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Kaserne Roth: So geht's mit der neuen Offizierschule voran

In der Rother Otto-Lilienthal-Kaserne wird derzeit kräftig gebaut - 17.04.2021 12:04 Uhr

Momentan wird in der Otto-Lilienthal-Kaserne mit Hochdruck am zentralen Lehrsaalgebäude der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) gebaut. Der Neubau hat eine Bruttofläche von gut 30.000 Quadratmetern.

16.04.2021 © Marco Frömter


Verlaufen die aufwändigen Baumaßnahmen in der Otto-Lilienthal-Kaserne weiterhin nach Plan, könnte bereits ab Oktober 2023 wieder „ordentlich Wind“ durch die militärische Liegenschaft im Rother Süden wehen. Die Luftwaffenführung plant zu diesem Zeitpunkt den Startschuss für die Offiziersausbildung in völlig neuen Gebäuden und Einrichtungen. Rund 200 Millionen Euro sollen bis dahin in den Traditionsstandort geflossen sein.

Ob das komplette Areal – immerhin beachtliche 2,3 Millionen Quadratmeter – schlussendlich erhalten bleiben wird, steht noch in den Sternen. Sicher sei jedenfalls, dass die Bundeswehr rund 80.000 Quadratmeter an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Eigentümerin zur Überlassung an den Zoll zurückgeben wird, teilt Oberstleutnant Peter Günther vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr in München mit. Ob es weitere Veränderungen geben wird, könne er noch nicht abschließend prognostizieren.

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Otto-Lilienthal-Kaserne: Bauen für den Offiziers-Nachwuchs

In der Rother Otto-Lilienthal-Kaserne wird kräftig gebaut. Der einst größte Bundeswehrstandort Bayerns bereitet sich auf den Einzug der Offizierschule der Luftwaffe vor.


Insbesondere für das Flugplatzgelände im Norden sind noch keine endgültigen Festlegungen getroffen. Der Standortübungsplatz und die Flugabwehrraketen-Stellung bei Eckersmühlen sollen jedoch weiterhin in militärischer Verantwortung bleiben - „beispielsweise für Ausbildungszwecke der Offizierschule“, so Günther. Weitere Bereiche würden derzeit überplant, wobei es noch keine letztgültige Festlegung für die künftige Nutzung gibt. Liegenschaften und Teilflächen, die auf Dauer für Verteidigungszwecke der Bundeswehr entbehrlich sind, sollen an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zur eigenverantwortlichen Verwertung zurückgegeben werden.

Nicht ausgeschlossen werden kann folglich aus, dass sich der bisherige Verlauf des „Kasernenzauns“ verändert. Wie der Zoll konfliktfrei untergebracht werden soll, sei im Vorfeld geprüft worden. Die Zollverwaltung wird demnach auf einer Teilfläche der Kaserne Platz finden. „Somit werden künftig Bundeswehr und Zoll am Standort Roth angesiedelt sein, wobei mögliche Synergieeffekte nach weiterer Prüfung denkbar sind“, erklärt Günther und nennt dabei die gemeinsame Nutzung von Sport- oder Betreuungseinrichtungen als Beispiele.

Auf der Baustelle geht's voran

Momentan wird mit Hochdruck am zentralen Lehrsaalgebäude der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) gebaut. Dieses hat eine Bruttofläche von gut 30.000 Quadratmetern. „Das Voranschreiten des Rohbaus lässt nun das Ausmaß des Gebäudes erkennen. In den nächsten Wochen wird die Endhöhe erreicht“, beschreibt Baudirektor Aynsley Röder vom Staatlichen Bauamt Nürnberg den Fortgang.

Neben der neuen Offizierschule der Luftwaffe werden in der Otto-Lilienthal-Kaserne aber noch weitere Gebäude errichtet: „In der Kaserne wird nicht ausschließlich für die Luftwaffe gebaut", so Röder. Bereits umgesetzt und vom Staatlichen Bauamt übergeben wurde ein neues Büro- und Verwaltungsgebäude für die seit einigen Jahren am Standort Roth beheimateten Feldjäger. Für den Sanitätsbereich ist ein neues Versorgungszentrum vorgesehen. Hier wird mit einem Baubeginn Anfang der zweiten Jahreshälfte 2021 geplant.“


Das sind die Zukunftspläne für die Otto-Lilienthal-Kaserne


Für die OSLw wurde schon im Herbst 2020 der Großparkplatz fertiggestellt. Bei den Gebäuden sind die zwölf Unterkünfte am weitesten fortgeschritten. Bis zum Jahresende sollen die Bauarbeiten daran abgeschlossen sein. Das Gelände für ein Sportgebäude wurde noch Ende 2020 vorbereitet und die Rohbauarbeiten begonnen. „Im Großen und Ganzen liegen die Baumaßnahmen im Zeitplan“, heißt es von den Verantwortlichen. Dennoch seien Verzögerungen nicht ausgeschlossen, denn zum einen habe im Dezember Corona die Baustelle erreicht, zum anderen sei der Winter heuer deutlich härter ausgefallen als in den vergangenen Jahren.

