Montag, 19.04.2021

|

Senivita: Dr. Horst Wiesent muss in die Insolvenz

Pflegeunternehmen mit Sitz in Bayreuth hat immer wieder hohe Verluste eingefahren - 19.12.2020 12:56 Uhr

SeniVita-Chef Horst Wiesent (links) bei seiner Ernennung zum Senator der Bundesbank für Wirtschaftsförderung.

01.06.2011 © oh


Das Gericht bestellte Rechtsanwalt Hubert Ampferl von der Nürnberger Kanzlei Dr. Beck & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens, das Pflege- und Behinderteneinrichtungen – auch in Pegnitz – sowie eine Kinderkrankenpflegeeinrichtung betreibt, würden für die Monate Dezember 2020 bis Februar 2021 Insolvenzgeld erhalten.

Oberste Priorität für die Geschäftsleitung und den vorläufigen Insolvenzverwalter habe die Sicherstellung der Betreuung in den Einrichtungen.

Das Ziel von Geschäftsführung und vorläufigem Insolvenzverwalter sei nun, den Geschäftsbetrieb unter dem Schutz des Insolvenzrechts zu sanieren, so die Kanzlei. In den Pflege- und Betreuungseinrichtungen sei die Versorgung der Bewohner durch die Mitarbeiter und Pflegekräfte sichergestellt. Die betrieblichen Strukturen der Dr. Wiesent Sozial gGmbH seien intakt, Löhne und Gehälter der über 200 Mitarbeiter gesichert. Der Insolvenzantrag eröffne die Möglichkeit der Umsetzung eines Sanierungskonzeptes, "um insbesondere die finanzwirtschaftlichen Strukturen auf neue Beine zu stellen". Der Prozess soll bis Mitte März abgeschlossen werden.

Anleger wurden vertröstet

Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit immer wieder mit hohen Verlusten Schlagzeilen gemacht, Anleger wurden immer wieder vertröstet. Der Pflegeheimbetreiber ist zu 49,99 Prozent an der Senivita Social Estate AG (SSE AG) beteiligt, die Pflegewohnimmobilien plant, baut und vermarktet. Bei der SSE-Wandelanleihe 2015/2020 war es in den letzten Jahren mehrfach zu Verzögerungen bei den Zinszahlungen gekommen.

Erst vor wenigen Tagen war Horst Wiesent als Vorstandschef der Senivita Social Estate abberufen worden. Der Aufsichtsrat kann laut Aktiengesetz bei einem "wichtigen Grund" den Vorsitzenden abberufen. Als wichtiger Grund gilt "grobe Pflichtverletzung" oder "Unfähigkeit zur ordentlichen Geschäftsführung" (wir berichteten). Die Dr. Wiesent Sozial gGmbH hatte vor einigen Monaten die Zahlen für das Geschäftsjahr 2018 veröffentlicht, das mit einem Riesenverlust abgeschlossen wurde. Die Verzögerungen wurden damals mit der Klärung von Bewertungsfragen mit Blick auf die 49,99-Prozent-Beteiligung an der Tochter SSE AG begründet. Den Angaben zufolge gab es 2018 einen leichten Umsatzanstieg auf 8,1 Millionen Euro. Davon entfielen 5,5 Millionen Euro auf Pflegeleistungen. Die Ertragslage sei von nicht-liquiditätswirksamen Sonderbelastungen von 30,6 Millionen Euro gekennzeichnet gewesen, hieß es. Die Summe ergebe sich aus der vollständigen Abschreibung des Buchwertes auf die Anteile an der SSE AG (fünf Millionen Euro) sowie aus Wertberichtigungen von insgesamt 25,6 Millionen Euro auf mehrere Darlehensforderungen, hauptsächlich gegen Tochtergesellschaften. In der Folge weise die Dr. Wiesent Sozial gGmbH einen Jahresverlust von 23,5 Millionen Euro aus. Schon im Jahr zuvor hatte es einen gewaltigen Verlust von 22,8 Mio. Euro gegeben.

Der geschäftsführende Gesellschafter Horst Wiesent erklärt damals dazu: "Der Jahresabschluss 2018 der Dr. Wiesent Sozial ist eine Momentaufnahme, die uns angesichts der hohen Sonderbelastungen alles andere als zufriedenstellt." Auch die Dr. Wiesent Sozial sei dabei, einen Restrukturierungsplan zu erstellen, der die Rückkehr in die Profitabilität ermögliche.

ROLAND TÖPFER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Bayreuth