Übergriff auf junge Familie

Rassistischer Mob im Nürnberger Land? Die Geschichte um ein erschreckendes Video

6.8.2021, 13:21 Uhr
Die erschreckenden Bilder eines Übergriffs im Nürnberger Land. 

Die erschreckenden Bilder eines Übergriffs im Nürnberger Land.  © Screenshot Instagram

"Renn', renn' um dei Leben", ruft eine Frau mit fränkischem Dialekt. Sie ist in einem Video zu sehen, das derzeit in den Sozialen Netzwerken für Schlagzeilen sorgt. Es zeigt eine junge Mutter mit zwei Kindern, die durch ein Dorf im Nürnberger Land läuft. Eines ihrer Kinder trägt sie auf dem Arm, das andere läuft neben ihr her.

Sie filmt eine Szene, die für Empörung auf Twitter und Instagram sorgt. Denn sie wird nicht nur von einer Frau verfolgt, sondern von mehreren Personen, die sie und ihre Kinder beleidigen und bedrohen. "[Das Kind] ist unterentwickelt, weil es im Drogenrausch gezeugt wurde", ruft ihr jemand hinterher. Ein anderer nennt sie "Drogenschwein". Sie kommen der kleinen Familie immer näher, bis eine Frau eingreift und sie zurückhält. Im Hintergrund ist das Weinen eines ihrer Kinder zu hören. Minutenlang dauert das Video, bis zum Schluss laufen verschiedene Menschen der Familie hinterher: "Renn', die bösen Weißen kommen!"

Die junge Mutter teilte das Video am Donnerstag auf Instagram, seitdem bekommt sie Unterstützung von tausenden Menschen, die sich mit der Frau solidarisieren und den Vorfall als rassistischen Übergriff einordnen - die Frau und ihre Kinder sind Schwarz. Unter den Unterstützern befinden sich auch prominente Persönlichkeiten wie die Komikerin Enissa Amani, Tänzerin Motsi Mambuse und der ehemalige "Köln 50667"-Darsteller David Ortega.

Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung

Kurz nach dem Video mit dem Vorfall in dem fränkischen Dorf teilt die 25-Jährige ein weiteres Video. Dort erzählt sie, dass sie eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung bekommen habe. Doch was war passiert?

In einer Pressemitteilung schreibt die Polizei Mittelfranken, dass der Vorfall schon rund ein Jahr zurückliegt. Eine "aktuelle Gefährdungslage" für die Familie könne deshalb ausgeschlossen werden. Das Video lasse sich zudem klar einem Fall aus dem Jahr 2020 zuordnen. Auf Rückfrage unserer Redaktion bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth heißt es: "Das Video zeigt nur einen Ausschnitt des vorliegenden Falls." Bei der Staatsanwaltschaft wird die Mutter nicht als mutmaßliche Geschädigte, sondern als Angeklagte geführt.

So soll es zwischen der 25-Jährigen und ihrer Nachbarin, die gleichzeitig ihre Vermietern war, vor genau einem Jahr, am 6. August 2020, zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen sein, da sie ihre Miete länger nicht bezahlt hatte und das Mietverhältnis daraufhin gekündigt wurde. Die Staatsanwaltschaft sagt: "Die Angeklagte soll sich vor der Vermieterin aufgebaut haben und ihr immer näher gekommen sein." Und der Frau anschließend mehrmals ins Gesicht geschlagen und in den Unterarm gebissen haben, heißt es weiter. Nachdem die Frau zu Boden sank, soll sie außerdem gegen Kopf, Schulter und Rücken getreten worden sein. Die Angeklagte streitet den Vorfall ab.

Auf dem Video sollen demnach Familie und Sympathisanten der verletzten Frau zu sehen sein. Die Beschuldigungen gegen die Personen auf dem Video, die die 25-Jährige und ihre Kinder beleidigten und bedrohten, wurden laut Staatsanwalt fallen gelassen, weil kein Strafantrag vorliegt - den hätte die Mutter stellen müssen.

Gerichtsverhandlung in Hersbruck

Der Vorfall wird vor dem Hersbrucker Amtsgericht verhandelt. Im März 2021 gab es bereits einen Termin, die Hauptverhandlung wurde jedoch erst einmal ausgesetzt, weil weitere Gutachten von der Gerichtsmedizin und eine DNA-Analyse angefordert wurden. Am 6. Oktober 2021 soll die Verhandlung in Hersbruck dann weitergeführt werden, heißt es vom Pressesprecher Friedrich Weitner.

Die 25-Jährige Mutter hat bislang auf mehrere Anfragen unserer Redaktion nicht reagiert.