20.000 und mehr: Der Landkreis Roth feiert seine Sportler

12.1.2020, 18:01 Uhr
Zu wenig Platz und auch der falsche Boden. Trotzdem zeigte Milena Slupina, die sich später zum fünften Mal insgesamt und zum dritten Mal in Folge die „gläserne Eins“ abholte, auf ihrem Rad einige Höchstschwierigkeiten. Der Lohn: Standing Ovations.

Zu wenig Platz und auch der falsche Boden. Trotzdem zeigte Milena Slupina, die sich später zum fünften Mal insgesamt und zum dritten Mal in Folge die „gläserne Eins“ abholte, auf ihrem Rad einige Höchstschwierigkeiten. Der Lohn: Standing Ovations. © Foto: Salvatore Giurdanella

Am Freitag feierte der Landkreis den Sport und seine Sportler zum 40. Mal – und kaum ein Platz im Parkett und auf der Tribüne war frei geblieben. Wie jedes Jahr wurde die Verkündigung des Ergebnisses der Sportler-des-Jahres-Wahl mit Spannung erwartet.

Kunstradfahrerin Milena Slupina, Tischtennis-Ass Alexander Fleming, die Triathlon-Regionalliga-Mannschaft der Damen vom La Carrera TriTeam und die U18- Mehrkampfmannschaft der LG Landkreis Roth hatten heuer die Nase vorn. Die Sieger und Platzierten wurden ausgiebig bejubelt und gefeiert. Aber das war nicht alles: Insgesamt 633 Sportlerinnen und Sportler standen heuer auf der Ehrungsliste und freuten sich über Urkunden und Medaillen.

Eine Ehre ist es auch, das Fest des Landkreis-Sports mit einem Showpart mitgestalten zu dürfen. Die Eröffnung obliegt dabei traditionell den Gardetänzerinnen des RCV. In diesem Jahr stimmte die Juniorengarde furios auf den Abend ein. Stark auch der Auftritt der Tanzgruppe "Let’s go – let’s dance" des 1. FC Schwand. Danach gab es eine bejubelte Kunstrad-Show von Weltmeisterin Milena Slupina zu sehen, bevor Hip-Hop-Tänzerin Elena Schiller ausdrucksstark über die Bühne wirbelte. Ziemlich ausgeschlafen und zackig zeigte sich die "Pyjama-Party" der "Drauracher Dancecrew". Furios endete der Abend mit dem Showprogramm der Sportakrobatikgruppe des TSV 1860 Weißenburg.

Abstimmung altmodisch per Zettel

Seit 1976 gibt es das jährliche Ritual der Sportlerehrung. 1994 wurden erstmals aus den Reihen der Geehrten die Einzel- und Mannschaftssportler des Jahres gewählt, was der mehrstündigen Veranstaltung zu einem dramaturgischen Höhepunkt am Ende verhilft. Im Zeitalter von Internet-Votings und Socialmedia-Kampagnen entzieht sich die Sportler-des-Jahres-Wahl bewusst dem Follower-Prinzip der schönen neuen Medienwelt und lässt nach wie vor ausschließlich die Sportler selbst per Wahlzettel darüber entscheiden, wer von den durch die lokalen Sportjournalisten nominierten Athleten aus ihren Reihen sich über die gläserne Eins freuen darf. "Uns ist noch nichts Besseres eingefallen", kommentierte Herbert Eckstein. Und das ist gut so.

Schade nur, dass von Jahr zu Jahr immer weniger Stimmberechtigte von ihrem exklusiven Stimmrecht Gebrauch machen. Nur gut die Hälfte der Geehrten beteiligten sich heuer an der Wahl. Wenn nämlich jemand, der in einer zahlenmäßig eher unbedeutenden Randsportart unterwegs ist, wie die Kunstrad-Weltmeisterin Milena Slupina, das Kunststück schafft, innerhalb von zehn Jahren die fünfte Landkreis-Trophäe abzusahnen, dann hat das wirklich Bedeutung: Die der aufrichtigen und bewussten Würdigung und Bewunderung jahrelanger sportlicher Höchstleistung, die von Trends, Lokalpatriotismus und Vereinsloyalität unabhängig ist.

Überhaupt darf sich die Rother Radsportlerin, die 2019 das komplette Portfolio an erreichbaren Titeln von der Bezirksmeisterschaft bis zu Weltmeisterschaft, Weltcupsieg und Weltrekord in die Kreisstadt geholt hat, sich nicht nur als "Königin des Kunstrads", sondern auch als "Königin der diesjährigen Sportlerehrung" fühlen. Nie zuvor hat jemand fünf Mal insgesamt und drei Mal davon in Serie die gläserne Eins zugesprochen bekommen.

