Strecke Roth-Hilpoltstein: Wird aus der Gredl eine S-Bahn?

12.1.2021, 18:07 Uhr
Kann aus der Gredl eine S-Bahn werden? Die Chancen steigen, aber noch liegen viele Stolpersteine auf den Schienen.

Kann aus der Gredl eine S-Bahn werden? Die Chancen steigen, aber noch liegen viele Stolpersteine auf den Schienen. © Archiv-Foto: Paul Götz

Vor allem in Hilpoltstein und im südlichen Landkreis wird seit langem darauf gedrängt: Wenn die Verträge für die Regionalbahn zwischen Roth und Hilpoltstein mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft Ende des Jahres 2030 auslaufen, "müssen Planung und Finanzierung für die weitere Anbindung stehen". Das sagt Ulla Dietzel mit Nachdruck. Die CSU-Stadträtin und 2. Bürgermeisterin von Hilpoltstein steht dem Arbeitskreis S-Bahn vor, der sich seit Jahren dafür einsetzt, dass die Bahn-Verbindung nach 2030 nicht nur fortgeführt, sondern auch qualitativ verbessert, also enger getaktet und schneller gemacht wird.

Großes Potenzial

Dafür hat der Landkreis inzwischen eine Machbarkeitsstudie beauftragt, die sowohl im Mobilitätsausschuss des Kreises als auch im Hilpoltsteiner Stadtrat bereits vorgestellt wurde. Der Rother Stadtrat sollte im Januar über das "große Potenzial" einer S-Bahn für Stadt und Kreis informiert werden, wegen der Corona-Beschränkungen auf essentielle Tagesordnungspunkte findet die Sondersitzung aber erst am Montag, 22. Februar, statt.

Viele Pluspunkte bescheinigt das beauftragte Gutachterbüro Transport Technologie-Consult aus Karlsruhe (TTK) einer S-Bahn als Gredl-Nachfolgerin, zudem will der Freistaat Bayern die S-Bahn im VGN-Bereich ausbauen und hat dazu das Gutachten des Landkreises auch schon in seinen Unterlagen, wie ÖPNV-Fachmann Bernd Krämer vom Landratsamt weiß. Trotzdem liegen noch etliche Stolpersteine auf den Schienen.

22 unbeschrankte Übergänge

"Wichtigster Schritt für die sogenannte ,Durchbindung‘ ist zunächst die Sicherung der Bahnübergänge", betont Krämer. Da seien die Städte Roth und Hilpoltstein gefordert. Denn sage und schreibe 22 unbeschrankte Bahnübergänge reihen sich auf den elf Kilometern Gredlstrecke zwischen Roth und Hilpoltstein aneinander. Diese Bahnübergänge, die nur mit einem Andreaskreuz gesichert sind, bedeuten einerseits Gefahr: Immer wieder passieren Unfälle - wie gestern, oft sogar tödliche. Andererseits muss die Bahn vor diesen Stellen deutlich langsamer werden und darf nur mit 30 bis 60 km/h (statt der 80 bis 100 km/, die eigentlich möglich wären) am Übergang vorbeifahren. Außerdem muss sie mit einem lauten Pfeifsignal warnen.


Der Arbeitskreis drängt bei S-Bahn auf schnelles Handeln


Würden vor die Bahnübergänge Schranken gebaut (bei 18 von 22 ist das theoretisch möglich), würde sich das Pfeifen und Bremsen erübrigen, die Gefahr wäre durch die Schranke deutlich reduziert, ein erster Schritt Richtung S-Bahn getan.

Bisher mussten die Kommunen, auf deren Grund die Übergänge liegen, mitbezahlen, wenn sie sie mit Schranken bestücken wollen. Das kürzlich geänderte Eisenbahnkreuzungsgesetz beschert ihnen nun gute Nachrichten: Bahn, Bund und Land übernehmen die Kosten.

Was sich erstmal gut anhört, aber: "Wir sind frühestens im Jahr 2027 dran", weiß der Rother Bürgermeister Ralph Edelhäußer (CSU). Der Grund sei, "dass wir – so schlimm es sich anhört – zu wenige Unfälle zu beklagen haben". Zudem müsste jeder Übergang (14 liegen auf Rother Stadtgebiet, acht auf dem von Hilpoltstein, nur für vier gilt ein Umbauverbot) ein Raumordnungsverfahren durchlaufen, bis zur Schranke dauert es also rund zehn Jahre – für jeden einzelnen Übergang.

Auch ein Abschaffen einiger der vielen Wege über die Gredlschienen werde natürlich erwogen. "Aber die Landwirte haben sich großteils dagegen positioniert", berichtet er. Begründung: Sie müssten Umwege mit viel Treibstoffverbrauch fahren.

Das sieht Ulla Dietzel anders: "Natürlich wollen die Leute alles, was gewohnt ist, für immer und ewig behalten. Aber vielleicht fahren die Bauern nur vier bis fünf Mal im Jahr auf diesem Weg, dafür könnte man schon 250 Meter Umweg in Kauf nehmen. Das muss man ausloten, dazu ist das persönliche Gespräch nötig." Bestimmt, so die Hilpoltsteinerin, "gibt es dafür Lösungen".

Nur ein einziger Übergang, so hat der Rother Bürgermeister eruiert, sei für die Landwirte verzichtbar. Doch ausgerechnet dieser Überweg auf Höhe des Eisenhammers habe touristische Bedeutung. "Also können wir nicht so einfach zwei bis fünf Übergänge auflösen."

Generell aber legen sich die Kommunalpolitiker für die S-Bahn nach Hilpoltstein ins Zeug. Er sei "für jede Maßnahme, die die Infrastruktur im Landkreis stärkt", betont Ralph Edelhäußer. Hilpoltsteins Bürgermeister Markus Mahl, der damit "engere Taktung, Modernisierung des Zugmaterials und bessere Anbindung an die S-Bahn nach Nürnberg" erreichen will, ist überzeugt, dass die verbesserte Infrastruktur "wichtig ist nicht nur für Roth und Hilpoltstein, sondern für den gesamten südlichen Landkreis".

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