Wie sich diese Ereignisse auf den Zeitplan auswirken, prüft das Staatliche Bauamt. Ferner ist laut Röder der Neubau eines Wirtschafts- und Betreuungsgebäudes geplant. „Im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen für die OSLw werden außerdem wesentliche Teile der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur, der Verkehrserschließung und der Außenanlagen dieses Liegenschaftsteils erneuert“, stellt Oberstleutnant Günther fest. Bisher wurden bereits rund 75 Millionen Euro in das Projekt investiert.

Standort wird gestärkt

Einst galt Roth als größter Truppenstandort im Freistaat Bayern. Mit Regimentsstab und zuletzt fünf Ausbildungskompanien der Luftwaffe, zwei Flugabwehrraketenstaffeln, den Heeresfliegern sowie weiteren Einheiten, Sanitätseinrichtungen und der Standortverwaltung verrichteten dort früher bis zu 3500 Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst. Viele Jahre danach stand die Otto-Lilienthal-Kaserne nahezu leer. Von der alten Struktur blieb nicht mehr viel übrig. Lediglich zwei Ausbildungskompanien „überlebten“ den Radikalschlag einer weiteren Bundeswehrreform.

Die Kompanien des Luftwaffenausbildungsregiments 3 prägten bereits seit den frühen 1960er Jahren das Bild der Otto-Lilienthal-Kaserne. Den beiden Kompanien steht jedoch ebenfalls die Auflösung bevor: „Voraussichtlich 2025“, äußert sich der Rother Kasernenkommandant, Hauptmann Stefan Ballak.

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Die wechselvolle Geschichte der Otto-Lilienthal-Kaserne in Roth

In der Otto-Lilienthal-Kaserne wird nun mit dem Bau einer Offiziersschule ein neues Kapitel aufgeschlagen. In den Jahren zuvor war der Bundeswehr-Standort unter anderem durch den Abzug von Einheiten wie dem Kampfhubschrauberregiment 25 schwer gebeutelt worden. In unserer Bildergalerie blicken wir zurück auf die Geschichte der Kaserne und ihre Verankerung in der Stadt.


Die Zielstruktur sehe vor, die Grundausbildung der Luftwaffe am Standort Germersheim zusammenzuführen. Eine Abkehr vom „traditionellen Charakter der Kaserne“ kann Ballak durch diesen weiteren Einschnitt jedoch nicht erkennen. Im Gegenteil: „Der Umzug der Offizierschule der Luftwaffe als zentrale Ausbildungsstätte für den gesamten Offiziersnachwuchs verdeutlicht den Wandel der Charakteristik von einem Standort mit langjährigem militärischen Flugbetrieb hin zu einem Ausbildungsstandort für das künftige Führungspersonal der Luftwaffe.“

Dabei wird der Standort Roth mit der OSLw als "Wiege der Luftwaffe" nach Ballaks Dafürhalten künftig auch über die Luftwaffe hinaus an Bedeutung gewinnen. „Die Luftwaffe sieht im Umzug der OSLw und der damit einhergehenden, langfristigen Fortsetzung der Ausbildung junger Frauen und Männer in Roth eine langfristige Stärkung des Standorts.“

Wieder mehr Personal

In der Zielstruktur sind für den Standort Roth 540 Dienstposten ausgewiesen. Davon sollen 350 Soldatinnen und Soldaten sowie 60 Zivilangestellten allein für die OSLw eingesetzt werden. Zu erwarten sind darüber hinaus mehr als 1000 Lehrgangsteilnehmer pro Jahr, wie ein Sprecher der Luftwaffe erklärt. Zum Vergleich: Bis 2006 wurde diese Zahl mit den damals ansässigen Grundausbildungseinheiten in einem einzigen Quartal erreicht.


Bundeswehr investiert mehr als 200 Millionen Euro in Roth


Mit der endgültigen Verlegung der OSLw von Fürstenfeldbruck nach Roth wird am Standort ein General residieren. Bereits vor Ort befinden sich ein Regionales Sanitätsversorgungszentrum, eine Kompanie der Feldjäger (Militärpolizei) sowie Teile des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums Ingolstadt. Durch diese Präsenz wächst auch der Einsatzraum der Otto-Lilienthal-Kaserne: „Allein das Rother Feldjägerdienstkommando unterstützt grob die Regierungsbezirke Mittelfranken, Unterfranken und Teile der Oberpfalz.“

Die Rother Stadtverwaltung freut sich über die Entwicklung in der Kaserne. „Es entsteht ein Standort mit großer Bedeutung“, ist sich Bürgermeister Ralph Edelhäußer sicher. Immerhin würden künftig jeder deutsche Luftwaffenoffizier sowie zahlreiche internationale Gäste sowohl die Kaserne als auch die Stadt Roth besuchen. Bereits jetzt sei die Stadtverwaltung auf der Suche nach entsprechenden Immobilien für das zu erwartende Stammpersonal. „Wir werden gute Gastgeber sein“, verspricht der Rathauschef.

MARCO FRÖMTER Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

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