Michelfeld als positive Ausnahme im Schießsport

21.2.2021, 16:52 Uhr
Den Griff zur Waffe vermissen die Sportschützen schon lange. Nun machen sie sich langsam Sorgen, ob der Nachwuchs den Vereinen erhalten bleibt und ob die Klubkassen sich wegen des langen Lockdowns leeren.

Den Griff zur Waffe vermissen die Sportschützen schon lange. Nun machen sie sich langsam Sorgen, ob der Nachwuchs den Vereinen erhalten bleibt und ob die Klubkassen sich wegen des langen Lockdowns leeren. © Foto: Sportfoto Zink/Jüra

Nachdem die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung bis zum 7. März verlängert worden war, hat auch der Bayerische Sportschützenbund reagiert. Sportschießen ist also nach wie vor nur für Berufs- und Leistungssportler (Bundes- und Landeskader) möglich, so steht es auf seiner Webseite.

Zudem hat der Ligaausschuss Bayernliga beschlossen, dass die Saison 2020/21 abgebrochen wird. "Um einen fairen, sportlichen Wettkampf durchzuführen, bedarf es einige Zeit an Vorbereitung, was in dieser Form nicht möglich ist", so Jan-Erik Aeply, Vorsitzender des Ligaausschusses in einem Schreiben. Der gleiche Ausschuss hat aber in einem weiteren Schreiben angekündigt, einen Liga-Cup Bayern durchführen zu wollen, dessen Finale im Juli stattfinden soll.

Eigentlich würden, wie bei vielen anderen Vereinen auch, die Jahreshauptversammlungen der Schützen anstehen. Aber nachdem die Vereine im letzten Jahr auf vieles verzichten mussten, werden diese erst einmal nicht stattfinden können. Und diese Einschränkungen hinterlassen zunehmend Spuren.

Franz Brunner, Präsident des Oberpfälzer Schützenbundes (OSB), will trotzdem versuchen, wenn auch in abgespeckter Form, die Landesmeisterschaft durchzuführen. "Da die deutsche Meisterschaft stattfinden soll, wollen wir den Schützen die Chance geben, sich bei uns dafür zu qualifizieren", so Brunner. Die Planungen laufen aber unter den Hygienemaßnahmen, die bereits im letzten Jahr ausgearbeitet wurden. Doch Brunner weiß auch, dass es Schützenvereine gibt, die Angst davor haben und von vornherein nicht daran teilnehmen werden.

Beiträge zu niedrig?

In einer Konferenz mit dem Innenministerium ging es laut Brunner auch um die Situation in den Vereinen. "Manche Vereine haben Beiträge, die so gering sind, dass sie ihre Feste benötigen, um überleben zu können", so der Präsident des OSB. Er merkte an, dass im ländlichen Raum fast jeder in einem Verein seines Dorfes sei: "Dadurch ist der Mitgliedsbeitrag so gering, dass von diesen Einnahmen kein Verein geführt werden kann". Durch die alljährlichen Feste (Schützenfest, Weihnachtsfeier, etc.) können laufende Kosten im Jahr gedeckt werden. "Nicht so 2020 und womöglich auch noch 2021", befürchtet Brunner.

Und deswegen haben einige Vereine bereits angefragt, ob man den Verbandsbeitrag kürzen kann. "Doch auch wir vom OSB haben unsere Ausgaben und Abgaben", so Brunner. Aber viele Vereine hätten in der Tat Probleme, ihre laufenden Kosten zu bezahlen. Vereinsheime kosten Geld, nehmen aber zurzeit nichts ein, erklärt er weiter. "Und die Corona-Hilfen passen nicht für die Schützenvereine", so Brunner doch etwas verärgert.

Bei den November- und Dezember Hilfen fallen die kleineren Vereine heraus, weil sie über keine Angestellten verfügen. Die Heimat- und Brauchtumshilfen vor Weihnachten kamen ebenfalls nicht in Betracht für die Schützenvereine. "Doch meiner Meinung nach gehören wir dazu", so der Präsident. Und fügt hinzu: "Bei der Sportförderung werden wir immer berücksichtigt – und das ist sehr gut, aber bei den Corona-Hilfen überhaupt nicht."

Bindung an die Vereine fehlt

Die fehlende Bindung an den Verein ist laut Brunner eines der Hauptprobleme in dieser Zeit. Viele Schützenmeister seien in einem Alter, in dem man andernorts ans Aufhören denke. Es komme keine Jugend nach, beklagt der Verbandsfunktionär.

Diese Sorgen kennt man beim Schützenverein 1893 D‘ Speckbachpelzer derzeit nicht. Der Klub aus Michelfeld hat eigentlich ein Luxusproblem. Er ist personell und finanziell (noch) gut aufgestellt und hat die Zwangspause sinnvoll genutzt.

Anlage modernisiert

"Wir haben am 13. März 2020 das letzte Mal auf unserem alten Stand geschossen", so 1. Schützenmeister Josef Dietl. Danach standen eigentlich die Stadtmeisterschaften an, die jedoch schon pandemiebedingt abgesagt werden mussten. Da habe man sich entschlossen, die Stände zu modernisieren und auf vollelektronische Stände umzurüsten. Nun werden seit Ende Juli die sieben Stände modernisiert und mit einer kombinierten Licht- und Kugelanlage ausgestattet.

"Wir hoffen, in diesem Jahr noch schießen zu dürfen", sagt Dietl. Wann dies sein wird, weiß er selbst noch nicht. Aber der Verein halte zusammen und die Jugend sei voll motiviert. Finanziell habe der Verein bisher noch nicht unter Corona gelitten. "Wir haben hier die Räume gepachtet und dadurch weniger Ausgaben", so der Vorsitzende.

Aber er befürchtet, wie auch Franz Brunner, dass die Auswirkungen der Corona-Zeit erst in ein paar Jahren zu spüren sind. Dietl: "Da werden uns die Jugendlichen fehlen, die in der jetzigen Zeit entweder austreten oder einfach nicht mehr konkurrenzfähig sind, weil ihnen das Training fehlt."

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