Billy Wechsler stöbert in der musikalischen Vergangenheit

6.7.2020, 06:04 Uhr
Vor einem Vierteljahrhundert hat sich die Rother Band „Pat Garrett“ aufgelöst. Billy Wechsler, damals Sänger des Quartetts, hat der Vergangenheit nun ein Kunstprojekt abgelauscht, das er ab 15. Juli in seinem „Museum für regionale Kunst“ zeigt.

Vor einem Vierteljahrhundert hat sich die Rother Band „Pat Garrett“ aufgelöst. Billy Wechsler, damals Sänger des Quartetts, hat der Vergangenheit nun ein Kunstprojekt abgelauscht, das er ab 15. Juli in seinem „Museum für regionale Kunst“ zeigt. © Foto: Petra Bittner

Doch 1989 feierte er die Wiederauferstehung, mehr als 5000 Kilometer von seinem ehemaligen Wirkungskreis entfernt – in Roth, Mittelfranken. Und zwar mit ziemlichem Getöse. Denn die zwei Wechsler-Brüder Billy und Tom praktizierten gemeinsam mit ihren beiden Freunden Oli und Grögge genau das, was zu jener Zeit en vogue war: eine Band gründen. Deren legendengetränkter Name? - Ja, genau: "Pat Garrett"

"Lang, lang ist’s her", sagt Billy Wechsler, der sich bis 1995 mit vorsätzlich verwegenem Rock-Timbre ein wenig lokale Popularität als Pat Garrett-Frontman ersang. Wie zum Beweis, dass all das einmal Realität war, hebt er ein Relikt in die Höhe. Eine Musik-Kassette ist’s, in klassischer Plastikhülle und händisch mit schwarzen Kreisen auf matt-weißem Tipp-Ex verziert. Typisch für die damalige Zeit: Man markierte seine tonalen "Schätze", unikatisierte sie.

Alte Fotos ausgegraben

Warum Billy Wechsler den Geist "Pat Garretts", also den der 1980/90er Jahre, reanimiert hat? "Weil mich die Leichtigkeit und Nostalgie des Gestern innerlich so sehr berührt haben", erklärt er. Als ihm sein Bruder Thomas zu Weihnachten vergangenen Jahres einen Pat Garrett-Song per Whatsapp schickte, "hat es angefangen, in mir zu arbeiten", so Billy Wechsler. "Aus dem Staunen heraus" sei schließlich "der Wunsch geboren, diese Musik auch in die Ohren und Herzen" anderer zu transportieren.

Interessiert habe ihn dabei unter anderem das Wirken der Vergangenheit auf die (eigene) Gegenwartsbefindlichkeit. Deshalb grub er zusätzlich alte Fotos aus, blies den Staub von Video 8-Aufnahmen und suchte nach Dokumenten, die Erinnerung und Atmosphäre wach werden ließen – Konzerte, Newcomer-Wettbewerb, Studiobesuch, Probenraumsituation...

Botschaften aus dem Damals

Billy Wechsler hat all das gebündelt. Er hat die Pat Garrett-Story 25 Jahre danach – Jubiläum! – aufnotiert und digitalisiert; er hat sie aber auch ganz analog auf ein Mini-Booklet gebannt, ein kleines Faltposter dazu gepackt und in einen Umschlag gesteckt, auf dem eine individuell bemalte Kassette pappt, bespielt mit zwei Pat Garrett-Songs ("Whiskyman", "Copkiller"). Botschaften aus dem Damals.

100 solcher Päckchen hat Wechsler geschnürt. Als Fan-Devotionalie, einerseits. Und käuflich erwerbbar zum Preis von zehn Euro. Da findet sich unter all dem Material dann auch ein mp3-Download-Code für sämtliche Pat Garrett-Songs, sieben an der Zahl. Gleichzeitig will Wechsler das Ganze aber vor allem als Kunstaktion verstanden wissen, zumal das Projekt Fragen aufwerfen soll: Wie beeinflusst ein solcher Es-war-einmal-Ausschnitt das Heute? Persönlich und allgemein? Wie erinnern wir? Was wird da aus der Vergangenheit in die Gegenwart befördert? Was macht das mit der Zukunft?

Im Museum wirken lassen

Der Betrachter darf dazu die 100 Pat Garrett-Objekte auf sich wirken lassen. Billy Wechsler hat die Kassetten – keine Originale, sondern äußerst authentisch anmutende Repliken – als Einzelstücke gestaltet und stellt sie seriell zur Disposition: ab 16. Juli in seinem "Museum für regionale Kunst" zu Füßen der Abenberger Burg.

Das passt. Denn "nur im Hier und Jetzt" verharren? Nein, das sei ihm "zu banal, zu wenig", lautet Wechslers Credo. Er verstehe sich vielmehr als Künstler, der immer wieder eine Lunte im Dunkel der Vergangenheit zünde, "damit wir intuitive Erkenntnisse für die Gegenwart gewinnen, die wir dann in die Zukunft tragen können..."


 

Die Ausstellung mit den Pat Garrett-Objekten, die auch zum Preis von je zehn Euro erstanden werden können, läuft ab 15. Juli in Billy Wechslers "Museum für regionale Kunst" in Abenberg, Burgstraße 21. Zu sehen ist sie dort mittwochs bis samstags, jeweils 14 bis 17 Uhr, oder nach Vereinbarung unter Telefon (01 51) 21 00 28 90.

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