Donnerstag, 04.03.2021

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Mit letzter Kraft wieder Weltmeisterin

Nach einer alles andere als goldigen Vorrunde packt Milena Slupina ihr Kämpferherz aus und gewinnt zum zweiten Mal den Titel im 1er Kunstrad der Frauen. - 08.12.2019 17:19 Uhr

Auf den Punkt konzentriert: Milena Slupina setzte alles auf eine Karte und zeigte ohne Abstriche in anspruchsvollstes Programm.

08.12.2019


"Es war so schwer", waren die ersten Worte, die der frisch gebackenen Goldmedaillengewinnerin noch auf der Fahrfläche unter Tränen über die Lippen kamen. Hüpfend fiel sie der Vorjahressiegerin Iris Schwarzhaupt, die heuer nur noch als Fan dabei war, in die Arme – dann knickten die malträtierten Beine weg und die Weltmeisterin musste die ersten Gratulationen im Sitzen entgegennehmen.

Alle Ziele hat die sportlich im TSV Bernlohe beheimatete Athletin in diesem Jahr erreicht. Schon vor der WM hatte sie Bilanz gezogen und sich mit der Erreichten mehr als zufrieden gezeigt. Das Regenbogentrikot der Weltmeisterin ist nun das Sahnehäubchen auf einem langen, anstrengenden und bemerkenswert konstant auf allerhöchstem Niveau absolvierten Sportjahr.

In der WM-Vorrunde am Samstagvormittag hatten die Aussichten auf den WM-Titel allerdings noch nicht besonders goldig ausgesehen. Beide deutschen Favoritinnen präsentierten sich anders als alle Experten erwartet hatten. Zunächst hatte Viola Brand mit knapp über 170 Punkten sich nicht voll auf der Höhe gezeigt, dann überraschte auch Milena Slupina mit kaum je erlebter offensichtlicher körperlicher Schwäche. Mit gerade mal 157,67 mit letzter Kraft erkämpften Punkten sicherte sie sich als Dritte den Platz im Finale der besten Vier.

Dauerbelastung fordert Tribut

Für die Sportlerin selbst war das ungewohnt niedrige Ergebnis keine Überraschung. Die Dauerbelastung der letzten Monate hatte sich zur Unzeit bemerkbar gemacht: "Ich war schon seit einigen Tagen in einer schlechten körperlichen Verfassung." Der Körper war total erschöpft und forderte unüberhörbar Ruhe ein. Am Freitag hatte Slupina bereits am Austragungsort auf das Training verzichtet, um die letzten Kraftreserven zu schonen. Sie wusste, dass es sehr schwer werden würde, unter diesen Voraussetzungen den WM-Titel zu gewinnen. "Die Vorrunde hat deutlich gezeigt, wie ich körperlich drauf war", kommentierte sie später selbst.

Während bei Milena Slupina Zentnerlasten von der Seele purzelten, stapelten sich die Punkte zu für die Konkurrenz unerreichbaren 189,73 auf.

08.12.2019 © Foto: Steffi Graff


Aber Hauptsache Finale. Dann ausruhen und nachmittags noch einmal alle noch vorhandenen Kräfte irgendwie mobilisieren. Auch der Mannschaftsarzt wurde zurate gezogen. Der gab grünes Licht. Die naheliegende Idee, die Schwierigkeit der Kür spürbar zu reduzieren, war für die Rotherin keine Option. "Das hätte mir nichts gebracht."

Nach wenigen Stunden Ruhe wollte die Kämpferin es einfach wissen. "Ich wollte noch einmal alles geben, was da ist, und wenn ich danach auf der Fläche liegen bleibe." Und es lief. Übung für Übung spulte sie ihr Programm ab. Hätte es die Vorrunde nicht gegeben, hätte man kaum erahnt, wie viel Kämpferherz und Kampfeswillen es gebraucht hat, das Programm an diesem Tag noch einmal in dieser Qualität zu zeigen. 189,73 Punkte standen am Ende auf der Anzeigentafel und das bedeutete den zweiten Titelgewinn nach 2017.

Hauptkonkurrentin Viola Brand musste sich auch bei ihrem fünften WM-Start wieder geschlagen geben. Sie hatte sich im Vergleich zur Vorrunde ebenfalls noch einmal deutlich gesteigert. Zum Titel gereicht hat es mit 185,14 Punkten einmal mehr nicht. Strahlende Dritte wurde die 18-jährige Lorena Schneider, die mit zwei blitzsauberen Programmen ihr Glück, neben den beiden Deutschen auf dem Treppchen zu stehen, kaum fassen konnte.

Am Dienstag wird die Stadt Roth die frisch gebackene Weltmeisterin im Schloss Ratibor mit Pauken und Trompeten empfangen. Bürgermeister Ralph Edelhäußer war einer der Ersten gewesen, der begeisterte Glückwünsche per Telefon nach Basel gesandt hatte. Für Milena Slupina ist jetzt neben Feiern erstmal Erholung angesagt. "Kein großer Urlaub, aber am Donnerstag einen Tagesausflug in die Therme."

sgr VON STEFANIE GRAFF

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