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Marktpassage in Auerbach steht zum Verkauf

Pegnitzer Geschäftsmann Baptist Roppelt baute ehemaliges Stauber-Anwesen vor 16 Jahren um — Erneute Auflagen der Behörden - 12.09.2017 17:57 Uhr

Die Auerbacher Marktpassage bietet von der Alleestraße aus den direkten Zugang zur Innenstadt. Und darüber hinaus 2500 Quadratmeter Gewerbeflächen.

© Brigitte Grüner


Ende des Jahres 1999 legte Roppelt ein erstes Konzept für dieses ehrgeizige Projekt vor. In dem damaligen Bürgermeister Helmut Ott fand der Pegnitzer einen großen Befürworter für sein Vorhaben. Die Immobilie an einer zentralen Stelle in Auerbachs Innenstadt stand bereits teilweise leer. In dem früheren Kino im rückwärtigen Teil des Gebäudes befand sich der Supermarkt Rewe, der Ende der neunziger Jahre auszog. Die Passage selbst führte vom Unteren Markt nach den Läden mehr oder weniger ins Nichts. Kein Wunder also, dass die Stadt eine Änderung und den Pegnitzer Roppelt unterstützen wollte. Rathausverwaltung und Stadtrat sprachen sich dann auch für das Vorhaben aus. Im Juni des Jahres 2000 begann kein leichter Umbau. Im Februar 2001 eröffnen die Eisdiele von Giorgio und Monica Santantonio wieder in dem modernisierten Gebäude, ebenso die Bäckerei Herzog. Weitere Läden folgten.

Fast doppelt so teuer

Bereits bei der Einweihung des ersten Bauabschnittes wusste Baptist Roppelt, dass das gesamte Projekt die ursprünglich veranschlage Summe bei weitem übersteigen werde. Das Ganze werde etwa doppelt so teuer wie geplant, sagte er kurz vor der Einweihung des ersten Abschnitts bei einem Ortstermin. Vor allem bei der Statik waren viele Dinge vorher nicht absehbar gewesen. Drei bis vier Millionen (damals Mark) werde der gesamte Umbau kosten. Am Schluss waren es knapp sechs Millionen Mark. Vor allem im zweiten Bauabschnitt gewann das frühere Stauber-Anwesen durch moderne Bauelemente wie ein Glasdach oder Arkaden auf der Rückseite des Gebäudes. Der damalige Bürgermeister Ott bei der Einweihung: "Herr Roppelt ist clever und seriös. Er investiert nur, wo es sinnvoll ist."

Direkt in die Sparkasse

Verwirklicht wurden auch die Pläne, von der Passage aus einen seitlichen Zugang zur Sparkasse zu schaffen. Der Durchgang von der Alleestraße zum Unteren Markt wurde mit diesem Umbau ebenfalls realisiert. Die Betreiber der Läden wechselten im Lauf der Jahre. Ein schwerer Schlag für Roppelt aber war die Schließung der Schlecker-Filiale. Die Flächen stehen bis heute leer. Und auch den Umzug der Post von der Marktpassage zur Edeka an den Novettaweg konnte der Pegnitzer nicht verhindern.

Ein Kaufpreis für das Gewerbeobjekt ist auf den Internetseiten des Schwandorfer Maklers nicht genannt. Aber die Tatsache, dass die Marktpassage zum Verkauf angeboten wird, ist schon mit Interesse verfolgt worden. In Immobilienkreisen wird die Marktpassage als Anlageobjekt mit acht Prozent Rendite angeboten. Auf einer Grundstücksgröße von 2700 Quadratmetern stehen 2500 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung. Inklusive Untergeschoss auf vier Etagen. Im gesamten Gebäudekomplex haben mehrere Geschäftsbetreiber Ladenflächen angemietet, beschreibt die Schwandorfer Firma das Objekt. Unter anderem handelt es sich um Arztpraxen, ein Fitnesscenter, eine Eisdiele, Bäckerei, Pizzeria sowie ein Bistro mit Spielhallen. Geworben wird vor allem auch mit 80 eigenen Parkplätzen direkt am Gebäude in Auerbachs Zentrum.

