Nach starken Regenfällen

Hochwasser: Land unter im Landkreis Roth

10.7.2021, 15:08 Uhr
Das Technische Hilfswerk Hilpoltstein gibt im Hochwassereinsatz alles.

© Bergauer Bernhard Das Technische Hilfswerk Hilpoltstein gibt im Hochwassereinsatz alles.

Schon in den frühen Morgenstunden des Freitags sorgten starke Regenfälle für einen weiteren Anstieg der Pegel und den damit einhergehenden Ausuferungen der sonst eher harmlos wirkenden Flüsse und Bäche im Landkreis Roth. So war in Heideck die Kleine Roth über die Ufer getreten, in Birkach war die Ortsduchfahrt und damit der Damm über den Rothsee kurzzeitig gesperrt worden. Auch aus Unterheckenhofen bei Roth sowie zwischen Barnsdorf und Bernlohe wurden gesperrte und/oder überflutete Straßen gemeldet.

Die zunehmende Entwicklung der Roth, Thalach sowie weitere Bäche zu reißenden Flüssen, veranlasste die Hilpoltsteiner Feuerwehr zur Inbetriebnahme der Sandsackfüllanlage des Landkreises Roth. Tatkräftige Unterstützung erhielten die Hilpoltsteiner von den Feuerwehren der umliegenden Ortsteile.

Sandsackdepot im Bauhof

Der städtische Bauhof in der Auhofer Straße in Hilpoltstein, wurde kurzfristig zum wichtigsten Sandsackdepot für den südlichen Landkreis umfunktioniert. Dort wurden am Freitagvormittag bis in die späten Abendstunden unzählige Sandsäcke gefüllt und auf Paletten zum Weitertransport kommissioniert.

Für den Weitertransport der dringend benötigten Sandsäcke zu den Einsatzstellen, setzte die Feuerwehr auch auf die umfangreichen Transportkapazitäten des örtlichen THW-Ortsverbandes. Gerade in Hochwassersituationen ist eine reibungslose Sandsacklogistik notwendig, um Sandsackbarrieren entlang gefährdeter Gebäude aufzubauen.

Am Nachmittag alarmiert

So kann ein Wassereinbruch vermieden und Gebäude sowie deren Inventar geschützt werden. Um 16.35 Uhr erfolgte die Alarmierung der Helferinnen und Helfer des Hilpoltsteiner THW-Ortsverband. Sogleich wurde ein Mannschaftslastwagen sowie ein Kranwagen der Fachgruppe „Wassergefahren“ für den Sandsacktransport zum Bauhof geschickt.

In Thalmässing hatte sich die Thalach in einen reißenden Fluss verwandelt. Mit Hilfe mehrerer Sandsackpaletten konnte dort durch die örtliche Feuerwehr ein Sandsackdamm errichtete werden, um die Flutung von nahestehenden Gebäuden zu verhindern. Ebenso bei der Zinkelmühle bei Höbing, wo die Wassermassen bereits Teile des dortigen Sägewerks fluteten.

Mühlbach bedrohte Häuser

Weitere Sandsackladungen lieferten die Katastrophenschützer in den Hilpoltsteiner Ortsteil Hofstetten. Gemeinsam mit der Ortsfeuerwehr wurden Sandsackbarrieren im Ortskern errichtet, um präventiv die Anwohner vor weiteren Ausuferungen des Mühlbachs zu schützen.

Hochwassersituationen sind für die Helferinnen und Helfer des THWs schon längst kein Neuland mehr. Zählt dieses Katastrophenszenario doch zu eine der zahlreichen Kernkompetenzen, wo das THW effektiv und effizient den Bedarfsträger mit einer ganzen Palette an Einsatzoptionen – angefangen von der Logistik bis hin zu Pumpleistungen – unterstützen kann. Speziell ausgebildete THW-Fachberater für Deichverteidigung waren in den Einsatzstunden gefragt, um den örtlichen Feuerwehren mit fachkompetenter Hilfe bei der Erkundung von Schadensstellen und der Ergreifung von Schutzmaßnahmen zur Seite zu stehen. So drohte bei der Fuchsmühle bei Hilpoltstein, ein Damm eines Fischweihers zu brechen. Gemeinsam wurde die Schadensstelle begutachtet und mit Hilfe von Sandsäcken stabilisiert.

Große Schäden in Zell

Die überwiegende Mehrheit der insgesamt 23 im Einsatz befindlichen THW-Kräfte des Hilpoltsteiner Ortsverbandes kämpften im Ortsteil Zell gegen die Wassermassen. Dort war die Expertise der „örtlichen Gefahrenabwehr Ölwehr“ des Hilpoltsteiner Ortsverbandes gefragt. Die Wassermassen waren dort im Ortskern bereits so stark vorgedrungen, dass diese Teile der Regens-Wagner-Einrichtung Zell bereits fluteten. Das Wasser stand dort in Schwimmhalle und Kindergarten.


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Gemeinsam mit dem THW-Nachbarortsverband Roth wurden die vollgelaufenen Keller mit Hochleistungspumpen der Fachgruppe „Wasserschaden/Pumpen“ geleert. Da es sich dabei teilweise auch um Öl-Wasser-Gemisch handelte, wurden rund 5.000 Liter verunreinigtes Wasser in Faltbehälter aufgenommen und einer Spezialfirma für die umweltgerechte Entsorgung übergeben.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Gegen 23.30 Uhr konnte der Einsatz für die Helferinnen und Helfer des Hilpoltsteiner THW-Ortsverbandes beendet werden. Ortsbeauftragter Alexander Regensburger zeigte sich erfreut über die wieder sehr gelungene und unkomplizierte Zusammenarbeit von Feuerwehr und THW. „Gemeinsam konnten wir die regionale Hochwassersituation zügig und professionell in den Griff bekommen. Einsätze in dieser Form bestätigen es uns: Jede helfende Hand ist wertvoll und wird benötigt. Wenn jeder seine Fachkompetenz und Expertise in die Waagschale legt, dann ist der gemeinsame Erfolg schon fast garantiert.“, so Regensburger.

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