Alte „Bierfilzla“ erinnern an die Schwabacher Brautradition

14.10.2014, 10:03 Uhr
Brauerei Leitner, Nürnberger Str. 19, Produktion eingestellt 2010. Um 1950 entstand dieser Deckel.

Brauerei Leitner, Nürnberger Str. 19, Produktion eingestellt 2010. Um 1950 entstand dieser Deckel.

Früher dienten in den Gastwirtschaften die sogenannten Bierfilze als Untersetzer des Bierkrugs. Um zu verhindern, dass im Sommer in den Bierkellern (heute Biergärten) Fliegen oder anderes Getier im Bier landeten, legten die Besucher die Untersetzer aus Filz auch auf den Bierkrug. Aus dieser Funktion des Abdeckens stammt der Name Bierdeckel.

Nur Bessergestellte leisteten sich einen Krug mit Zinndeckel. Die einfachen Leute nutzten Filz, der immer wieder gewaschen und getrocknet wurde und irgendwann anfing, ganz fürchterlich zu riechen. Eine ziemlich unhygienische Angelegenheit. Die Bierdeckel dagegen konnten die Wirte nach Gebrauch wegwerfen.

Robert Sputh aus Dresden erfand 1892 den Vorläufer des heutigen Bierdeckels, in Franken auch als „Bierfilzla“ bezeichnet. Die Holzfaserplatten wurden erstmals in der Sputhmühle in Mittelndorf/Sachsen produziert.

Herstellung vor allem in Fürth

Auch bei der Firma Albert Spachmüller, Schwabach, nachfolgend Papier-Industrie Schwabach, wurden in den 1920-er und 1930-er Jahren Bierdeckel in geringen Mengen hergestellt, etwa für die Brauerei Weller und Stadtbrauerei Spalt. Die meisten Bierdeckel in unserer Region stammen von der Firma Bierfilzfabrik Fr. Denzler in Fürth.

Einstmals gab es in Schwabach sechs Brauereien, die Bierdeckel als Untersetzer verwendeten. Besonders schöne, zum Teil auch achteckige oder mit verschiedenen Sprüchen versehen wie „Schwabachs Vierklang merke Dir: Blattgold, Nadeln, Schrauben, Weller Bier“ gab es in den 1930-er und 1940-er Jahren bei der Brauerei Weller.

Ältere Bierdeckel aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg oder noch früher sind unter Sammlern heute sehr begehrt. Für solche Exemplare müssen bei Ebay-Ersteigerungen manchmal schon einige hundert Euro, in Ausnahmefällen sogar bis zu 1000 Euro geboten werden.

Ende 2010

Mit dem Weihnachtsfestbier der Brauerei Leitner ging Ende 2010 die Bierherstellung und Abfüllung in Schwabach zu Ende. Damit ist das einstmals über Jahrhunderte blühende Brauereigewerbe in Schwabach nur mehr Geschichte.

Befanden sich doch im Jahre 1723 in Schwabach 50 Brauer mit eigenem Ausschank und 8 Brauer als Besitzer von Gastwirtschaften. Später verminderte sich die Zahl der Brauereien in Schwabach von 28 im Jahre 1884 auf 16 im Jahre 1907. Heute existieren noch die Brauerei-Gaststätten von Leitner, Weller und Schiff.

Viele Schwabacher werden sich darüber hinaus auch noch mit Wehmut an die beliebten Karpfen und an das gute Bier in der altehrwürdigen Wirtsstube beim Lösel am Pinzenberg erinnern.

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