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Sonntag, 12.07.2020

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Alternativer Medienpreis für schwieriges Thema

Film von Vanessa Hartmann über NS-Euthanasie in Neuendettelsau und Ansbach überzeugte Jury - 02.06.2020 16:39 Uhr

Die Autorin Vanessa Hartmann ist mit dem „Alternativen Medienpreis 2020“ ausgezeichnet worden für ihren Film „Als hätte es sie nie gegeben – NS-Euthanasie in Neuendettelsau und Ansbach“. © Foto: Medienwerkstatt Franken


Die Journalistin Vanessa Hartmann aus Büchenbach ist mit dem "Alternativen Medienpreis 2020" in der Kategorie Geschichte ausgezeichnet worden. Prämiert wurde ihr Film "Als hätte es sie nie gegeben – NS-Euthanasie in Neuendettelsau und Ansbach", der zeigt, wie Menschen auch aus dem Landkreis Roth und der Stadt Schwabach den "Euthanasie"-Morden der Nationalsozialisten mit Hilfe der Einrichtungen, in deren Obhut sie lebten, zum Opfer fielen. Viele Angehörige sind bis heute im Unklaren über das Schicksal der Opfer. Wiederholt wird der Film am kommenden Sonntag.

 

Preis in der Kategorie Geschichte

 

Am Freitag wurde der Film der Medienwerkstatt Franken "Als hätte es sie nie gegeben – NS-,Euthanasie’ in Neuendettelsau und Ansbach" mit dem "Alternativen Medienpreis 2020" in der Kategorie Geschichte ausgezeichnet. Im Film erzählt Autorin Hartmann die Geschichte der Opfer der NS-"Euthanasie", die in den sozialen Einrichtungen der Diakonie Neuendettelsau gelebt haben und aus der ganzen Region stammten. Dabei zeigt die Dokumentation, dass die Aufarbeitung der Ereignisse bis heute lückenhaft ist.

Journalist Tim Birkner lobte in seiner Laudatio, der Film gehe nah: "Viele hätten sich widersetzen können, ihnen wäre nichts passiert. Das zeigen die Zeitdokumente."

Mit dem Preis werden Journalisten gewürdigt, die Themen behandeln, die im Medienalltag oft vernachlässigt werden. Damit will der Preis einen Beitrag dazu leisten, die kritische und demokratische Kultur in Deutschland zu festigen. Ebenfalls nominiert waren in der Kategorie unter anderem Autorinnen und Autoren von WDR, NDR und dem Spiegel.

Die Nürnberger Medienakademie verleiht die renommierte Auszeichnung in Kooperation mit der Stiftung Journalistenakademie, dem Kulturreferat der Stadt Nürnberg, der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di und weiteren Unterstützern. Wegen der Corona-Krise fand die Preisverleihung erstmals virtuell auf dem YouTube-Kanal der Stiftung statt.

Den prämierten Beitrag wiederholt die Medienwerkstatt Franken am Sonntag, 7. Juni, um 19, 21 und 21 Uhr, im Franken-Fernsehen. Er kann aber auch jederzeit in der Mediathek der Medienwerkstatt unter www.medienwerkstatt-franken.de gesehen werden.

 

Anfang 1941 in Bruckberg: Bewohnerinnen und Bewohner der Neuendettelsauer Anstalten werden in staatliche Tötungsanstalten deportiert. © Foto: Medienwerkstatt Franken


Zum Inhalt des Films: Im Dritten Reich wurden aus den sozialen Einrichtungen der Diakonie Neuendettelsau im Landkreis Ansbach über 1200 Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen in staatliche Anstalten deportiert. Mindestens zwei Drittel von ihnen wurden dort getötet, weil sie aus Gründen der "Rassenhygiene" als "lebensunwert" galten.

Mitte der 1980er Jahre hat die Diakonie Neuendettelsau zwei Historiker mit der Aufarbeitung der Ereignisse beauftragt. Das daraus resultierende Buch "Warum sie sterben mussten" (1991) war schnell vergriffen, das öffentliche Interesse war enorm. Denn Ärzte und Pfarrer hatten die in ihrer Obhut lebenden Menschen nach anfänglichem Zögern nur allzu bereitwillig ausgeliefert.

 

Bis heute ehrbare Männer

 

Und mehr noch: Neue Recherchen der Medienwerkstatt in den bislang nie gesichteten Patientenakten zeigen, wie die damals leitenden Pfarrer der Diakonissenanstalt unliebsame Bewohner, Erwachsene wie Kinder, auch in der Phase der "dezentralen Euthanasie" ab 1941 in die staatliche Heil- und Pflegeanstalt nach Ansbach verlegt und damit wissentlich dem Tod preisgegeben haben. Trotzdem sind sie bis heute geehrte Männer, Häuser und Straßen sind nach ihnen benannt.

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