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Dienstag, 01.12.2020

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VHS-Brandbrief an Landtagsabgeordnete

Bürgermeister Nierhoff unterstützt das Anliegen der fehlenden "zeitlichen Perspektive" nach dem Lockdown. - 21.05.2020 18:55 Uhr

An der Volkshochschule Pegnitz ist vor wenigen Tagen wieder der Einzelunterricht verschiedener Instrumentallehrer mit je einem Schüler angelaufen. Die früher üblichen Schüler-Konzerte der Musikschule (Bild) sind aktuell aber noch lange nicht erlaubt.

20.05.2020


Unterstützt wird sie in diesem Anliegen auch vom frisch gebackenen Pegnitzer Bürgermeister Wolfgang Nierhoff. Dieser hat gemeinsam mit "seiner" VHS–Fachfrau einen Brandbrief an alle Landtagsabgeordneten der Region auf den Weg gebracht.

Darin heißt es wörtlich: "Wir brauchen dringend eine zeitliche Perspektive zur Wiederaufnahme des Kursbetriebs." Entsprechende Hygiene- und Raumkonzepte seien bereits erarbeitet worden. "Es geht uns nicht um vorschnelle Öffnungen", betonte Giesbert. Maßgabe müsse immer ein "sinnvoller Infektionsschutz" sein, erläutert die Pegnitzer VHS-Geschäftsführerin in Anlehnung an das Schreiben, für das in ähnlicher Form auch der bayerische Volkshochschulverband Pate gestanden hatte.

Bildung sei "kein Luxus in Krisenzeiten, sondern ein öffentliches Gut und bitter notwendig". Gerade die aktuelle Corona-Krise verstärke eine "gefährliche Mischung aus Verschwörungstheorien, politischem Extremismus und demokratiefeindlichem Verhalten", begründete Giesbert das VHS-Bildungsangebot.

Nach wie vor sei man aber an "behördliche Vorgaben" und Beschränkungen gebunden. Nur der Musik-Unterricht konnte in der Vorwoche als Einzelunterricht wieder gestartet werden, ging sie auf das aktuelle Angebot ein. Immer noch vermisst Giesbert "klare Vorgaben" für eine Wiederaufnahme des Kursbetriebes.

Kurse abgebrochen

Zuerst hatte man beim Lockdown Mitte März gehofft, "nach vier bis sechs Wochen" die Kurse weiterführen zu können. Aber dem war nicht so. Viele damals unterbrochene Kurse seien inzwischen mit Kursleitern und Teilnehmern abgerechnet worden. Eine Ausnahme stellten die zertifizierten Gesundheitskurse dar. Nach Rücksprache mit den Krankenkassen hätten die Volkshochschulen noch bis Ende des Jahres Gelegenheit, ausstehende Kurstermine nachzuholen.

Nach wie vor "wissen wir zu wenig", um einen geordneten Kursbetrieb wieder aufnehmen zu können. Dabei gehe es auch um Fragen, wieviel Quadratmeter Fläche pro Teilnehmer eingeplant werden müssten. "Dürfen wir in eine Schulturnhalle?" und "Gibt es eine Höchstteilnehmerzahl?" sind weitere ungelöste Fragen der VHS-Macherin.

Wenig Ermutigendes war auch von der Auerbacher VHS-Außenstellenleiterin Gaby Koch zu hören. Auch dort sei man noch zum "Abwarten" verdammt. "Ich hoffe, wir wissen Ende Juni mehr", sagt sie.

Da die Auerbacher Volkshochschule keine eigenen Räume habe, sei man auf die Gastfreundschaft von Schulen und vom Krankenhaus angewiesen. Gaby Koch wörtlich: "Wir wissen aber gar nicht, ob man uns dort reinlässt."

Gerade im Krankenhaus hatten die in Auerbach recht beliebten Sprachkurse stattgefunden. Der eine war "nach der Hälfte der Kurstermine", ein zweiter nach nur "zwei Sitzungen" wegen der Corona-Gefahr abgebrochen worden.

Bei allen Kursen sei nach wie vor die Gretchenfrage: Können oder dürfen im Herbst Ersatztermine anberaumt werden? Falls dies scheitere, werde den Teilnehmern die bereits bezahlte Kursgebühr erstattet. "Das war ziemlich viel Arbeit für unsere Hauptgeschäftsstelle in Sulzbach", weiß die Auerbacher VHS-Verantwortliche.

In einem ersten Schritt sollen die Teilnehmer Gutschriften für ausgefallene Kursstunden erhalten.

Schon seit Jahren leidet die Auerbacher Volkshochschule unter akuter Raumnot. "Wir haben schon immer ein Raumproblem gehabt." Beispiel Yoga-Kurs: Früher mussten Dozenten und Teilnehmer in Klassenräumen regelmäßig Tische und Bänke wegschieben. Das habe sich aber inzwischen geändert. "Jetzt dürfen wir in die Aula." Dort könnten 15 Teilnehmer untergebracht werden.

Die Sporthalle sei ohnehin ständig ausgebucht. Eine Zeit lang fand die VHS auch im Michelfelder St. Otto-Zentrum Unterschlupf. Aber auch diese Lösungsmöglichkeit war nicht auf Dauer.

Yoga und Sprachkurse würden am häufigsten nachgefragt. Ein Vortrag fand praktisch in letzter Sekunde vor dem Lockdown-Termin statt. Der zweite wurde behördlicherseits gecancelt. Auf den abgesagten Vortragsabend über den Darm müssen die Auerbacher also noch länger warten. Unter Corona ist die Zukunft der (heimischen) Volkshochschulen mit vielen Fragezeichen versehen.

FRANK HEIDLER

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