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Lust auf Online-Orchester?

Projekt der Musikschule Hilpoltstein geht neue Wege - 16.05.2021 15:23 Uhr

Musikschulleiter Burkhard Freimuth zeigt auf das Video der Bremer Kammerphilharmonie, das als Vorbild für das geplante Online-Projekt der Hilpoltsteiner Musikschule dient.

16.05.2021 © Foto: Musikschule Hilpoltstein


Immerhin erfolgen laut Musikschulleiter Burkhard Freimuth alle Einzelunterrichtseinheiten per Videokonferenzen planmäßig nach Stundenplan. Dennoch überwiegen nach so langem Lockdown inzwischen Frust und Unzufriedenheit bei Lernenden und Lehrenden gleichermaßen. Vor allem, nachdem jetzt schon zum zweiten Mal das traditionelle Jahreskonzert der Pandemie zum Opfer gefallen ist.

Aber das Team der Musikschule hat sich als Ersatz dieses Mal etwas Besonderes ausgedacht. Um den Musikschüler*innen zum Schuljahresende trotz allem die Chance zum "gemeinsamen" Musizieren bieten zu können, soll ein "Online-Orchester" ins Leben gerufen werden. Alle, die daran teilnehmen, sind aufgefordert, dabei Passagen aus Mozarts "Türkischem Marsch" einzeln einzuspielen und sich dabei zu filmen.

Am Ende werden alle an die Musikschule geschickten Videos von einem professionellen Videobearbeiter zusammengeschnitten und das Endergebnis, mit Sicherheit eine ganz besondere Version des bekannten und beliebten klassischen Stücks, auf der Homepage der Musikschule veröffentlicht.

Auch der Onkel in Hamburg

"An unserem Projekt dürfen sich nicht nur unsere Schülerinnen und Schüler, sondern wirklich alle beteiligen", macht Freimuth deutlich. Egal, ob der Onkel in Hamburg oder die Tante in Neuseeland, das Ganze dürfe gerne auch internationalen Charakter haben. Auch musikalische Projekt-Schulklassen dürften daran teilnehmen.

Und im Übrigen nicht nur Leute, die ein Instrument spielen. "Egal, ob mit oder ohne musikalische Vorkenntnisse, ob groß oder klein, jung oder alt, alle sind aufgerufen, mitzumachen", betont Freimuth.

Gerne dürfe zum "Türkischen Marsch" auch getanzt oder gesungen werden, und auch Body-Percussion sei erlaubt. "Unser Ziel ist es, auf diese Weise noch mehr Leute zum Musizieren zu bringen, als es unser Jahreskonzert geschafft hätte", so Freimuth im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Idee dazu stammt von einem ähnlichen Projekt der Bremer Kammerphilharmonie, auf das Freimuth vom Verband Deutscher Musikschulen (BdM) bereits im November vergangenen Jahres aufmerksam gemacht wurde. "Damals dachte ich, dass wir das Ganze innerhalb kürzester Zeit realisieren, aber alleine die Vorbereitung hat sich als extrem aufwändig herausgestellt", so Freimuth. Denn für annähernd jedes Instrument haben die Lehrkräfte ein Video-Tutorial erstellt, außerdem die Noten in unterschiedlichen Versionen von Anfänger- bis Profiniveau gesetzt.

Aufwändiger Online-Auftritt

"Unsere ehrenamtliche Webmasterin Malena Erbe, eine ehemalige Schülerin von uns, hat dann wochenlang an den Seiten für unseren Online-Auftritt gebastelt", erklärte Freimuth. In diesen Tutorials erhalten die Teilnehmenden alle wichtigen Informationen, die für das Spielen des Stückes, aber auch für die Aufnahme wichtig sind.

"An der einen oder anderen Stelle geben die Musiklehrer auch noch kleine Tipps, um musikalische Hürden zu nehmen." Für jedes Instrument gebe es dann ein individuelles "Playalong", das die Teilnehmenden währender der Aufnahme per Kopfhörer mithören können. Aber natürlich könne man auch frei improvisieren, betont Freimuth. "Die von uns erstellten Notensätze sind alle nur Vorschläge."

Bei dem "Türkischen Marsch" (Alla Turca) handelt es sich um den letzten Satz der Klaviersonate A-Dur KV 331 von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Musikschule habe sich dafür entschieden, um den 230. Todestag Mozarts am 5. Dezember 2021 zu würdigen.

"Aber natürlich ist es auch ein heute noch äußerst populäres und beliebtes Stück", so Musikschul-Chef Freimuth, der davon ausgeht, dass viele Menschen diese Gelegenheit nutzen, sich an dem Projekt zu beteiligen. "Wir haben festgestellt, dass die Leute in Pandemiezeiten viel mehr üben als sonst", betonte Freimuth.

Lockdown sinnvoll genutzt

Ein Zeichen dafür, dass viele Musiker*innen die Lockdownzeit sinnvoll nutzen. "Offenbar haben sie in normalen Zeiten zu wenig Zeit für ihr Instrument", vermutet Freimuth, der aber trotzdem auf eine baldige Rückkehr zum Präsenzunterricht hofft.

Immerhin macht sich jetzt wieder etwas Hoffnung breit. "Mit etwas Glück und bei weiter fallender Inzidenz können wir vielleicht sogar noch vor den Pfingstferien für ein oder zwei Tage aufmachen", hofft der Schulleiter. Bis zum 25. Juni können ab sofort die Video-Beiträge zur Musikschule geschickt werden. Kosten fallen für alle Teilnehmer – egal ob Schüler*in der Musikschule oder nicht – keine an.

Und noch eins verspricht Burkhard Freimuth: "Wir werden ausnahmslos alle Einsendungen berücksichtigen. Sollten es tatsächlich sehr viele werden, dann stellt das für uns keine Unmöglichkeit, sondern lediglich eine Herausforderung dar", macht der Schulleiter deutlich. "Notfalls machen wir dann einfach mehrere Videos."

TOBIAS TSCHAPKA E-Mail

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