Ausstellung von Changhee Nam

Expressive Ideen in der Bürgerhaus-Galerie

25.11.2021, 16:54 Uhr
Changhee Nam erfasst seine Objekte „wie ein Selbstporträt“, sagt der 47-Jährige. Soll heißen, dass er versucht, in den Gesichtern seine eigenen Gefühle zu erkennen.

Changhee Nam erfasst seine Objekte „wie ein Selbstporträt“, sagt der 47-Jährige. Soll heißen, dass er versucht, in den Gesichtern seine eigenen Gefühle zu erkennen. © Robert Schmitt, NN

Denn er erfasst seine Objekte „wie ein Selbstporträt“, sagt der 47-Jährige. Soll heißen, dass er versucht, in den Gesichtern seine eigenen Gefühle zu erkennen. Ferner führt er Realismus und Abstraktion zusammen. Man sieht Farbspritzer, herabgelaufen Farbe, schnelle Pinselstriche, gespachtelte Partien hinter denen sich ein Gesicht verbirgt, oder erkennt ein Gesicht, das seine Zusammensetzung erst preisgibt, wenn man nah herantritt. Die Formen seiner Protagonisten bilden für Changhee Nam das Gefäß für expressive Ideen, außergewöhnliche Farben und künstlerische Vielfalt.

"Besser, schneller, exakter"

Der Betrachter muss sich den Bildern des Südkoreaners stellen, denn sie sind durchaus in der Lage zu verunsichern, ja zu verstören. Die Darstellung trifft existenzielle Fragen. Schließlich ist Nam bis heute geprägt von einer asiatischen Jugend mit harter Konkurrenz: „Besser, schneller, exakter.“ Das habe die Erziehung in Schule und Gesellschaft bestimmt.

Seine „Modelle“, wie er die Ausstellung genannt hat, entstammen Bildern aus Illustrierten. Hauptsächlich Schauspieler und Sänger, die ebenfalls einem oft stressigen Wettbewerb ausgesetzt sind. Es entsteht ein Spiegel innerer Vorgänge und Gefühle. „Denn manchmal fühle ich mich wie ein Soldat, wenn so viele Ansprüche an mich geltend gemacht werden“, sagt der Künstler.

Changhee setzt die eigene Realität mit der seiner Mitmenschen in Beziehung. Er hält die Gefühle seiner Motive nicht nur meisterhaft mit Öl, Tusche und Acryl auf handgeschöpftem Maulbeerbaum-Papier fest. Er empfindet sie offensichtlich so intensiv, dass eine fast metaphysische Dreierbeziehung zwischen Schöpfer, Werk und Betrachter entsteht.

Changhee Nams Bilder wühlen die Seele auf, verunsichern, regen an, Altbekanntes zu überdenken und einen neuen Blick zu wagen. Sie treffen unser Innerstes und werfen existenzielle Fragen auf. Nam will den Betrachtern vor Augen halten, unter welchem ständigen Druck wir leben. Das ermöglicht Selbstreflexion, die unter Umständen in Kapitalismuskritik mündet: „Schafft überzogener Wettbewerb die Grundlage einer solidarischen Gesellschaft?“ So könnte die Gretchenfrage lauten. Selbst wenn Nam auch andere Maßstäbe schätzt. „Ich mag anatomische Schönheit und Farbenspiel“, sagt er.

Changhee Nam ist auf dem Land geboren und kam jung in die Millionenstadt Seoul. Dort hatte er bereits ein Bachelor-Studium in Kunsterziehung und Malerei absolviert, ehe es ihn 2004 nach Deutschland zog. Den Impuls gab eine Ausstellung in der südostasiatischen Metropole. Vor allem in den Werken Gerhard Richters erkannte er die außergewöhnliche Qualität deutscher Malerei. Ein Jahr verbrachte Changhee in Bonn. Von 2005 bis 2011 studierte er an der Nürnberger Akademie und war zuletzt Meisterschüler bei Professor Peter Angermann. Heute wohnt er in Schwaig.

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