Der Radwege-Kenner: Pläne für Roth, Schwabach und die Region

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Robert Gerner

Schwabacher Tagblatt

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27.4.2021, 15:00 Uhr
Planer und Macher: Radwege-Koordinator Helmut Neuweg mit der aktuellen Version seines Radwegeplans 2030.

© Robert Gerner Planer und Macher: Radwege-Koordinator Helmut Neuweg mit der aktuellen Version seines Radwegeplans 2030.

Vor kurzem hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer einen "nationalen Radverkehrsplan" vorgestellt. Mit hehren Zielen: Bis 2030 soll die durchschnittlich von Radfahrern zurückgelegte Strecke von gut drei auf sechs Kilometer fast verdoppelt und die Zahl der Todesopfer im Radverkehr um 40 Prozent gesenkt werden. Die Ziele also sind klar definiert. Was fehlt, sagt zumindest Helmut Neuweg, ist ein Plan, wie diese Ziele zu erreichen sind.

Wenn jemand Ahnung von Radwegen und vom Planen von Radwegen hat, dann ist es Neuweg. Hilpoltsteiner Altbürgermeister, noch immer Kreisrat in Roth, Radverkehrsbeauftragter seiner Heimatstadt und Koordinator in Sachen Radverkehr für den gesamten Landkreis Roth. 2013 hat er mit einigen Mitstreitern seinen ersten "Radwegeplan 2030" vorgelegt.

Alles wünschenswerte

Da steht alles drin, was wünschenswert wäre: 228 Kilometer Radwege entlang von Bundes- und Staatsstraßen, 168 Kilometer Radwege entlang oder ganz in der Nähe von Kreisstraßen und 60 Kilometer fahrradfreundlíche Wege entlang von Gemeindeverbindungsstraßen. Und dann natürlich noch die touristischen Wege teilweise über Feld- und Schotterwege.


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Helmut Neuweg ist viel mit seinem Fahrrad unterwegs. Und der hat die Gabe, sehr hartnäckig und am Ende offenbar auch sehr überzeugend zu sein. Seit dem ersten Entwurf seines "Radwegeplans 2030" hat der Staat seinen Anteil an Radwegen entlang der Bundes- und Staatsstraßen von 39 auf 48, die Gemeinden haben ihre Quote von 42 auf 52 Prozent und der Landkreis hat seinen Anteil von 44 auf 62 Prozent erhöht.

Zur Halbzeit auf dem Weg zu 2030 ist also einiges erreicht, aber auch noch viel zu tun. "Wir werden die 100 Prozent nicht erreichen, aber wenn jeder der Partner auf eine Quote von 80 Prozent kommt, wäre das schon gut", sagt Neuweg.

So könnte es weitergehen

Die Chancen für weitere Investitionen stehen gut. Entlang der Staatsstraßen zwischen Thalmässing und Reinwarzhofen (allerdings nicht parallel zur Straße), zwischen Hilpoltstein und Mörlach, zwischen der Rother Lände und Allersberg, zwischen Allersberg und Sperberslohe und endlich auch zwischen Roth und Rednitzhembach ("unser wichtigster Nord-Süd-Lückenschluss") könnte es laut Neuweg bald weitergehen.

Nicht nur auf die Wege, auch auf den Service unterwegs kommt es an. Dieses Bild zeigt eine Fahrrad-Reparatur-Station, wie sie der Zweckverband Rothsee vor geraumer Zeit am Segelzentrum Heuberg aufgestellt hat. So etwas plant auch der Landkreis Roth an einigen viel genutzten Routen.

Nicht nur auf die Wege, auch auf den Service unterwegs kommt es an. Dieses Bild zeigt eine Fahrrad-Reparatur-Station, wie sie der Zweckverband Rothsee vor geraumer Zeit am Segelzentrum Heuberg aufgestellt hat. So etwas plant auch der Landkreis Roth an einigen viel genutzten Routen. © Neuweg, NN

Der Landkreis hat zum Beispiel heuer die vier Kilometer von Schwand nach Harrlach ins Visier genommen. Zwischen Büchenbach und Roth entsteht entlang der Bahngleise ein neuer Radweg, die bislang in kaum einem Plan aufgetaucht war. Hier wird der Aurachtal-Sammler in den Boden gegraben, und da lässt sich mit vergleichsweise wenig zusätzlichem Aufwand ein Radweg draufsetzen. "Die Kommunen bei uns denken den Radverkehr inzwischen mit", lobt der Radverkehrsbeauftragte.

Und innerorts?

