Denkmalprämierung 2020: Das sind die Preisträger aus dem Landkreis Roth

17.3.2020, 13:24 Uhr
Die kleine Friedhofskapelle „Mariahilf“ ist neben einer jüngeren Filialkirche das einzige Bau-denkmal in Kaising, einem Weiler auf der Höhe über Greding.
Der Putzbau mit Satteldach, dreiseitigem, eingezogenem Chor sowie Dachreiter mit Spitz-helm über dem Chor, stammt wohl aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und wurde 1748 wie-der aufgebaut.
Neben kleineren Schäden waren die Schwelle und der Zerrbalken, auf denen ein Turmpfos-ten steht, komplett zerstört, so dass sich der Turm bereits absenkte. Auch das Dachtragewerk war vor allem an der Mauerlatte schwer beschädigt und von Feuchtigkeit durchzogen. Die gesamte Dachkonstruktion hatte sich deswegen bereits gesenkt. Im Inneren gab es Risse in der Stuckdecke und Teile der Decke waren bereits herabgefallen.
Auch an der Fassade gab es vor allem im Sockelbereich und am Turm Abplatzungen des Putzes. Dieser stammte noch aus den Jahren 1975 bis 1980, als die Fassade mit denkmalun-verträglichem Zement komplett neu verputzt worden war. Text: Philipp Eichenmüller
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Greding-Kaising, Marienstraße 1: Friedhofskapelle

© Julia Krieger

Die Sanierungsmaßnahmen in der Dachkonstruktion umfassten die Reparatur von Schwelle und Zerrbalken ebenso wie die der Mauerlatte. Die Konstruktionshölzer im Traufbereich wurden entschuttet und freigelegt, so dass Feuchtigkeit nun durch eine Hinterlüftung entweichen kann. Das statische Gefüge wurde durch diverse Verbinder gefestigt.
Die Oberfläche der Fassade wurde dünn abgefräst sowie schadhafte Bereiche erneuert und ein neuer mineralischer Oberputz sowie ein freskaler Anstrich aufgebracht. 
Im Inneren hat man jüngere Anstriche bis auf den tragfähigen mineralischen Untergrund ab-genommen, durch mehrlagigen Anstrich mit Kalkfarbe ersetzt und schadhafte Stellen erneuert.
Bemerkenswert bei dieser Sanierung ist das große Engagement der kleinen Kirchengemeinde: eine Gruppe von acht bis zehn Gemeindegliedern hat in 112 ehrenamtlichen Arbeitsstunden die Farbe im Innenbereich entfernt. Und auch der Restaurator hat sich besonders engagiert, um das kleine Kirchlein, das der Bevölkerung sehr viel bedeutet, vor dem Verfall zu retten. Text: Philipp Eichenmüller
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Greding-Kaising, Marienstraße 1: Friedhofskapelle

© Julia Ziegler

Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Georg, ein Sandsteinquaderbau mit Satteldach wurde 1748/1749 im sogenannten Markgrafenstil von Johann David Steingruber erbaut. Sie liegt auf dem ehemaligen Burgberg in Kammerstein.
Nachdem das Äußere schon vor einigen Jahren instandgesetzt worden war, gab es nun Riss-bildungen in den Außen- und Innenwänden auf Grund von Mängeln im Dachtragewerk. Diese statischen Schwierigkeiten entstanden, weil zu Beginn des 19. Jahrhunderts das ehemalige Walmdach zum Satteldach umgebaut und der First bis zum Turm hin verlängert worden war. Dadurch wurden zusätzliche Kräfte in das Turmmauerwerk abgeleitet. Außerdem fehlten an vielen Stellen kraftschlüssige Verbindungen, weswegen sich auch die Deckenbalken durch-gebogen hatten. Text: Philipp Eichenmüller
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Kammerstein, Kirchenweg 5: ev.-luth. Pfarrkirche St. Georg

