Hirthe-Fotos: Einzigartige Zeugnisse vergangener Zeit

1.9.2015, 11:46 Uhr
 Das Bild ist „bei der Weinlese 1929“ betitelt. Heute kaum noch bekannt: Im Jahre 1918 und den Folgejahren erlebte der Weinbau in Wolkersdorf am Pfaffensteig eine kleine Renaissance. Ein Pfälzer Weinhändler legte in dem ehemaligen Fichtenwald einen kleinen Weinberg an. Die jährlichen etwa 13 Hektoliter Wein „Pfaffensteiger Säuerling“ wurden dort in einer Heckenwirtschaft verkauft.

Das Bild ist „bei der Weinlese 1929“ betitelt. Heute kaum noch bekannt: Im Jahre 1918 und den Folgejahren erlebte der Weinbau in Wolkersdorf am Pfaffensteig eine kleine Renaissance. Ein Pfälzer Weinhändler legte in dem ehemaligen Fichtenwald einen kleinen Weinberg an. Die jährlichen etwa 13 Hektoliter Wein „Pfaffensteiger Säuerling“ wurden dort in einer Heckenwirtschaft verkauft. © Richard Hirthe / Archiv Seyferth

„R. Hirthe, Photograph, Schwabach b. Nbg.“ So oder so ähnlich steht es auf tausenden von historischen Ansichtskarten aus Mittel- und Oberfranken sowie der Oberpfalz, insbesondere aber aus Schwabach sowie den Städten und Dörfern der näheren Umgebung.

Ohne Richard Hirthe wüssten wir heute kaum noch, wie diese Orte Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts ausgesehen haben.

Selbst die kleinsten Orte mit ihren jeweiligen Gasthäusern, von denen es heute viele schon nicht mehr gibt, waren es ihm wert festgehalten zu werden.

Unser Mitarbeiter Friedrich Seyferth hat sich auf Spurensuche begeben und einige Schätze aus seinem eigenen Archiv und aus dem Archiv von Hans P. Grießhammer, Hans Schmitt und Gudrun Pickel gehoben.

Geschäft am Adolf-Hitler-Ring

Im Jahre 1903 gründete Richard Hirthe sein Unternehmen: Photograph und Ansichtskartenverlag in Schwabach, Ludwigstraße 9. Sein Geschäft mit Wohnung befand sich damals im Anwesen des allseits bekannten und beliebten „Gasthaus zur Rose“, ab 1936 dann in der Südlichen Ringstraße 30 (damals Adolf-Hitler-Ring), wo er nach dem Tod seiner Ehefrau im Jahre 1932 lange Zeit alleine lebte.

Seine Fotokarten waren alle durchnummeriert und gelegentlich mit dem Aufnahmejahr versehen. Eine Besonderheit von ihm war, dass er gelegentlich bei manchen Straßen und Plätzen ein Auto oder einen Omnibus hineinretuschierte. Heute wäre so etwas undenkbar. Daneben hielt er auch Verkehrsunfälle, Fabrikunfälle, Unwetterkatastrophen, aber auch Konfirmationen und das Assemblee bei Tanzkursen fotografisch fest.

Hirthe wurde 84 Jahre alt

Richard Hirthe wurde am 12. Februar 1868 in Grünberg/Schlesien geboren und starb am 14. Gebruar 1952 in Schwabach, zwei Tage nach seinem 84. Geburtstag. Bereits in jungen Jahren kam er sehr wahrscheinlich auf der Wanderschaft nach Schwabach, wo er am 3. September 1899 die Schneidermeisterin Margarete Amalie Eberlein heiratete.

Zusammen hatten sie zwei Töchter: Hedwig und Henriette. Tochter Hedwig betrieb mit ihrem Mann bis in die 1970er-Jahre die damals allseits bekannte Tanzschule Pickel in der Austraße in Schwabach.

Nummer Eins in Bayern

Von Beruf Lithograph, stieg Hirthe bald auf die Fotografie um. Wie sein Enkelsohn Rolf Hörndler, ehemals Notar in Neumarkt, zu erzählen wusste, besaß er Bayerns „Pressephotographenausweis Nr. 1“, unterzeichnet von Prinzregent Luitpold.

Viel unterwegs, aber immer stilvoll gekleidet: der Schwabacher Fotograf Richard Hirthe (1868 bis 1952).

Viel unterwegs, aber immer stilvoll gekleidet: der Schwabacher Fotograf Richard Hirthe (1868 bis 1952).

Richard Hirthe besaß nie ein Auto. Mit der Eisenbahn, den Postbussen, dem Fahrrad, oft aber auch zu Fuß begab er sich mit seinem hölzernen Plattenkasten auf die Suche nach immer neuen Motiven. Ein Spruch von ihm war: „Ich knipse nicht, ich fotografiere“.

Von Statur her war er eher klein, aber er legte immer großen Wert auf gute Kleidung: Anzug mit Weste und Krawatte sowie Kette mit Taschenuhr.

Keine Kommentare