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Demo: Katzwang wehrt sich gegen "Monstertrasse"

Rund 300 Teilnehmer bei Demonstration am Karsamstag gegen die P53-Pläne durch Katzwang. Heftige Kritik an Firma Tennet. - 03.04.2021 23:00 Uhr

Demo unter der Bestandstrasse: An der Erlbachstraße in Katzwang trafen sich am Karsamstag rund 300 Katzwanger Bürgerinnen und Bürger, um gegen die Pläne der Firma Tennet zu protestieren, in diesem Bereich eine neue Höchstspannungsleitung in Erdverkabelung zu verlegen. Zu den Rednern gehörte auch Kurt Oberholz (vorne links) von der Katzwanger Bürgerinitiative.

03.04.2021 © Foto: Günther Wilhelm


Karsamstag unter der Stromleitung in der Höhe der Katzwanger Erlbachstraße: Manfred Thümler hat zu einer kurzfristig organisierten Demonstration aufgerufen.

"Nicht als CSU-Ortsvorsitzender, sondern als Bürger und Betroffener", betont er im Vorgespräch mit dem Tagblatt. Denn ihm geht es um ein parteiübergreifendes Bündnis gegen die jüngst bekannt gewordenen Pläne der Firma Tennet.

Nord statt Süd

Die will die neue Juraleitung P53 nun doch entlang der Bestandstrasse bauen: also nördlich von Schwabach. Besonders umstritten an dieser sogenannten Nordvariante ist die Durchquerung von Katzwang. Dort ist als Pilotprojekt eine Erdverkabelung vorgesehen. Mit diesem Vorhaben will Tennet ins Raumordnungsverfahren gehen. Die sogenannte Südvariante im Süden Schwabachs über Rohr, Kammerstein, Rednitzhembach, Büchenbach und Schwanstetten wird also nicht mehr verfolgt.


Juraleitung: Alle Infos zur geplanten Strom-Autobahn


Viele Kommunalpolitiker lehnen diese Festlegung von Tennet ab (wir berichteten). Darunter die Oberbürgermeister von Nürnberg und Schwabach, Marcus König (CSU) und Peter Reiß (SPD), aber auch der Bundestagsabgeordnete Michael Frieser (CSU) und die Landtagsabgeordneten Karl Freller (CSU) und Sabine Weigand (Grüne).

Bei der Bevölkerung in Katzwang hat diese Nachricht ebenfalls heftigen Widerspruch ausgelöst, wie die Demonstration gezeigt hat. Die Reden in Auszügen:

Manfred Thümler (links) hat die Demo spontan organisiert. Er warf Tennet ein falsches Spiel mit den Bürgern vor.

03.04.2021 © Foto: Günther Wilhelm


Organisator Manfred Thümler begründete seinen harten Vorwurf an Tennet indem er an einen Informationsabend in Katzwang 2019 erinnerte. Damals habe Tennet eine Trasse entlang der Bestandsleitung zwischen der Gärtnerei an der Katzwanger Hauptstraße und dem Kanal ausdrücklich ausgeschlossen. Zum Beweis brachte Thümler die Pläne von damals mit.

"Wir haben auch mehrfach nachgefragt, ob Tennet alternativ eine Erdverkabelung plant", sagte Thümler. "Die Antwort war ein klares Nein, weil die noch nicht erprobt ist."

Und nun erfahre man aus der Zeitung von genau diesen Plänen. "Die unmittelbar Betroffenen werden nicht informiert", beklagte Thümler. Nicht einmal auf mehrfache Nachfrage: "Seit 14 Tagen versuche ich Auskunft von Tennet zu bekommen. Weder telefonisch noch schriftlich bekommt man eine Antwort. Was wir hier erleben, ist alles andere als fair."

Martina Staufer befürchtet auch für Kornburg den „Super-Gau“.

03.04.2021 © Foto: Günther Wilhelm


Bei der neuen Juraleitung handelt es sich um eine Höchstspannungsleitung mit 380 Kilovolt und 4000 Ampere Spannung. "Das ist rund 15 Mal mehr als diese Leitung", sagte Thümler und zeigte auf die Masten. Zudem verwies er auf empfohlene Mindestabstände von 400 Metern bei Freileitungen und 100 Metern bei Erdverkabelung. Beide würden in Katzwang weit unterschritten.

Viele Fragen seien völlig offen: "Wie hoch würde die Strahlung sein? Welche Beweise gibt es, dass dies ungefährlich ist? Warum hat Tennet beschlossen, gerade durch dicht besiedeltes Gebiet die Trasse zu verlegen? Spielt der Mensch keine Rolle?"

Klar aber sei: "Man hat uns falsche Pläne gezeigt. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht", bekräftigte Thümler. "Wir fordern Berlin, die Bundesnetzagentur, auf, dieses Verfahren zu stoppen und Tennet aus dem Verfahren zu nehmen. Wer falsch spielt, hat keine Recht weiterzuspielen."