© Julia Krieger

Die Sanierungsmaßnahme umfasste daher vor allem die Instandsetzung der Dachstatik: zu-nächst wurde eine dicke Styropordämmschicht auf dem Dachboden entfernt und später durch Holzweichfaserplatten ersetzt. Des Weiteren wurden form- und kraftschlüssige Verbin-dungen der Gespärre, Binder sowie Sprengwerke überprüft und erneuert. Die Verbindungen im Bereich der Empore wurden instandgesetzt, Risse im Mauerwerk innen und außen ver-presst, Reparaturen am Dach durchgeführt und die Elektrik erneuert.
Im Inneren wurden starke Vergrauungen an den Oberflächen entfernt und gemäß den Vor-gaben des Restaurators denkmalschädliche, dispersionshaltige Farbschichten abgenommen. Da auch die Fenster im Süden morsch waren, wurden diese ebenfalls erneuert und alle Fens-ter der Kirche neu gestrichen. Die Überarbeitung der Ausstattung umfasste die Instandset-zung das Altars, des Lesepults, der Kanzel sowie die der Treppen und Balustradengeländer sowie der Orgel.
Besonders nennenswert bei dieser gelungenen Sanierung ist das ehrenamtliche Engagement der Gemeindeglieder, die mit 153 Arbeitsstunden gemeinschaftlich zum Erhalt der Pfarrkirche beigetragen haben. Text: Philipp Eichenmüller
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Kammerstein, Kirchenweg 5: ev.-luth. Pfarrkirche St. Georg

© Julia Krieger

Im Inneren wurden starke Vergrauungen an den Oberflächen entfernt und gemäß den Vor-gaben des Restaurators denkmalschädliche, dispersionshaltige Farbschichten abgenommen. Da auch die Fenster im Süden morsch waren, wurden diese ebenfalls erneuert und alle Fens-ter der Kirche neu gestrichen. Die Überarbeitung der Ausstattung umfasste die Instandset-zung das Altars, des Lesepults, der Kanzel sowie die der Treppen und Balustradengeländer sowie der Orgel.
Besonders nennenswert bei dieser gelungenen Sanierung ist das ehrenamtliche Engagement der Gemeindeglieder, die mit 153 Arbeitsstunden gemeinschaftlich zum Erhalt der Pfarrkirche beigetragen haben. Text: Philipp Eichenmüller
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Kammerstein, Kirchenweg 5: ev.-luth. Pfarrkirche St. Georg

© Julia Krieger

Was langjähriges bürgerliches Engagement gegen fragwürdige Vorschriften einer Behörde erreichen kann, zeigt das Beispiel Kugelbühlstraße 1 in Roth. 
Hier waren in den 1980er Jahren wenig denkmalsensibel und trotz heftiger Proteste aus der Bevölkerung eine ganze Reihe von Häusern aus Mittelalter und früher Neuzeit zur Errichtung eines großen Neubaus abgerissen worden. Letzten Endes war dies Initialzündung zur Grün-dung der Rother Altstadtfreunde. Auch der Putzbau mit Satteldach und Zwerchgiebeln und einer prächtigen, reichgegliederten Fassade stand damals auf der Abbruchliste. 
Anders als seine Fassade von 1901 in Neurenaissance- und Neubarockformen vermuten lässt, stammt  der zwei- und dreigeschossige Bau im Kern jedoch noch aus dem Jahr 1755, wie eine im Inneren erhaltene Bohlenbalkendecke aus der Erbauungszeit beweist. 
Um seinen Abbruch zu verhindern, hatte der Eigentümer das Gebäude in den 1980er Jahren eigens erworben und auch renoviert. Damals allerdings wurde er behördlicherseits dazu ver-pflichtet, zur besseren Befahrbarkeit der Straße zur Bank hin, in das Erdgeschoss einen Ar-kadengang brechen zu lassen. Das bedeutete einen massiven Eingriff in die Denkmalsub-stanz und wurde bereits damals vom Landesamt für Denkmalpflege kritisiert. Text: Philipp Eichenmüller
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Roth, Kugelbühlstraße 1

