Denkmalprämierung 2020: Das sind die Preisträger der Stadt Schwabach

17.3.2020, 13:35 Uhr
In Schwabach ist eine Reihe von bauhistorisch überaus interessanten Objekten überliefert, die variantenreich zeigen, zu welchen unkonventionellen Lösungen man in gewachsenen Stadtstrukturen zu früheren Zeiten fand. Zu diesen außergewöhnlichen Bauwerken zählt ein traufseitig zur Straße stehendes Wohnhaus mit Zwerchhaus und Schleppgauben in der Ben-kendorfer Straße 13, das im Kern von 1474 (!) stammt.
Von außen so nicht zu erkennen, bildet das Haus mit seinem Nachbarhäusern Nr. 9 bis 15 eine spätmittelalterliche „Reihenhauszeile“. Die einzelnen Dachböden der vier vorwiegend als Mietshäuser genutzten Gebäude – das zeigte eine Untersuchung im Zuge der jüngsten, um-fassenden Generalsanierung des Gebäudes durch die GEWOBAU der Stadt Schwabach – sind miteinander verbunden und werden lediglich durch Holzwände voneinander getrennt. Text: Anke Schlecht
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Schwabach, Benkendorfer Straße 13

© Julia Krieger

Ebenso ungewöhnlich liegen die jeweiligen Stockwerksmauern nicht genau übereinander, sondern sind mal zu der einen Seite, mal zu der anderen Seite gerückt. Auch diese unge-wöhnliche Verzahnung innerhalb der Häuserzeile ist von außen nicht abzulesen. 
Trotz vieler Mängel hatte die GEWOBAU das kaum zu vermittelnde Objekt übernommen: eine marode Substanz, instabil durch Grundwasser über einem lehmigen Untergrund im Kel-ler, zudem mit Chemikalien von einer hier ehemals untergebrachten Reinigung belastet. Die fast unendliche Schadensliste wurde (inklusive der Behebung von früheren unsensiblen Um-baumaßnahmen) im Zuge der Sanierung gewissenhaft abgearbeitet. Den Untergrund hat man mit Pfahlhölzern, die als Träger in den Boden gerammt wurden, gesichert. Es folgte die ebenso anspruchsvolle Instandsetzung der gesamten Holzkonstruktion bis hin zum Dach. Die Fassade hat man überarbeitet, den vorgefundenen spätmittelalterlichen Bestand im Inneren entsprechend gesichert und restauriert. Text: Anke Schlecht
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Schwabach, Benkendorfer Straße 13

© Julia Krieger

Zu dieser Vielzahl an Einzelmaßnahmen gehören auch die Recherche und Dokumentation zur Geschichte des Hauses, seiner Besitzer und Bewohner. Diese nicht selbstverständliche Vermittlung und Verlebendigung von Vergangenheit hat sich mittlerweile als fester Bestandteil der von der GEWOBAU durchgeführten Sanierungen etabliert – ein Mehrwert, der in seiner vorbildhaften Bedeutung gar nicht hoch genug geschätzt werden kann! Text: Anke Schlecht
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Schwabach, Benkendorfer Straße 13

© Julia Krieger

Direkt am Nadlersbach im Zentrum von Schwabach, in Blickachse zu der nahen Münzstätte gelegen, steht in der Münzgasse 4, als Eckhaus zur Mühlgasse, ein zweigeschossiges Wohngebäude. Die Schwabacher Häusergeschichte weist hier bereits um 1530 einen Vorgängerbau nach. Seine Besitzer, unter ihnen im 17. und 18. Jahrhundert vorwiegend Handwerker wie Gerber, Bäcker, Tuchmacher und -färber sowie im 19. Jahrhundert dann mehrere Generationen Metzger, nutzten das di-rekt am Bach liegende Haus als Wohn- und Arbeitsraum. 

Die verputzte Fassade des schlichten Handwerkerhauses, das 1836 fast komplett abbrannte und wiederaufgebaut wurde, ist einfach gestaltet. Die Traufseite zur Mühlgasse zeichnet sich durch ein Zwerchhaus aus, die gegenüberliegende Dachseite trägt eine Gaube. 
Vor allem auf der Giebelseite zum Bach hin fielen die neuzeitlichen Umbauten des im Laufe der Jahre renovierungsbedürftig gewordenen Wohngebäudes als unpassend auf. So wurde u. a. der ehemalige bachseitige Hauszugang zwar noch von einem kleinen Steg erschlossen, allerdings ende-te diese vor der durch ein Fenster ersetzten und zugemauerten Tür. 

