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Dienstag, 22.10.2019

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Krimi-Autor zu Gast in Pegnitz

Der ausgezeichnete Autor Leonhard Seidl liest in Schule und Buchhandlung - 25.09.2019 06:55 Uhr

Der politische Krimiautor Leonhard Seidl kommt nach Pegnitz. Er liest am 17. Oktober in der Dittrich-Schule und der Buchhandlung Faust. Voranmeldung für die öffentliche Lesung in der Schule bei Jessica Marcus unter (01 60) 90 22 95 02.


Aus seiner politischen Haltung und Menschensicht machte der 43-jährige Wahlfranke nie einen Hehl. Der Vorsitzende des Nürnberger Schriftstellerverbandes protestierte schon höchstpersönlich in einer Menschenkette gegen die versuchte Abschiebung eines Afghanen aus der Berufsschule.

Mit geradezu prophetischer Klarsicht veröffentlichte Seidl im Jahr 2011 seinen Debütroman "Mutterkorn". Darin geht es um die Gefahr, die von den Neonazis ausgeht. "In Mutterkorn" wird auch der versuchte Anschlag auf die Grundsteinlegung eines jüdischen Kulturzentrums thematisiert.

Das Buch erschien im Juli 2011. Im November des gleichen Jahres wurden die rechtsextremen NSU-Morde bekannt. "Wie konntest Du das vorher wissen?", wurde Seidl wiederholt von Schriftstellerkollegen gefragt.

"Ich bin kein Krösus"

Trotz dieser vermeintlich hellseherischen Fähigkeiten wurde der freie Autor Seidl nicht reich durch die Buchtantiemen aus "Mutterkorn". Darauf angesprochen sagt er selbst: "Ich bin kein Krösus." Im Gegensatz zu etlichen seiner finanziell deutlich schlechter gestellten Autorenkollegen müsse der Neu-Fürther aber nicht versuchen, mühsam mit Hartz-IV auskommen.

"Die soziale Frage ist ein echtes Thema." Diese müsste eigentlich von Linken und "humanistisch-progressiven Kräften" gestellt werden. Wobei der Verdi-Gewerkschafter keine Scheuklappen hat. Da gehe es "genauso um die Reinigungskraft wie um meine Kolleginnen und Kollegen".

Seit mindestens eineinhalb Jahrzehnten ist Seidl nach eigener Einschätzung "äußerst aktiv". Will heißen: regelmäßig eine 60-Stunden-Woche aus Schriftstellerei, journalistischer Schreibe von Rezensionen und Literatur-Symposien.

Da kommt es schon mal vor, dass er in 13 Tagen 17 Lesungen hält. Nicht zu vergessen das eine oder andere Stipendium. "Das ist ein wichtiger Teil meines Einkommens." Und natürlich die Romane selbst.

Die weltabgeschiedene Dichterstube ist so gar nicht sein Ding. Stattdessen befinde sich der umtriebige Autor "in permanentem Dialog" mit seiner Umwelt. Unmittelbar nach dieser Aussage warnt er vor den Gefahren einer "Gesinnungsblase". Aktuell arbeitet der Vielschreiber an mehreren Buchprojekten gleichzeitig. Eines davon spielt in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Eben jene Zeit, in der Freikorps und andere rechte Gruppierungen "den Nazis den Weg geebnet haben".

Seidls felsenfeste Überzeugung ist, dass es in Deutschland seit den 90er Jahren rund 200 Tote durch rechte Gewalt gegeben habe. Von dieser Zahl lässt er sich auch nicht abbringen, wenn die Bundesregierung deutlich niedrigere Zahlen präsentiert. Denn diese würde die NSU-Morde auch nicht als "rechte Gewalt" aufführen.

Amok-Lauf und Arzt-Ethos

In Pegnitz liest Seidl aus dem Kriminalroman "Fronten". Der Handlungs-Plot: Ein bosnischer Waffensammler läuft Amok, ein Reichsbürger sinnt auf Rache und eine muslimische Ärztin gerät zwischen die Fronten. Aber seine Romanfiguren zeichnet der Autor nicht einfach schwarz-weiß. So sei die kurdische Medizinerin nicht automatisch in jeder ihrer Taten gut.

90 Minuten sind für Lesung und Diskussion mit den Schülern vorgesehen. Als Seidl selbst im Alter dieser Schüler war, hat er in seiner Heimat Oberbayern als "politischer Punker" mit entsprechenden Anti-Nazi-Aufklebern schon ein paar Mal "eine aufs Maul bekommen". Solche körperlichen Auseinandersetzungen sind längst passé. Hassmails und Facebook-Nachrichten aus dem Nazi-Milieu dagegen keineswegs.

In Pegnitz weiß Seidl die rund sechsstündige Pause von Schullesung bis zum Abendtermin in der Buchhandlung Faust (19 Uhr) gut zu nutzen. "Ich habe einen Berg von Artikeln und Rezensionen zu schreiben." Falls die Zeit (und Energie) reicht, will er auch an einem seiner Bücher weiterschreiben. "Das sind manchmal nur kleine Notizen."

Eigentlich brauche er aber mehr Zeit, um sich in die Gedankenwelt eines Romanes einzufinden, verrät er abschließend aus seiner Dichterwerkstatt.

FRANK HEIDLER

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