Mittwoch, 20.01.2021

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Spieser Skilift besteht seit 50 Jahren

Silvester 1970 eröffnete der Skilift Spies. Seither wurden schneereiche Tage seltener - 29.12.2020 17:09 Uhr

Ob schneereicher Winter oder nicht: Für den Arbeitsdienst des Skiclubs Spies gab es einiges zu tun. Seit 2018 wird der Skilift von einer Interessengemeinschaft betreut.

29.12.2020 © Archivfoto: Zagel


Vor allem seit dem Jahr 2007 wurde der Skilift in Spies in ehrenamtlicher Regie betreut, seit 2018 von einer Interessengemeinschaft (IG). An Silvester 1970 – genau vor 50 Jahren – ist der Skilift zum ersten Mal in Betrieb gegangen. Viele Jahre drängelten sich dort die Skifahrer und Rodler, wenn es die Schneelage zuließ.

Hobby-Historiker Markus Böse aus Spies blickt zurück auf die Anfänge des Skilifts: Der Anstoß für dessen Bau sei in den 1960er Jahren aus "Nürnberger Kreisen" gekommen, die in Spies gerne ihre Wochenenden verbracht hätten. "Die Anregung nahm der Fremdenverkehrs- und Heimatverein Hohe Reuth auf, und 1969 reiften die Pläne für den Bau. Die Grundstücksbesitzer am Nordhang des Schlossberges gaben ihr Einverständnis", berichtet Böse.

Abnahme durch den TÜV

Ein Jahr später begannen die Bauarbeiten, ausgeführt von einer Tiroler Firma. Nach der Abnahme durch den TÜV im Dezember 1970 stand einer Eröffnung zum Silvestertag nichts mehr im Wege. Trotz eines Gutachtens des Wetteramtes Nürnberg, dass die Schneesicherheit in dem Gebiet lediglich 30 Prozent betrage, hätten die Winter der ersten Jahrzehnte noch ausreichend Schneefall mit sich gebracht.

"So konnte über Wochen eine gute Piste präpariert werden. Manchmal wurde allerdings auch mit herbei gefahrenem Schnee nachgeholfen", erinnert sich Böse. "Und nicht wenige Bewohner der Altgemeinde Spies haben bereits in Jugendtagen ihr Taschengeld durch Bügelhinhalten aufgebessert", weiß Böse. Die Anschaffung von Pistenraupe und Loipenspurgerät sowie die Anwesenheit eines Imbissstandes sorgten für einen Rahmen, der keine Wünsche für einen sportlichen Tag auf Skiern übrig ließ.

Vorwiegend junge Familien aus dem gesamten Großraum zog es gestern Nachmittag zum Skihang in Spies, um dort zu rodeln. Der Parkplatz war fast komplett belegt, unter anderem mit Fahrzeugen aus Erlangen, Forchheim, Bayreuth und dem Nürnberger Land.

29.12.2020 © Foto: Udo Schuster


"Leider bleibt auch der Skilift Spies nicht vom Klimawandel verschont", bilanziert der Hobby-Historiker. "Vereinzelt wunderschönen und schneereichen Wochen stehen immer mehr Winter mit Liftöffnungszeiten von weniger als sieben Tagen gegenüber."

Diese Erfahrung macht auch die Interessengemeinschaft aus Reihen der Bürger rund um Spies. In der vergangenen Saison 2019/2020 sei es unmöglich gewesen, die Anlage auch nur einen Tag zu öffnen, teilt der Ansprechpartner für die IG, Hans-Jürgen Gradl, mit. Lediglich Ende Februar habe es einen Tag geschneit. Da aber der Untergrund weich war, konnte der Hang nur für den Rodelbetrieb freigegeben werden. "Eine nasse Angelegenheit, jedoch ausreichend, um den Kindern eine Freude zu bereiten", berichtet Gradl.

In der Saison davor habe man immerhin zwölf Tage öffnen können. Die Feuertaufe wurde bestanden: Der unerwartet aufgetauchte TÜV hatte keine Beanstandungen. Von 2007 bis zur Wintersaison 2017/18 wurde der Skilift im Auftrag der Stadt Betzenstein unter Dieter Langfritz aus Riegelstein und einen Helferkreis betrieben.

Als dieser 2017 sein Ehrenamt niederlegte, gründete sich die IG. Der Skiliftbetrieb sollte unbedingt weiterlaufen. Mittlerweile besteht die IG aus elf Mitgliedern. Außerhalb der Saison ist der Aufwand für die Skiliftbetreuer gering, beschränkt sich auf Sichtkontrollen und minimale Wartungsarbeiten.

Anders ist es in der Saison. Mit Unterstützung der IG bringt der Stadtbauhof die Schleppgeräte am Liftseil. Zahlreiche Aufgaben stehen dann an, wenn der Lift in Betrieb geht und auch schon im Vorfeld: Anlage vorbereiten, Zurückschneiden von Ästen, Unterstützungspersonal, das hauptsächlich aus Jugendlichen besteht, zusammenstellen, die Pistenraupe einsatzbereit machen, die Piste präparieren, Kasse und Kontrollposten besetzen und Wartungsarbeiten durchführen sind nur ein Teil dessen, was für einen reibungslosen Betrieb notwendig ist und was organisiert werden muss.

Hygiene-Konzept unmöglich?

Maßgeblich verantwortlich für die Durchführung und für die Unterstützung von Wartungsarbeiten ist der städtische Bauhof, sagt Gradl. "Die Zusammenarbeit klappt reibungslos." Die Saison ist aktuell geprägt von einem erneut schneearmen Winter. Aber selbst, wenn es so viel schneien sollte, dass der Skihang in Beschlag genommen werden könnte, steht hinter einer Öffnung des Skilifts auch nach einem Ende des Lockdowns am 10. Januar ein dickes Fragezeichen. Es sei "schwer, fast unmöglich, ein Hygiene-Konzept umzusetzen", sagt Gradl.

INFO: Die Öffnungszeiten des Skilifts können auf der Homepage der Stadt Betzenstein eingesehen werden. Zurzeit ist der Skilift außer Betrieb.

KLAUS TRENZ

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