© Julia Krieger

Durch jahrelanges Insistieren und mit Unterstützung von BLFD sowie städtischer Stellen, bei denen mittlerweile ein Sinneswandel stattgefunden hatte, gelang es dem engagierten Eigen-tümer nun, diese Vorgabe zu lockern, eine Erlaubnis zum Rückbau der Arkaden zu bewirken und diesen mit viel Eigenleistung durchzuführen. 
Um dem ursprünglichen Erscheinungsbild gerecht zu werden, wurden diese wieder durch einen stimmigen Ladeneinbau nach historischem Vorbild ersetzt. Im Zuge dessen konnte auch die am einigen Stellen schadhafte Gründerzeitfassade repariert und neu gefasst wer-den. Das Anwesen Kugelbühlstraße 1 erstrahlt nun wieder in neuem, alten Glanz und erinnert auch daran, welchen Verlust der Abriss historischer Bausubstanz bedeutet. Text: Philipp Eichenmüller
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Roth, Kugelbühlstraße 1

© Julia Krieger

Ein tragisches Schicksal ereilte das Anwesen Turmgasse 10 in Spalt, ein Handwerkerhäus-chen aus dem Jahre 1788. Es ist direkt am sogenannten Hungerturm der Spalter Stadtbefes-tigung gelegen. Bald nachdem das Häuschen, das keinen Einzeldenkmalstatus innehat, aus dem Leerstand gerettet und aufwendig instandgesetzt worden war, brach ein Feuer im denk-malgeschützten Nachbarhaus aus. 
Es beschädigte das frisch sanierte Haus aufs Neue schwer. Doch die Eigentümerin und ihre Familie gaben nicht auf und nahmen zum wiederholten Mal die Herausforderung einer Sanie-rung an. Sie reparierten den durch den Brand erneut stark beschädigten Dachstuhl noch ein-mal. Dabei haben sie die nun freistehende Nordseite des Hauses verstärkt und in Teilen neu errichtet.
Vor dem Brand hatte man bereits die Außenfassade saniert, das Dach mit naturroten Biber-schwanzziegeln neu eigedeckt und auch das Fachwerk des Ostgiebels freigelegt. Das Fach-werk des Westgiebels blieb dabei verputzt, um es zu einem späteren Zeitpunkt fachgerecht freilegen und sanieren zu können.
Die historischen Putze und Fassungen der Fassade wurden dabei soweit möglich bewahrt bzw. fachgerecht konserviert oder denkmalverträglich ergänzt, indem man in traditioneller Handwerkstechnik Kalkmörtel aufbrachte. Da keine Befunde oder historischen Aufnahmen zur Wahl der Farbfassung der Fassade herangezogen werden konnten, erfolgte diese in Ab-sprache mit den Behörden. 
Türen und Fenster wurden passend erneuert —  auch im Inneren. Hier konnte man histori-sche Bohlenbalkendecken fachgerecht instand setzen. So gelang es durch vereinte Kräfte, trotz des Schicksalsschlages, das Handwerkerhäuschen am Hungerturm in Spalt dauerhaft instand zu setzen und dabei deutlich aufzuwerten. Text: Philipp Eichenmüller
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Spalt, Turmgasse 10