Fast täglich am Bau

Baptist Roppelt, beziehungsweise seine beiden Kinder Stefanie und Markus, denen inzwischen die Immobilie gehört, trennen sich eigentlich ungern von dem Geschäftshaus, das vor allem Baptist Roppelt mit großem persönlichen Einsatz umgebaut hat. Es gab fast keinen Tag, an dem er nicht auf der Baustelle gestanden hätte. "Aber die Auflagen zwingen uns dazu", sagt Baptist Roppelt. Vor vier oder fünf Monaten hat laut Roppelt der befreundete Immobilienmakler die Marktpassage der Stadt zum Kauf angeboten. "Die hat aber abgelehnt", so der Pegnitzer. Auch einem weiteren Auerbacher Geschäftsmann sei das Anwesen angeboten worden. Auch ohne Erfolg, so Roppelt. "Erst dann haben wir uns entschlossen, unseren Makler einzuschalten und ins Internet zu gehen."

Bis auf den Bereich, in dem bis zur Insolvenz die Drogeriemarkt-Kette Schlecker eingemietet war, seien alle Flächen vermietet, sagt Roppelt. Allerdings zwingen ihn Auflagen des Landratsamtes zu immer neuen Investitionen. Grund dafür sei, dass nach dem Auszug der Postagentur eine Nutzungsänderung in dem Gebäude beantragt worden ist. Damit fiel quasi der Bestandsschutz weg und vor allem beim Brandschutz ist jetzt eine erneute Modernisierung gefordert. Diese Anforderungen seien für die Familie einfach zu groß. "Da können wir das Haus auch verkaufen und das Geld anderweitig anlegen", sagt Roppelt. Zumal auch erkennbar ist, dass offenbar die Chemie zwischen dem Auerbacher Rathaus und dem Pegnitzer Geschäftsmann nicht mehr stimmt. Vor dem Umbau zu Beginn des Jahres 2000 hatte der Pegnitzer Roppelt das Anwesen von Karl-Georg Stürmer bereits im Jahr 1983 erworben und zum Teil selbst genutzt.

Für die Stadtentwicklung in Auerbachs Zentrum ist die Marktpassage nicht von Relevanz. Auch nicht im Hinblick darauf, was einmal mit dem früheren Hotel Goldner Löwe geschehen wird, wenn die Stadt mit dem Rathaus wieder in das "richtige" Rathaus zurückgeht. Bürgermeister Joachim Neuß geht davon aus, dass dies in zwei Jahren der Fall sein werde. Dann werde es im Umfeld des Goldnen Löwen sicherlich Änderungen geben. So werde die Ruine Ruderstadel abgerissen, wofür mit dem Amt für Denkmalpflege über Jahre hinweg gerungen wurde. Abgebrochen werde auch das Wohnhaus, das direkt an den alten Stadel angebaut ist. Das hat die Stadt inzwischen erworben.

Ob die Marktpassage verkauft werde oder nicht, sei laut Neuß für die Stadt nicht entscheidend. Das Gebäude sei Bestand und auch so akzeptiert. Was den Verkauf der Immobilie angeht, sagte der Bürgermeister, dass ihm diese von Baptist Roppelt nie angeboten worden sei. Stadtbaumeisterin Margit Ebner sagte, dass Roppelt ihr gegenüber einmal sagte, dass er verkaufen wolle. Ein Kauf käme aber für die Stadt nicht in Frage, so Neuß.

Baptist Roppelt sieht die Marktpassage trotzdem als wichtig für die Innenstadt an. Sollte ein neuer Eigentümer den Zugang von der Alleestraße zum Unteren Markt sperren, wäre das für die Innenstadt äußerst schädlich.

MICHAEL GRÜNER

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