehen und das (damals festgelegte, Anm. d. Red.) 1,5-Grad-Ziel ist inzwischen absolut unrealistisch." Das Klimagesetz würde nach den Worten von Professor Foken ein Zwei-Grad-Ziel zwar noch ermöglichen, "aber nur, wenn die jetzt Jugendlichen ab 2030 drastische Einschnitte in Kauf nehmen würden".

Der Forscher hofft, dass "Fridays For Future" den Druck erzeugen kann, den die Wissenschaft in den letzten 40 Jahren nicht geschafft hat: "Wie die Politik im Moment versucht, ihr Handeln bei Covid-19 der Bevölkerung verständlich zu machen, so muss sie es auch bezüglich des Klimaschutzes tun, denn hier werden Maßnahmen auch weh tun."

Der Wissenschaftler nennt dabei den Ausbau erneuerbarer Energien, ein verändertes Mobilitätskonzept sowie Senkungen der Emissionen in der Landwirtschaft. Sanierungen von Gebäuden oder Veränderungen in der Industrie müssten eher innerhalb eines längeren Zeitraumes bewältigt werden.

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