Bei der Generalsanierung hat man die differenzierte Dachlandschaft neu eingedeckt und die Dach-entwässerung in Kupfer erneuert.  Die zuvor in zwei Rottönen gehaltene Fassade wurde saniert und einfarbig gefasst. Durch den Wechsel zu Kreuzstock-Holzfenstern gewinnt die Fassade sehr.  Der von außen aufgetragene Wärmedämmputz ermöglicht, dass innen das Fachwerk sichtig gehalten werden konnte. Die Baufehler der Vergangenheit hat man rückgebaut, ein zugemauertes Fenster im Obergeschoss geöffnet, ebenso den bachseitigen Zugang. Diesen hat man um einen weiteren Eingang ergänzt. Beide werden über jeweils einen eigenen Steg erschlossen. Ein reversibler Balkon in passenden Materialien erhöht den Wohnkomfort auch im oberen Stockwerk. 

Die Sanierung war, obwohl es sich nicht um ein Einzeldenkmal handelt, von Umsicht für den Be-stand geprägt. Mit einem etwas höheren Aufwand und dabei geschickt gesetzten Modifikationen ist es gelungen, mitten in der dichten Bebauung der Altstadt einen individuellen Wohnraum zu schaffen, der sich mit seinem Erscheinungsbild gelungen in die Umgebung fügt. Text: Anke Schlecht
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Schwabach, Münzgasse 4

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Seit 1890 wurde die als Erweiterung des Stadtgebiets konzipierte Südliche Ringstraße in Schwabach angelegt und in den Folgejahren sukzessive repräsentativ ausgebaut. Variationsreich in historisieren-den Formen reihten sich Villen, Fabrikationsgebäude, ein Gymnasium, Wohn- und Mietshäuser entlang des an der ehemaligen Stadtbefestigung orientierten Straßenzuges.
Mit dem Baujahr 1900 wird die Mietshausgruppe in der Südlichen Ringstraße 1 bezeichnet, die mit dem Gebäude Eisentrautstraße 11 über Eck verbunden und sich durch Neorenaissance-Elemente aus-zeichnet. Der traufseitige Backsteinbau ist mit drei Geschossen auf einem Sandsteinerdgeschoss aufgemauert und wird durch einen Eckerkerturm akzentuiert. Text: Anke Schlecht
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Schwabach, Südliche Ringstraße 1

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Architekt des Gebäudes war Johann Carl, auf den auch die wenig später gebaute, benachbarte Miets-hausgruppe Südliche Ringstraße 3 und 5, die Villa Wenglein sowie weitere Gebäude in der Straße und in Schwabach zurückgehen. Interessanterweise war Johann Carl seit 1896 in Besitz einer eigenen Zie-gelei. Daher dürften die zum Bau verwendeten Backsteine aus der architekteneigenen Fabrikation stammen.

Über einen Zeitraum von zehn Jahren hat der Eigentümer, der die vernachlässigte Mietshausgruppe 2008 erworben hatte, das gesamte Ensemble von nicht unbeachtlicher Größe schrittweise und mit einem erheblichen Anteil an Eigenleistung schrittweise saniert. Die bei der Innen- und Außenrenovie-rung geleisteten Stunden lassen sich weder zählen noch ermessen. Text: Anke Schlecht
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Schwabach, Südliche Ringstraße 1

© Julia Krieger

Aufwändig wurde die Klinkerfassade und die Sandsteinteile der Schaufassade gereinigt sowie die Backsteinfassade auf der Hofseite instandgesetzt. Die Dachaufbauten, Gauben und Erker sind wieder repariert. Bei den Arbeiten innen achtete man insbesondere darauf, den Charakter des Treppenhauses mit historischen Zementfliesen, dem Treppenaufbau und dem Geländer zu erhalten. Ein Befundfenster hält außerdem die ursprüngliche Wandgestaltung sichtbar.

Dem Engagement des Eigentümers, den die Kosten der Sanierung ebenso wenig wie die damit ver-bundene Arbeit und der Zeitaufwand schreckten, ist es zu verdanken, dass in der Straße die städte-bauliche Komponente (die in der Vergangenheit erhebliche Einschnitte erlitten hatte) wieder hinzugewonnen hat. Text: Anke Schlecht
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Schwabach, Südliche Ringstraße 1

© Julia Krieger

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