Kurt Oberholz (P53Bürgerinitiative Katzwang) stellte klar: "Eine Durchquerung von Katzwang mit​ einer konventionellen Erdverkabelung lehnen wir ab, da der vom Bundesamt für Strahlenschutz empfohlene Mindestabstand von 100 Metern nicht eingehalten werden kann." Eine neue Technologie ohne Magnetfeld ("Molipipes") lehne Tennet aber als unausgereift ab. Stattdessen werde ein unsicheres Pilotprojekt vorangetrieben. Über dem Kabel drohe ein massives Magnetfeld mit vor allem für Kinder unter Umständen gefährlichen Folgen. Deshalb: "Eine Untertunnelung der Rednitz, der Katzwanger Hauptstraße und des Kanals ist für Katzwanger unvorstellbar."

Landwirt Thomas Kühnlein forderte von den Politikern Unterstützung im Kampf gegen P53: „Ihr seid in der Pflicht.“

03.04.2021 © Foto: Günther Wilhelm


Martina Staufer (P53Bürgerinitiative Schwabach) kritisierte, dass auch bei der Weiterführung der Trasse in Kornburg der Mindestabstand von 400 Meter "definitiv nicht eingehalten" wird. "Das wäre der Super-Gau für Kornburg."

Landwirt Gerhard Zimmermann sieht auch das Rednitztal und die dortigen Wässerwiesen durch die Tennet-Pläne bedroht. Dabei sei diese 400 Jahre alte Bewässerungsform erst im März in die Liste als immaterielles Kulturerbe aufgenommen worden. Auch die mögliche Alternativtrasse entlang des Rednitztals zur Schwabacher Kläranlage habe viel zu wenig Abstand zu Altkatzwang und Limbach. Seine Forderung: "Unsere Kinder sollen nicht wie Versuchskaninchen entlang dieser Stromtrasse aufwachsen müssen."

Landwirt Thomas Kühnlein richtete einen klaren Appell an die Politiker: "Ihr seid in der Pflicht." Die Katzwanger Bevölkerung erwarte Unterstützung. "Sonst ist es vorbei mit den Wählerstimmen."

CSU-Stadtratsfraktionschef Andreas Krieglstein vertrat Nürnbergs OB Marcus König und kritisierte "die in keiner Weise abgestimmten" Tennet- Pläne heftig: "Wenn man hier steht und die Situation sieht, dann ist diese Trasse unvorstellbar. Wir werden zusammen kämpfen, um dieses Projekt zu verhindern."

SPD-Stadtrat Harald Dix (Kornburg) erinnerte daran, dass Tennet im Auftrag des Bundes plane und der Bundestag erst im Januar mit Stimmen von Union, SPD, Grünen und FDP den Bundesbedarfsplan verabschiedet habe. "Mit regionaler Energieerzeugung bräuchten wir solche Monstertrassen aber nicht."

CSU-MdB Michael Frieser sieht eine Alternative: Er nennt die Trasse im Süden Schwabachs das „kleinere Übel“.

03.04.2021 © Foto: Günther Wilhelm


Bundestagsabgeordneter Michael Frieser (CSU) verteidigte seine Zustimmung zum Bundesbedarfsplan. "Gar nichts ist keine Option", betonte der Wahlkreis-Abgeordnete des Nürnberger Südens. Schließlich gehe es um die Versorgungssicherheit auch nach dem Ausstieg aus Atom- und Kohlestrom. Man werde die alte Leitung ertüchtigen müssen. "Aber nicht durch die Vorgärten in Katzwang. Diese Leitung wird nicht kommen."

Sein Alternativvorschlag: die Trasse im Süden Schwabachs. Denn die führe nicht direkt durch die Wohnbebauung. "Sie ist auch ein Übel", erklärte er auf Tagblatt-Nachfrage, "aber sie ist das kleinere Übel."

Landtagsvizepräsident Karl Freller (CSU) zog einen Vergleich zur Pandemie: "Was haben Corona und Stromleitungen gemeinsam? Beide brauchen Abstand." Den aber gebe es in Katzwang nicht. "Das Ganze ist zu nahe an den Menschen, und deshalb taugt es nichts." Darin sei er sich mit Schwabachs SPD-OB Peter Reiß, der ebenfalls zur Kundgebung gekommen war, völlig einig. "Deshalb müssen wir mit Tennet Klartext reden."

Bilderstrecke zum Thema

Geplante Stromtrasse: Anwohner protestieren gegen Juraleitung

"Komm, sonst kommt die Stromtrasse zu dir!" Unter diesem Motto hatte die Bürgerinitiative "Rettet das Schwabachtal" zu einem Aktionstag gegen die sogenannte Juraleitung eingeladen. Und trotz des regnerischen Wetters und Urlaubszeit waren mehrere hundert Menschen nach Gustenfelden im Landkreis Roth gekommen, um gegen den geplanten Ersatzneubau der Stromtrasse P53 zu protestieren.


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