Viele denken mit, aber Neuweg denkt oft noch ein bisschen weiter. Es nützt ja nichts, mit dem Rad möglichst gefahrlos nur von Ort A zu Ort B zu kommen. Mindestens ebenso wichtig ist die innerörtliche Verkehrsführung. Dort also, wo in den vergangenen Jahrzehnten halt doch dem Auto der meiste Platz eingeräumt worden ist. Neuweg kümmert sich darüber hinaus um eine möglichst lückenlose Beschilderung. Und er kümmert sich durch ein inzwischen großes Netzwerk auch darum, dass die Anschlüsse in die Nachbarlandkreise (Neumarkt, Weißenburg/Gunzenhausen, Ansbach, Nürnberger Land) beziehungsweise nach Schwabach funktionieren.


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"2013 haben wir hier im Landkreis einigen Nachholbedarf gehabt", räumt Fahrrad-Guru Neuweg ein. "Inzwischen gelten wir als vorbildlich. Viele fragen bei uns nach, wie wir das machen." In der Tat fließt derzeit fast ein Drittel aller Fördermittel, die für den Radwegebau in Mittelfranken ausgeschüttet werden, in den Landkreis Roth. "Das liegt daran, dass wir einfach den gesamten Landkreis im Überblick haben und sofort an verschiedenen Stellen ansetzen können, wenn sich irgendwo neue Möglichkeiten auftun", glaubt der Altbürgermeister.

Wie ein Spinnennetz

Wie zum Beweis klappt der frühere Rathauschef am Besprechungstisch einen riesigen Plan aus mit einem Gewirr an grünen und blauen Linien. von den zentralen Orten breiten sich lauter Spinnennetze aus, manche schon erstaunlich symmetrisch, manche noch ein wenig unvollständig. "Wir sind ja noch nicht am Ziel", erklärt Neuweg.

Seine Vorbilder sind die Holländer, wo das Radfahren einen viel höheren Stellenwert hat als in Deutschland, obwohl auch hierzulande die Zahl der Radfahrer in Corona-Zeiten explodiert sind. Mit einem E-Bike lassen sich halt auch Wegstrecken ohne übergroße körperliche Anstrengung zurücklegen, vor denen man vor wenigen Jahren noch zurückgeschreckt wäre.

Lieber Wege statt tolle Konzepte

Von einem holländischen Bekannten wirft Neuweg gerne ein Zitat in die Runde, das vielleicht ganz gut den etwas unkonkreten "nationalen Radverkehrsplan" charakterisiert. "Ihr habt in Sachen Radwege wirklich die besten Konzepte", lobte also Neuwegs holländischer Bekannter die deutsche Gründlichkeit. "Dafür haben wir die Radwege."

Das sieht auch Helmut Neuweg ein bisschen so _ und wäre damit bei einem seiner Lieblingsthemen, der Asphaltierung des östlichen Betriebsweges entlang des Main-Donau-Kanals. Der Kanal ist eine Bundesfernwasserstraße, auch die Betriebswege gehören dem Bund. "Hier bräuchte der Bund also gar kein großes Konzept, hier könnte er einfach machen", sagt Neuweg.

Er hat sogar schon einmal ausgerechnet, was das kosten würde auf den 26 Kilometern, die der Kanal durch den Landkreis Roth verläuft: 164 Euro pro Meter. Macht also gut 4,2 Millionen Euro. "Sehr günstig für ein so langes Stück", findet Neuweg. Was daran liegt, dass es weder Grundstückskäufe noch aufwändige Untergrundarbeiten geben müsste. "Der Weg ist ja schon da. Man könnte ihn aber halt mit einer Asphaltierung deutlich länger im Jahr nützen", so Neuweg.

Eine Million müssten fünf Gemeinden schultern

Weil entlang des Kanals so viele Menschen wohnen, würden die Nutzerzahlen garantiert stark nach oben gehen - und der Anteil des Autoverkehrs damit gleichzeitig sinken. Neuweg hat sogar schon ausgerechnet, dass die betroffenen Kommunen vor Ort (Hilpoltstein, Roth, Rednitzhembach, Schwanstetten, Wendelstein) zusammen wohl nur eine Million tragen müssten, sollte der Bund das endlich anpacken.

Wobei man sagen muss: Es geht ja nicht nur um die 26 Kanal-Kilometer im Landkreis Roth. Es geht auch nicht nur um die kompletten 171 Kilometer des Main-Donau-Kanals. In Deutschland gibt es viele Bundeswasserstraßen, die sich ebenfalls eignen würden.

Aber Helmut Neuweg lässt das nicht gelten. In Sachen Radwege ist er nicht nur, wie oben beschrieben,h artnäckig und überzeugend. Er bringt auch das nötige Stehvermögen mit: "Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann gebe ich nicht auf."

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