Gredl-Ausbau zur S-Bahn: Bauern machen mobil

23.1.2021, 05:00 Uhr

Vom Hof zum Acker geht‘s über die Gleise. Für Landwirte im Rother Ortsteil Hofstetten ist der Übergang über die Schienen der Gredl „unverzichtbar“. © Foto: Paul Götz

Der Bauernhof von Helmut Glenk liegt in Hofstetten bei Roth. Seine 50 Hektar Getreide- und Kartoffelackerland liegen aber zum größten Teil auf der anderen Seite der Gredl-Bahnschienen. Dazu nutzt er mit seinen Landmaschinen einige Bahnübergänge über diese Trasse. Deshalb sind diese Übergänge, so macht er unmissverständlich klar, "unverzichtbar".

Allein in Hofstetten gibt es noch sieben Landwirte. Ihre Felder haben sie zumindest teilweise jenseits, also westlich der Gredlbahnlinie. Aufgeschreckt hat sie das Forcieren der S-Bahn-Pläne durch die jüngste Studie eines Karlsruher Gutachterbüros, die derzeit im Kreis sowie in Roth und Hilpoltstein vorgestellt wird.

Darin wird der Bahnlinie durchaus Potenzial bescheinigt, eine von mehreren Voraussetzungen sei aber der Abbau oder die Sicherung der Bahnübergänge. Viele der 22 Übergänge auf den elf Kilometern Bahnstrecke sind nämlich nicht beschrankt und nicht gesichert, so dass der Zug jeweils abbremsen muss – ein deutliches Hindernis auf dem Weg zu einer schnelleren Bahnlinie. Zumindest einige wenige – zum Beispiel der Übergang bei Hofstetten – sollten also zur Disposition stehen.

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Zu den Ergebnissen der Studie hat Ulla Dietzel, die Vorsitzende des Hilpoltsteiner Arbeitskreises S-Bahn 2030, angemerkt, dass es für diese Übergänge "bestimmt Lösungen" gebe und die Bauern, die den Übergang "vielleicht nur vier bis fünf Mal jährlich" benutzen, doch "einen Umweg von 250 Metern in Kauf nehmen könnten".

Das wiederum ärgert die Landwirte und den Bayerischen Bauernverband. Helmut Glenk etwa nennt die Behauptung von "vier bis fünf" Fahrten "völlig unsachlich". Er überquere mit seinen Maschinen 50 bis 100 Mal im Jahr die Gleise. Wenn er statt dessen den Umweg über Eckersmühlen nehme, bedeute das nicht 250 Meter, sondern immer vier Kilometer.

Auch sein Kollege Manfred Kühnlein müsste für den Weg zu seinen Äckern und Wiesen den Umweg nehmen – bei der Maisernte sogar oft mit zwei Fahrzeugen, wie er erklärt, und einen Kilometer davon "durch reines Siedlungsgebiet in Eckersmühlen". Nötig wäre dort im Sommerhalbjahr dann "ein absolutes Halteverbot", denn der Maishäcksler ist 3,49 Meter breit. "Sonst kommt der in einer Wohnstraße gar nicht durch."

Drei Mal täglich

Für Bernhard Flock, ebenfalls Kartoffel- und Getreidebauer aus Hofstetten, kommen noch mehr Fahrten dazu: Im Sommer muss er drei Wochen lang drei Mal täglich über die Schienen zum Beregnen der Felder fahren – manchmal ebenfalls mit zwei Fahrzeugen. Die einfache Umwegstrecke von drei Kilometern würde sich dann – nur dafür – auf mindestens 18 Kilometer täglich, in den drei Wochen also auf etwa 380 Kilometer summieren.

Der Bayerische Bauernverband hat in einer Stellungnahme dazu die Umwegskilometer aufgelistet, die allein die Bauern aus Hofstetten fahren müssten, wenn der dortige Gredl-Übergang wegfiele: Aufgeschlüsselt nach Sorten würden beim Kartoffelanbau für die Landwirte 186 Kilometer, bei Winterroggen 144, bei Mais 168, beim Grünland 216 und für sonstige Fahrten 210 Kilometer Umweg anfallen – macht 924 Kilometer pro Jahr, die die Landwirte aus Hofstetten zusätzlich fahren müssten. Ganz abgesehen davon, dass diese Wege und Übergänge von der Flurbereinigung vor Jahren genau so planfestgestellt wurden und "nicht geschlossen werden können", wie BBV-Kreisvorsitzender Maximilian Schneider betont.

Umweltverschmutzende und zeitraubende Umwege sind für die Bauern aber nur ein Grund, um gegen die Ausbaupläne zu Felde zu ziehen. Daneben bringen sie "auch als Bürger" Argumente vor, die sie zu Gegnern einer S-Bahnlinie machen: Da sei erstens der teure Ausbau zur elektrifizierten S-Bahn (geschätzt wird das Unternehmen im Moment auf 24 Millionen Euro). Denn derzeit sei die Strecke wegen der fehlenden Höhe von Brücken und zu kurzen Bahnsteigen gar nicht tauglich.

Zweitens die langfristige Perspektive: Bis 2030 könnten bestimmt schon Elektrobusse fahren, glauben die Bauern. "Und die könnten dann auch in Hofstetten halten", erinnern sie daran, dass der frühere Gredl-Bedarfshalt in Hofstetten schon vor Jahrzehnten abgeschafft wurde. Seitdem sei der Rother Ortsteil mit rund 130 Einwohnern "vom Nahverkehr komplett abgehängt".

Wo soll der Parkplatz sein?

"Die Gredl fuhr früher mal bis Greding, dann wurde sie immer weiter abgebaut. Warum will man jetzt plötzlich die letzten elf Kilometer wieder ausbauen?", fragt Manfred Kühnlein. Das hieße zudem, dass in Hilpoltstein ein großer Parkplatz angelegt werden müsse. "Wo soll der Platz haben?"

Und, so glaubt er, "wenn die Thalmässinger eh schon im Bus sitzen, dann steigen die doch nicht in Hilpoltstein um, sondern fahren gleich bis nach Roth oder Altenfelden, wo sie in den doppelt so schnellen Regio einsteigen können".

Ihr letztes Argument gegen den Ausbau beziehungsweise für einen Abbau der Bahnstrecke ist dagegen eher was für Fans des nicht so hohen Tempos: "Der schöne Gredlradweg von Greding bis Hilpoltstein könnte dann bis Roth geführt werden."

Im Jahr 2030 laufen die Verträge mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft für die derzeitige Gredlbahn aus. Die Diskussion über ihre Zukunft wird sicher weitergehen.