© Julia Krieger

Das Wohnstallhaus in Volkersgau ist ein eingeschossiger, verputzter Sandsteinbau mit Sattel-dach und Zwerchhaus sowie rückwärtigem Fachwerkgiebel. Es wurde um 1740 erbaut und liegt am östlichen Ausgang des ländlichen Ortsteils von Kammerstein.
Als die Eigentümer 2015 mit der Sanierung begannen, hatte jahrelange Vernachlässigung bereits seine Spuren an dem Gebäude hinterlassen. Das Zwerchhaus war völlig von Efeu überwuchert, das Dach mit unpassenden Pfannen gedeckt, der Fachwerkgiebel hatte wegen der Stallnutzung Schäden an den Schwellen und auch die Oberflächen im Inneren waren stark renovierungsbedürftig. Glücklicherweise gab es keine gravierenden Schäden an der Statik oder Gründungsprobleme.
Um das Einzeldenkmal wieder instand zu setzen, haben die Eigentümer die Statik der Räume und des Dachs repariert, das Dach mit Spitzbiberschwanzziegeln eingedeckt, neue, denk-malverträgliche Hopfengauben nach historischem Vorbild eingefügt und den Fachwerkgiebel aufwendig repariert. An der Fassade wurde passender Kalkputz aufgebracht und Schäden an den Wänden verklammert. Neue, geteilte Holzfenster runden die umfangreiche Sanierung außen ab.
Die Innensanierung beinhaltete die Reparatur und Neufassung der Bohlenbalkendecke, den Einbau eines historischen Fensters sowie die Freilegung des Fachwerks. Hinzu kam eine In-nendämmung durch Vormauerungen mit perlitegefüllten Steinen. Außerdem wurde der Soln-hofener Plattenbelag im Flur aufwendig ausgebaut, instand gesetzt und wieder eingebaut. Die Materialien, die zum Einsatz kamen, passen gut zum Bestand: es wurden Kalkputze und Leinölfarbe verwendet. Auch der historische Außenkeller wurde entmüllt und instandgesetzt.
Mit enormen Einsatz und Engagement haben die Eigentümer in den vergangenen vier Jahren fast alle Arbeiten der sehr gelungenen Sanierung in Eigenleistung erbracht. Jetzt ist das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wieder gut gerüstet, um an exponierter Stelle am Ortsausgang von Volkersgau den Jahrhunderten zu trotzen. Text: Philipp Eichenmüller
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Kammerstein-Volkersgau, Lindenstraße 1

© Julia Krieger

Das evangelisch-lutherische Pfarrhaus, ein zweigeschossiger, teils verputzter Sandsteinqua-derbau mit Walmdach und partiellem Fachwerkobergeschoss wurde  im Jahr 1729 erbaut. Es liegt ortsbildprägend an der vielbefahrenen Hauptstraße in Wassermungenau und stellt mit dem Pfarramt und der Pfarrwohnung einen wichtigen Anlaufpunkt für Seelsorge und Fragen zur Kirche vor Ort dar.
Die Schäden am und im Gebäude waren zuletzt jedoch immens. Die Dachbodenkonstruktion war von Feuchtigkeit angegriffen, die Zerrbalkenlage reparaturbedürftig. Zudem war der Dachraum mit Schadstoffen belastet und das Fachwerk besonders an der Nordseite beschä-digt. Auch in der Fassade waren Risse aufgetreten. Im Inneren waren generell alle Oberflä-chen in die Jahre gekommen, die Elektrik veraltet und Wasserrohre marode. 
Die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen umfassten die Reparatur der Dachkonstruktion, die Entfernung der stark belasteten Zerrbalken im Obergeschoss sowie die Neueindeckung des Daches. Außerdem wurde im Dachboden ein streng abgeschlossener, schadstoffsicherer Raum abgetrennt, der nun als Archiv dient. Die Fassade wurde grundlegend ohne sichtbares Fachwerk instandgesetzt. Sie ist nun monochrom gefasst. Diese farbliche Neufassung geht auf restauratorische Befunde und historisches Bildmaterial zurück.
Der Einbau neuer gesprosster Holzfenster mit Fensterläden sowie der Rückbau unpassender Wand- und Deckenverkleidungen im Inneren, die Überarbeitung der Oberflächen und der Einbau neuer Türen runden die sehr gelungene Sanierung des Pfarrhauses aus dem 18. Jahrhundert ab. 
Bemerkenswert ist das ehrenamtliche Engagement der Gemeindeglieder: 101 Helfer haben in fast 900 Arbeitsstunden tatkräftig mitgeholfen, dass ihr Pfarrhaus wieder zu einem Schmuckstück geworden ist. Text: Philipp Eichenmüller
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Wassermungenau, Hauptstraße 27: ev.-luth. Pfarrhaus

© Julia Krieger

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