Donnerstag, 15.04.2021

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Kreisstadt Roth: Eine Bürgerversammlung im Wohnzimmer

Wegen der Corona-Pandemie lief einiges anders ab - 11.10.2020 09:51 Uhr

Wie praktisch: Keine Parkplatzsuche, keine Maskenpflicht, kein nächtliches Autofahren, stattdessen gemütlich im Wohnzimmer am Bildschirm sitzen – Bürgerversammlung von daheim aus. In Roth hat Corona zur ersten Hybrid-Versammlung geführt. Die fand sowohl in der Kulturfabrik statt, als auch daheim für alle, die nicht dabei sein konnten. Ein Experiment mit nur zwei Dutzend echten Gästen, aber 125 zugeschalteten Zuschauern.

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Wie viele Geburten gibt es in Roth? Wie viele Ärzte praktizieren in der Stadt? Und wie viele Feuerwehrautos gibt es in Roth? Wir haben die Daten und Zahlen zum Rother Stadtleben recherchiert und graphisch aufbereitet - und dabei viel Unerwartetes gefunden.


Bis zum offiziellen Start um halb acht läuft noch ein kreiselnder roter Streifen über den Bildschirm, aber dann geht‘s los: Bilder von Kirchweih, Challenge, Freizeitbad, dann erscheint ein Stück der Kufa-Bühne auf dem Bildschirm, mittig Bürgermeister Edelhäußer.

Im Wechsel mit Schaubildern von der Stadtentwicklung, die auf die Großleinwand auf der Bühne projiziert sind, bleibt das auch so. Für knapp zwei Stunden steht Ralph Edelhäußer – kurzzeitig auch Stadtbaumeister Wolfgang Baier – auf der Bühne und vor der Web-Kamera Rede und Antwort.

Fast 3000 Gewerbe sind in der Stadt angemeldet

Auf das musikalische Vorspiel vom Stadtorchester wird verzichtet, dafür gibt es die aktuellen Corona-Zahlen, die den Grund für diese neue Veranstaltungsform liefern: Nur drei Infizierte im Stadtgebiet, "aber das Virus werden wir so schnell nicht los", warnt der Bürgermeister und mahnt zu Maskenpflicht wie Abstandsregeln.

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Das Virus zieht sich denn auch durch seinen gut einstündigen Bericht. Fast 3000 Gewerbe sind in der Stadt angemeldet, heuer sieht der Saldo noch gut aus, aber bei den Zahlen von der Arbeitsagentur hat "Corona schon durchgeschlagen": 566 Arbeitslose bedeuten einen Zuwachs von 192 im Vergleich zum Vorjahr. Edelhäußer: "Das sind über 50 Prozent." Auch wenn die Arbeitslosenquote mit 2,9 Prozent (im Vorjahr 1,9 Prozent) immer noch vergleichsweise niedrig sei.

Im Haushalt der Stadt – mit einem Volumen von knapp 70 Millionen Euro – sei die Pandemie schon eingepreist: Bei der Gewerbesteuer als wichtigster Einnahmenquelle hat der Kämmerer nur gut elf statt 13 Millionen Euro veranschlagt, bei der Einkommensteuer rechnet er jetzt nur noch mit 14,3 Millionen Euro an Einnahmen. Eigentlich waren 16 Millionen kalkuliert. Trotzdem: "Es geht uns nicht schlecht." Und der Schuldenstand sinkt zum Ende des Jahres auf 80 Euro pro Kopf – andere Gemeinden liegen da bis zu 1000 Euro pro Einwohner. Bei der Steuerkraft nimmt Roth den neunten Platz im Landkreis-Ranking ein.

"Kauf in Roth"

Im Schnelldurchlauf präsentiert der Bürgermeister sich und die Stadt als Kümmerer: Über die Großleinwand – beziehungsweise den heimischen Bildschirm – laufen Bilder von der heimischen Wirtschaft mit Geschäftseröffnungen und Unternehmerfrühstück (jetzt digital), dann von Projekten zur Stadtentwicklung – mit Leonigelände, Bebauungsplänen für Wohngebiete und dem neuen Flächennutzungsplan, den Arbeiten am Radwegekonzept, am Projekt Roth-West rund um die Erweiterung der Kreisklinik bis zu den Plänen für die Abenberger Höh’, den Willy-Supf-Platz oder – natürlich – das viel diskutierte Hallenbad.

Er berichtet von der Arbeit der Stadtwerke, vom Projekt Stadtmarke, von der neuen Sozialraumanalyse, die – wegen Corona erst ab 2021 – das Leben und die Bedürfnisse aller Rotherinnen und Rother erfassen soll, von der Innenstadtbelebung mit "Kauf in Roth" und den RothSchecks, vom Walk of Triathlon und den vielerorts sichtbaren Ergebnissen des Fassadenprogramms. Für Kinder und Familien nennt er den Aus- und Neubau von Kitas, den Neustart in Stadtbücherei und VHS, das Jugendhaus mit kurzzeitiger Ferienprogrammpause, die einem Coronafall geschuldet war.

Freizeit und Tourismus mit Märkten, wieder begonnenen Führungen, neuem Wohnmobilparkplatz gehören zum Bericht, Edelhäußer nennt die ausgefallenen Bluestage und den Kufa-Neustart mit dem Kabarettherbst, "Roth ist bunt" und das Museum, den stark verschlankten Sommer im Freizeitbad mit nur einem Drittel an Besuchern im Vergleich zu 2019. Aber er spricht auch von "Lichtblicken": Die soll es statt des Christkindlesmarktes geben – mit Konzerten, Führungen und Veranstaltungen in der Vorweihnachtszeit. Und: "Das Christkind kommt trotzdem." Einfach buchen!

CAROLA SCHERBEL

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