Shitstorm auf YouTube

"Auhof-Doc": Mord- und Folterdrohungen nach Impf-Video

Paul Götz

Roth

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1.12.2021, 06:04 Uhr
Dr. Rolf Eichinger hat mit seinen Videos den Shitstorm der Impfgegner-Szene herausgefordert. Die Polizei ermittelt.

Dr. Rolf Eichinger hat mit seinen Videos den Shitstorm der Impfgegner-Szene herausgefordert. Die Polizei ermittelt. © Screenshot Youtube

Am Montag hat Dr. Eichinger deshalb die beiden Videos offline gestellt. Eine Kapitulation ist das nicht. "Es wird ein drittes Video folgen", kündigt Eichinger gegenüber unserer Zeitung an. Bis dahin kann man sich andere medizinische Informationen auf seinem Youtube-Kanal holen – der Renner dort ist "Abszesse und Furunkel bei myofaszialer Störung" mit rund 3300 Aufrufen.

Ein Vielfaches an Zugriffen hatten die beiden offline gestellten Impf-Videos bekommen. Für deren Inhalt braucht man keine Fachkenntnisse. "Ich habe die Schnauze gestrichen voll von den Impfgegnern und Impfverweigerern", hebt Eichinger in Video 1 an. Was die Szene besonders aufregt, ist seine Ankündigung, durch Bloßstellung im Wartezimmer diese Spezies zu stigmatisieren.

Als Antwort kamen Ankündigungen, ihn wegen Volksverhetzung anzuzeigen. Eichinger wurde als "potenzieller Mörder" diffamiert und ihm geraten, beim Gang um sein Haus künftig besser "den Feuerlöscher dabei zu haben". Und er bekam den Spitznamen "Adolf Eichmann" verpasst. Das ist jener SS-Offizier, der im "Dritten Reich" maßgeblich die Verfolgung, Deportation und Ermordung von schätzungsweise sechs Millionen Juden mitorganisiert hatte. Israel verurteilte ihn nach seiner Entführung aus Argentinien 1962 zum Tod durch Erhängen.

Hunderte Hass-Mails

Diese Namensgebung kann man an sich schon mindestens als Diffamierung, wenn nicht gar als Morddrohung auffassen. Letztere wurde zigfach schriftlich bestätigt. Am Samstag überschwemmten hunderte von E-Mails Eichingers privates Postfach, seine Freundin erreichten weitere rund 400, vollgepfropft mit Drohungen.

Zur gleichen Zeit wurde die Frankfurter Kriminalpolizei auf Aktivitäten im Messenger-Dienst "Telegram" aufmerksam, in denen über Mord und Folter am Auhof-Doc schwadroniert wurde. Die Polizei informierte den Arzt über diese Absprachen. Von den angekündigten Anzeigen gegen ihn wegen Volksverhetzung ist derweil noch nichts bekannt.

Impfgegner "nicht willkommen"

In seinem zweiten Video vom 19. November hatte Eichinger seine Ankündigung von Bloßstellungen im Wartezimmer entschärft: "Diese Leute sind nicht willkommen, aber selbstverständlich werden wir die ärztliche Schweigepflicht wahren."

Szenen im Wartezimmer waren es auch, die den Arzt dazu bewogen hatten, nicht nur medizinische Themen auf seinem Youtube-Kanal zu besprechen. "Am Auhof ist es uns gut gelungen, die erste, zweite und dritte Welle zu umschiffen", erklärt er gegenüber unserer Zeitung. "Wir haben mit enormem Aufwand, viel Arbeit und ganz viel Aufklärung den Auhof mit all seinen Risikopatienten gut und sicher durch die Krise gebracht. Heute sind wir gut gesichert, wir haben über 1500 Impfungen gemacht."

Diese Arbeit sieht Eichinger durch Impfverweigerer gefährdet: "Da kommen diese dreisten Typen und brüsten sich, dass sie nicht geimpft sind. Die kümmern sich nicht um all den Schaden, den sie anrichten." Da wären: Die Krebs-OP für eine Patientin, die verschoben werden muss, weil im Krankenhaus keine Kapazität frei ist. Oder die Schüler, die wieder zu Hause bleiben müssen und keine Sportstunden mehr bekommen.

Die Mehrheit "in Geiselhaft"

Eichinger wundert sich, dass nicht schon längst zu Lichterketten und Schweigekreisen aufgerufen wird und die Mehrheit der Bevölkerung schweigend zuschaut, "wie 20 Prozent den Rest in Geiselhaft nehmen". In Spanien beispielsweise sei "der soziale Druck ganz anders".

Eichinger selbst nimmt da, was die Wissenschaftsfeindlichkeit der Impfgegner angeht, kein Blatt vor den Mund. Ein Beispiel: "Beim Impfen wird der Expertise des Mediziners nicht vertraut, sie lächeln mich an und nehmen ein Medikament ein, das tausendmal gefährlicher ist."

Der Aufhof ist überall, und das schon im Mittelalter: "Wenn uns etwas weiter gebracht hat, dann waren das nicht Religion und Esoterik. Das sind die Leute, die andere verbrannt und die Wahrheit klein gehalten haben. Das sind die Leute, die in Amerika das Kapitol gestürmt haben. Das sind die Leute die keine Demokratie verdient haben, weil sie keine Debatten mögen." Absprachen zu Mord und Folter gehen aber offenbar...