Dass der, so der Landrat, "wirklich stärksten Sportlerin, die zurzeit im Landkreis unterwegs ist", die Herzen der Sportgemeinde gehören, hatte sich schon abgezeichnet, als sie ihren Show-Part präsentierte. Trotz schwieriger Boden- und Platzbedingungen drückte Milena Slupina im ungewohnten Ethno-Dress auf engstem Raum einen Sattellenkerhandstand hoch und die Menge in der Halle erhob sich wie abgesprochen am Ende der Vorführung jubelnd von den Sitzen, um sich mit Standing Ovations zu bedanken. "Das hat es noch nie gegeben", staunte der Landrat.

In der Nische erfolgreich

Auch der Wahl-Hilpoltsteiner Alexander Flemming hat sich die gläserne Eins mit Ausnahmeleistungen in einer sportlichen Nische erobert. Der Kapitän des TT-Zweitligisten TV Hilpoltstein hat 2019 als erster Europäer überhaupt den Chinesen in Zhenjiang den Clickball-World-Cup-Sieg weggeschnappt. Er nahm die Auszeichnung dafür am Freitag mit der ihm eigenen sympathischen Ruhe und Bescheidenheit entgegen.

Gäbe es eine Gute-Laune-Trophäe, so hätten diese am Freitag die beiden zweitplatzierten Einzelsportler Theresa Wild und Marcus Schattner bekommen. Die Triathletin wurde mehrfach von ihrem Platz auf die Bühne gerufen und nahm den Weg dorthin jedes Mal mit strahlender Miene. Triathlon-Urgestein Schattner hat bereits 25 Sportlerehrungen auf dem Zettel und fand sich auch beim dritten Anlauf auf die gläserne Eins recht knapp auf dem zweiten Platz wieder.

Herz für Randsportarten

Damit wären wir bei der Tatsache, dass im Rahmen der Sportlerehrungen in den vergangenen vier Jahrzehnten, bei denen insgesamt 20.299 Personen geehrt worden sind, auch immer wieder Disziplinen ins Licht der Öffentlichkeit rücken, die sonst kaum einer wahrnimmt. So hat es der Gredinger Weltcup-Sieger im Blasrohr-Schießen Hermann Sammiller durch die Nominierung zur Wahl des Sportler-des-Jahres zu überregionaler Aufmerksamkeit gebracht.

Überhaupt, die Schützen! Sie sind sowohl an Zahl als an Erfolg regelmäßig ein Herzstück des Landkreis-Sports und schicken mit ihren vielen Disziplinen alljährlich eine große Menge zu Ehrender ins Rennen. Deshalb war es dem Landrat auch eine große Freude, bei der Jubiläumsveranstaltung gerade aus dieser Sportart einige "Legenden" der Geschichte der Sportlerehrung besonders hervorheben zu dürfen: Allein Armbrust-Schütze Georg Klemm war bei 36 der 40 Ehrungen dabei und der einzige unter den 2019 Geehrten, der schon bei der Premiere 1976 aufgerufen worden war. Mit Erwin Gloßner und Karl Schmidt finden sich zwei weitere Schützen unter den Top Five der Rekordteilnehmer. Gloßner ist zudem der Mann, der als Sportler Nummer 20.000 ausgezeichnet wurde. Johann Eberle von der FSG Greding/FSG Hilpoltstein braucht allein eine ganze Seite im Programmheft, um seine zahlreichen Titel und Erfolge 2019 aufzuzählen.

Da hält sich der Schmerz darüber, dass die Luftpistolenmannschaft der FSG Hilpoltstein sich bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres ganz knapp den ebenso jungen wie aufstrebenden Leichtathletik-Mehrkämpfern der LG Landkreis Roth geschlagen geben musste, in Grenzen. Denn auch die Leichtathleten sind immer schon eine Bank im Landkreissport und bringen immer wieder großartige Talente und Leistungsträger hervor. Die verdienten Wurfspezialisten Wolfgang Eberler und Gundula Reuter nehmen auf der Rekordliste mit 31 und 27 Ehrungen die Plätze zwei und drei ein.

Marathon für Gebärdendolmetscher

Die für den Landkreis Roth so wichtig gewordene Sportart "Triathlon" zeigte in Persona der gutgelaunten LaCarrera-Frauen und des Herren-Liga-Teams der TSG 08 Roth seine Bedeutung auch als Mannschaftssportart.

Als sich nach drei Stunden Ehrungsmarathon der Vorhang vor dem traditionellen Regional-Buffet öffnete, streckte sich mit Arno Scharte in der ersten der nun leeren Stuhlreihen einer aus, der an dem Abend eine körperliche wie mentale Höchstleistung vollbracht hat. Wie schon seit Jahren hat der Gebärdendolmetscher ganz allein und ohne Unterbrechung dafür gesorgt, dass die gehörlosen Teilnehmer der Sportlerehrung voll dabei sein konnten. Für ihn eine Herzensangelegenheit. Kein Hunger? "Nein, ich muss nach dieser Dauer-Anstrengung erst einmal irgendwie runterkommen."

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