Landkreis Roth: Drückjagd gegen die Schweinepest

20.1.2021, 11:00 Uhr
Wildschweine gelten als Überträger der Afrikanischen Schweinepest auf die Hausschweine. Durch verschiedene Aktionen wie Treibjagden soll ihr Bestand verringert werden, um gegen die Ausbreitung der Krankheit anzukämpfen.

Wildschweine gelten als Überträger der Afrikanischen Schweinepest auf die Hausschweine. Durch verschiedene Aktionen wie Treibjagden soll ihr Bestand verringert werden, um gegen die Ausbreitung der Krankheit anzukämpfen.

Unterwegs waren die Jäger, Treiber und ein paar Hunde in den Revieren Aberzhausen, Laibstadt, Dannhausen, Bergen, Reuth u.N. und im Staatswald Syburg. Organisator Alfons Herzog, der Forstrevierleiter für Hilpoltstein bei den Bayerischen Staatsforsten Forstbetrieb Allersberg ist, schätzt, dass pro Revier etwa 30 bis 40 Leute unterwegs waren, also fast 200.

Genau könne er es gar nicht sagen, weil es keine Begrüßung gab, sondern jeder gleich in seinem Revier um 10 Uhr an den Start ging. "Man durfte sich wegen der Corona-Regeln ja nicht treffen", so der Hilpoltsteiner, der im Syburger Wald unterwegs war. Darüber hinaus wurde im Vorfeld auch eine Ausnahmegenehmigung vom Gesundheitsamt wegen der 15-Kilometer-Regelung eingeholt. Die Jäger wurden per E-Mail über den Ablauf verständigt.

Schnee normalerweise hilfreich

Und so saßen diese dann in den jeweiligen Revieren bis 12.30 Uhr auf den Hochsitzen, während Treiber und Hunde versuchten, die Schwarzkittel aus den Fichtenschonungen zu treiben. Dass zum Zeitpunkt der Drückjagd Schnee lag, ist normalerweise hilfreich. "Wenn man den Fährten nachgeht, kann man die Schweine einkreisen", erklärt Herzog. Bei lockerem Schnee sei es aber schon schwieriger.


Afrikanische Schweinepest: Große Gefahr für ihre Halter


Die Jagd war aber nicht wegen des Schnees anberaumt worden. Nein, sie müsse schon längerfristig geplant werden. "Das macht locker drei, vier Tage Arbeit." Es müssten zusätzliche Hochsitze an Ort und Stelle gebracht, Hunde organisiert und Pläne erstellt werden, wie sich die Leute verhalten sollen. Pech nur, dass an diesem Tag lediglich fünf Wildschweine zur Strecke gebracht wurden. "Für den Aufwand, ist das zu wenig", gibt Herzog zu.

Warum dann dieser große Aufwand überhaupt? Die für den Menschen unbedenkliche aber für Schweine tödlich verlaufende Afrikanische Schweinepest ist weiter auf dem Vormarsch. Über 300 infizierte Wildschweine sind auch schon in Sachsen und Brandenburg aufgefunden worden. Um der weiteren Ausbreitung Herr zu werden, soll die Zahl der Schwarzkittel reduziert werden.

Gefahr für die Hausschweine

"Wenn die Afrikanische Schweinepest auftritt, dürfen Hausschweine aus dem jeweiligen Landkreis nicht mehr verkauft werden", weiß Herzog. "Das ist ein großer finanzieller Schaden für die Landwirtschaft." China kauft kein Schweinefleisch mehr aus Deutschland, Dänemark hat einen Wildzaun an der Grenze zu Deutschland und Bayern an den Grenzen zu Thüringen, Sachsen und Tschechien. Weiteres Problem: Wo ein totes infiziertes Wildschwein aufgefunden wurde, sei der Boden bis zu einem Jahr virulent. Deswegen werde auch der Fundort doppelt eingezäunt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Jagdexperten wie Herzog sind allerdings der Ansicht, dass die größte Gefahr zur Einschleppung der Schweinepest vom Menschen ausgeht, zum Beispiel durchs Wegwerfen von infizierter Wurst an Parkplätzen. Vorsorglich gebe es bereits Suchtrupps, die im Ernstfall tote Wildschweine suchen und unter strengen hygienischen Auflagen bergen.

Neben Drückjagden und Zäunen, sei mittlerweile auch der Einsatz von Nachtsichtzielgeräten ausschließlich bei der Jagd auf Schwarzwild erlaubt, sagt Herzog. Tagsüber liegen die Schweine dicht beieinander in ihrem Kessel genannten Ruheplatz und sind schwer zu kriegen. Nachts durchwühlen sie Wald und Fluren auf der Suche nach Nahrung. Das ist trotzt des Schnees momentan kein großes Problem, da es Eicheln im Überfluss gebe. Neben der Afrikanischen Schweinepest ist daher ein weiteres großes Ärgernis, dass das Schwarzwild enorme Flurschäden anrichtet.

Jagdprämie erhöht

Bislang gab es pro erlegtes Schwein vom Freistaat Bayern 20 Euro. Diese Jagdprämie ist seit Dezember auf 70 Euro angehoben worden. "Dadurch erhofft sich der Staat mehr Erfolg", sagt Herzog. Und auch bei der Schonzeit, also der Zeit, in der die Wildschweine nicht bejagt werden dürfen, hat es eine Änderung gegeben. Bis 2018 galt die Schonzeit ab 1. Februar bis Mitte Juni sowohl für die Keiler als auch für die Bachen. Das ist die Zeit, in der die Bachen die Frischlinge auf die Welt bringen. 2018 hat der Bundesrat die Schonzeit aufgehoben, aus Angst vor der Einschleppung der Schweinepest.

Ganz so einfach ist das aber nicht: Wenn eine führende Bache, also ein Wildschwein mit Frischlingen, erschossen werde, müssten diese womöglich jämmerlich eingehen. "Das ist eine Straftat. Dann ist der Jagdschein weg", erklärt Herzog.

Obwohl der Erfolg der Drückjagd am vergangenen Wochenende nicht groß war, ist vorerst keine weitere revierübergreifende Aktion geplant. Jetzt sind die Jäger in ihren jeweiligen Revieren gefragt. Dann heißt es auch für die vielen Wanderer und Spaziergänger aufpassen! Denn: "So viele Leute, wie jetzt in den Wäldern unterwegs sind, hat es noch nie gegeben", hat Alfons Herzog festgestellt.

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