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Promis privat: "Dahamm" bei Wolfgang Buck

Neue Serie "Heimspiel": Zu Besuch beim fränkischen Liedermacher - 26.10.2020 09:21 Uhr

Neben der Musik ist Kochen eine Leidenschaft von Liedermacher Wolfgang Buck. Nicht umsonst heißt einer seiner beliebtesten Songs "Des vom Schweinebrodn".

20.10.2020 © Stefan Hippel


Ein Holzhaus mit blauer Eingangstür, von Bäumen und Grün umgeben. Außer Vogelgezwitscher ist nicht viel zu hören in dem Landidyll, in dem der fränkische Liedermacher Wolfgang Buck mit seiner Frau lebt. In grauem Hemd und Jeans steht er lächelnd und ein bisschen müde um die Augen in der offenen Küche und bereitet den Gästen von der Presse einen Kaffee zu.

Die geringelten Tassen hat seine Frau Elisabeth schon bereitgestellt. Dazu gibt es Bamberger, passenderweise, schließlich liegt Erlau nur ein paar Kilometer von der Domstadt entfernt. Seit 21 Jahren lebt Buck mit seiner Frau, die Musik- und Religionspädagogin ist, hier.

Im Holzhaus, überwiegend aus Lärche, fühlt man sich auch drinnen ein bisschen wie draußen. Zum einen durch die Efeutute, die sich über Holzbalken in der Küche und im Wohnzimmer rankt. Vor allem aber durch die begrünte Terrasse, die vom Wohnzimmer abgeht. "Wir sind beide keine Sonnenanbeter", sagt Buck, als er die Kaffeetassen auf den Holztisch unter der Pergola stellt. Ranken von Glyzinie, Hopfen und Wein bilden ein grünes schattiges Dach.

"Ich hab kein Problem mit Faulsein"

Möglichst viel Natur um sich zu haben, ist dem Liedermacher wichtig. Auf seiner Terrasse entspannt er gern im Schatten.

20.10.2020 © Stefan Hippel


Möglichst viel Natur um sich zu haben, ist Buck und seiner Frau wichtig. Großstadthektik braucht der Franke, der aus Puschendorf aus dem Fürther Landkreis stammt, nicht. Er ist das, was gemeinhin als Gemütsmensch bezeichnet wird. Er macht nicht viele Worte, dafür lieber die richtigen.

Corona hat das Leben des Liedermachers noch etwas mehr entschleunigt. "Ich hab kein Problem mit Faulsein", sagt Buck, der ein weiches Fränkisch spricht. Die Inspiration zum Liederschreiben fehlt ihm aber gerade, gibt er zu. Er gehört nicht zu denen, die jetzt vor Kreativität sprühen. Der Input fehlt ihm, "der Geist" und auch die Deadline, um Lieder für eine neue CD fertig zu bekommen. "Ohne Druck tut sich da oben nix" sagt Buck. Als es langsam wieder losging mit Auftritten, freute er sich. In unserem Podcast "Unter Quarantäne" hat er einiges dazu erzählt und sein Lied "Acht Strophen vom Corona gespielt".

Unter Quarantäne: Acht Strophen vom Corona mit Wolfgang Buck

Finanzielle Nöte hat er durch Corona nicht, die Pause hat er fast ein bisschen genossen. Herunterspielen will er die Dramatik der Lage insgesamt aber nicht, betont er. "Bei vielen Kollegen geht es um die Existenz."

Existenzangst kennt er sehr wohl. Vor zehn Jahren hat er sie massiv erlebt, als er eine Erschöpfungsdepression hatte, auch bekannt als Burnout. Aus seiner schlechten Phase machte Buck kein Geheimnis, er sprach und spricht offen darüber. "Das hat mir sehr geholfen. Denn das Kaschieren und Verstecken ist ja ein riesiger Energieaufwand." Ein Jahr hat er gebraucht, bis das "Morgengrauen", wie er sagt, wieder weg war.

Mit dem Hausboot unterwegs

Jetzt ruhen sich seine Musikinstrumente im Proberaum im Keller ein bisschen aus. Eigentlich sollte er sich ja viel öfter mit der Gitarre hinsetzen, findet er. "Aber ich denke mir dann, des mach ich morgen, heut koch ich mir lieber was Schön’s", sagt er und lacht. Kochen ist neben der Musik die Leidenschaft des 62-Jährigen.

Wolfgang Buck in seinem Proberaum im Keller seines Hauses. Eigentlich sollte man sich viel öfter mit der Gitarre hinsetzen, findet er.

20.10.2020 © Stefan Hippel


Auch wenn eines seiner beliebtesten Lieder "Des vom Schweinebrodn" heißt, kommt bei ihm keineswegs nur Fränkisches auf den Tisch. Er kocht auch gern französisch, italienisch oder asiatisch. Strikt an Rezepte hält er sich nicht. "Ich bin eher der "Schaumer-a-weng-was-mer-da-ham-Kocher", sagt Buck.

Zuletzt kam ein Hase mit Zwetschgen auf den Tisch, aber auch vegetarisch kocht er gern. Die Früchte sind vom eigenen Baum, der zum Küchenfenster hereinschaut. Mit seiner Frau kommt er sich beim Kochen nicht in die Quere, sie räumt lieber danach auf, statt selbst am Herd mitzumischen. "Wir haben eine Arbeitsteilung, die darauf beruht, dass jeder das machen darf, was ihm am besten gefällt" sagt Buck.

