Sieben Verletzte in Wallesau

Gasexplosion auf Campingplatz bei Roth: So erlebten die Bewohner das Flammenmeer

Motiv: Portrait - Carola Scherbel  Foto: Martin Regner, gesp.29.08.2019
Carola Scherbel

E-Mail zur Autorenseite

15.5.2022, 14:17 Uhr
Mit schwerem Atemschutz kämpften die Feuerwehrleute gegen die Flammen, die sich nach einer Gas-Verpuffung und mehreren Folgeexplosionen rasend schnell auf einem Campingplatz im Rother Ortsteil Wallesau ausbreiteten.

© Vifogra Goppelt Mit schwerem Atemschutz kämpften die Feuerwehrleute gegen die Flammen, die sich nach einer Gas-Verpuffung und mehreren Folgeexplosionen rasend schnell auf einem Campingplatz im Rother Ortsteil Wallesau ausbreiteten.

Auf dem idyllisch gelegenen Campingplatz in dem Rother Ortsteil hatte ein 39-jähriger Familienvater, der mit Frau und Kind auf dem Areal wohnt, in seinem Wohnwagen anscheinend an einem sogenannten Katalytofen hantiert, der mit Gas betrieben wird. Dabei kam es wohl, so mutmaßt die Polizei, zu einer Explosion und einer Stichflamme, die den Großbrand ausgelöst hat.

Blitzschnell reagiert

Den Knall hörte jemand in der Nachbarschaft und reagierte blitzschnell. Der "Schutzengel" konnte die dreiköpfige Familie aus dem brennenden Wohnwagen befreien. Doch das Feuer breitete sich währenddessen rasend schnell weiter aus: Binnen kurzem standen mehrere Mobilheime in Flammen. Der Feuerschein war weit über den eingewachsenen Campingplatz am Wallesauer Weiher hinaus zu sehen.

Ein Dauercamper berichtet später - immer noch zitternd -, er habe gerade in seinem Wohnwagen mit seiner Frau beim Fernsehen gesessen, als er "ein helles Pfeifen und einen Schlag, also einen richtig derben Schlag" gehört habe. Als er zum Nachsehen nach draußen gegangen sei, habe er "hinten" auf dem Platz eine Brandstelle gesehen und noch zwei, drei weitere Schläge gehört.

"Ich vermute, das waren Gasflaschen, und dann ging es ganz schnell, dann hat sich das so schnell ausgebreitet." Ein Platz nach dem anderen habe Feuer gefangen. Zunächst, so der Mann, habe er sich darum gekümmert, dass mehrere jugendliche Wochenendcamper "wegkommen". Dann wollte er selbst "nur noch weg" und mit seiner Frau das Gelände mit dem Auto verlassen. Das sei aber nicht mehr möglich gewesen.

Großaufgebot an Rettungs- und Hilfskräften

Die Feuerwehr, die laut Augenzeugen sehr schnell mit einem Großaufgebot am Brandort eintraf, war lange Zeit mit dem Löschen des Feuers beschäftigt, das sich auf weitere Parzellen des Platzes ausbreitete, weil es während des Löschens immer wieder zu weiteren Verpuffungen an verschiedenen Stellen kam. Weitere Atemschutzgeräteträger wurden nachgefordert.

Die Gäste auf dem Campingplatz brachte die Polizei aus dem Gefahrenbereich, sie wurden von Kräften des Rettungsdienstes und einem Kriseninterventionsteam betreut. Ein Polizeihubschrauber suchte den Wald um den Platz außerdem nach weiteren Menschen ab.

Insgesamt zerstörte der Brand 15 bis 17 Parzellen des Campingplatzes. Die Mobilheime, die darauf standen, sind komplett ausgebrannt. Sieben Menschen wurden teils schwer, teils leicht verletzt. Der 39-jährige Familienvater erlitt schwere Verbrennungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Seine 38-jährige Ehefrau kam wegen einer schweren Rauchgasvergiftung ebenfalls ins Krankenhaus.

Der Notarzt, der den Einsatz leitete, berichtete, dass auch das Kind des Paars versorgt und in eine Klinik gebracht werden musste. Nach Polizeiangaben blieb das Kind aber unverletzt. Weitere fünf Menschen erlitten leichte Rauchgasvergiftungen, die vor Ort behandelt wurden. Ein Patient habe "aufgrund der Situation mehr oder weniger einen Kollaps erlitten", so der Notarzt.

Gasflaschen im Weiher gekühlt

Wie hoch der entstandene Schaden ist, kann laut Polizei derzeit noch nicht beziffert werden. Am Brandort waren rund 200 Feuerwehr- und Rettungskräfte im Einsatz: zahlreiche Brandschützer der Feuerwehr Roth sowie der umliegenden Freiwilligen Feuerwehren, zudem das Technische Hilfswerk aus Roth und Hilpoltstein, Kräfte des Rettungsdienstes, der Wasserwacht sowie zwei Pfarrer der Notfallseelsorge und mehrere Helfer der Johanniter-Krisenintervention zur Unterstützung.

Der Kriminaldauerdienst der Polizei nahm den Campingplatz mit den verkohlten Wohnwagen umgehend in Augenschein. Eine Spurensicherung war jedoch erst in den Morgenstunden möglich, da ein Abkühlen des Brandortes abgewartet werden musste. Zum Erkalten hatte die Feuerwehr auch mehrere Gasflaschen im Wallesauer Weiher deponiert. Die weiteren Ermittlungen zur Brandursache übernimmt das Fachkommissariat der Kriminalpolizei in Schwabach.