Auch in puncto Urlaub hat das Paar, das seit 40 Jahren verheiratet ist und zwei Kinder hat, den idealen Kompromiss gefunden. Zur Entspannung schippern sie am liebsten auf einem Hausboot durch Irland, Frankreich oder auch Mecklenburg-Vorpommern. "Meine Frau ist gern wo, und ich bin gern unterwegs", sagt Buck. Das Hausboot vereint beides. Eine Hausbootfahrt war es auch, die ihn zu dem Lied "Asu werd des nix" inspiriert hat. Mit "So wird det nüscht" wurden sie auf Mecklenburgs Wasserstraßen oft begrüßt. "Da hab ich mir gedacht, den Spruch, gibt’s doch auch auf Fränkisch" erzählt Buck. Seine Lieder schreibt er nicht im Proberaum, sondern in seinem Büro. "A weng kuschliger" findet er es da.

Drei Sofas laden zum Relaxen ein

Ein gemütliches Gespräch im Garten.

20.10.2020 © Stefan Hippel


Unkuschelig ist es allerdings nirgendwo im Haushalt Buck. Das ganze Haus mit seinen Holzmöbeln strahlt Gemütlichkeit aus. Drei Sofas laden im Wohnzimmer zum Relaxen ein, zwischen die Bücher im Regal mischen sich auch ein paar Brettspiele – wenn die Enkel zu Besuch kommen. Vier davon hat Buck. "Wie schön es ist, privat zu sein" hat er erst nach dem Einzug hier wieder gemerkt, erzählt er.

Vorher war er in Trabelsdorf (Kreis Bamberg) 14 Jahre lang Pfarrer. Und im Prinzip rund um die Uhr Ansprechpartner für die Gemeinde. "Es ist nicht so, dass dann dauernd jemand klingelt", erzählt Buck. "Aber es kann dich halt jederzeit jemand ganz schnell aus deiner Privatheit reißen." Gestört hat ihn das damals zwar nicht, aber wie es ist, nur mit der Familie zu sein, das weiß er erst, seitdem er sich vor 21 Jahren als Pfarrer hat beurlauben lassen.

Mehr als "Brodwoschd-Comedy"

Ab und zu hilft er auch heute noch im Dekanat aus und springt vier, fünf Mal im Jahr als Pfarrer ein. Manche kommen dann extra wegen ihm. Die evangelische Kirche liegt ihm nach wie vor am Herzen. "Ich bin ein treues und solidarisches Mitglied", sagt Buck und lacht. Die Kirche erfülle bei all ihren Defiziten eine wichtige Aufgabe. "Sie kümmert sich um die Sinnfragen im Leben." Unterhaltsame Predigten, insgesamt Humor, kommen darin immer noch zu kurz, findet er. Vor allem eine direkte Sprache, die sich nicht hinter theologischen Phrasen versteckt, vermisst er oft. Luthers Satz "Man muss dem Volk aufs Maul schauen" werde in der Kirche immer noch zu wenig umgesetzt.

Gerade mit Fränkisch kann man auch tiefe Emotionen ausdrücken, findet er. In seinen nachdenklicheren Liedern wie "Sambesi" oder "Des Glügg" stellt er das unter Beweis: Es geht viel mehr mit dem Dialekt als nur "Brodwoschd-Comedy", wie es Buck formuliert.

Ihm selbst ist es wichtig, das, was ihn umtreibt, adressieren zu können, an eine übergeordnete Instanz namens Gott. "Ich spreche mit über 60 noch jeden Tag ein Abendgebet", sagt Buck. "Und erzähle da meine Nöte und Sorgen oder bedanke mich auch." Der bekannte Spruch von Jesus "Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt" hängt im Wohnzimmer über dem Klavier. Das Zitat aus dem Matthäus-Evangelium ist der Hochzeitsspruch der Bucks.

Kicker-Tabelle am Kühlschrank

In der Küche hängt Weltlicheres am Kühlschrank. Die Kicker-Bundesligatabelle etwa. "Ganz wichtig" für den Clubfan. Einige Lieblings-Aussprüche finden sich auf Magneten: "I can resist everything except temptation" von Oscar Wilde. Ich kann allem widerstehen, nur der Versuchung nicht. Ein Asket ist Buck sicher nicht. Oder "Get me away from these idiots". Ein Zitat von Illustrator Waldo Pancake, das ihn zu dem Lied "Weg von den Idioten" inspiriert hat. "Die Leute, die einem immer in alles reinquatschen", von denen muss man sich fernhalten, ist der Franke überzeugt. "Man selber ist meistens der beste Kapitän im eigenen Leben." Vielleicht fährt er auch deshalb so gerne Hausboot.


Zur Person: Seit über 30 Jahren steht Wolfgang Buck (62) mit seinen Songs im fränkischen Dialekt auf der Bühne. 14 Jahre lang war er als Pfarrer aktiv. 2008 wurde er mit dem Wolfram-von-Eschenbach-Preis ausgezeichnet.


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