Hubbrücke über die Schwabach ist wasserrechtlich notwendig

13.6.2015, 13:46 Uhr
Bei Hochwasser kann die Fußgängerbrücke über die Schwabach 2,80 Meter angehoben werden.

© Foto: Heider Bei Hochwasser kann die Fußgängerbrücke über die Schwabach 2,80 Meter angehoben werden.

Jeden Tag finden sich am Bauzaun an der Landsknechtsbrücke einige selbsternannte Fachleute ein, um über Sinn und Unsinn der Hubbrücke im Schwabachtal zu diskutieren. Viele der meist älteren Herren sind der Meinung, dass sich die Stadt angesichts ihrer prekären Haushaltslage so ein Prestigeobjekt nicht unbedingt leisten müsste.

Tut sie auch nicht. Auf die Frage, warum dieses zirka 290.000 Euro teure Bauwerk errichtet werden musste, antwortete Marion Pufahl von der Pressestelle der Stadt, dass die Hubbrücke die einzige bauliche Alternative zur Überquerung der Schwabach mit einer Fußgängerbrücke war, „um im Falle eines kritischen Hochwasserereignisses den Abflussquerschnitt des Bachlaufes nicht zu stark einzuschränken.“ Die Hubbrücke sei deshalb im Rahmen der baurechtlichen Genehmigung (hier Wasserrecht) vom Wasserwirtschaftsamt eingefordert worden.

Meist verschont

Dem Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Nürnberg, Ulrich Fitzthum, ist wohl bewusst, dass unsere Region in den vergangenen Jahren vor schlimmeren Unwettern meist verschont geblieben ist. Da angesichts des Klimawandels Überschwemmungen aber zunehmen und lokal oft sehr heftig ausfallen, habe auch der Gesetzgeber die Auflagen im Hochwasserschutz ständig umformuliert. „Die Hürden sind hoch“, sagt Fitzthum., und erinnert beispielsweise an die Katastrophe bei Baiersdorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt im Jahr 2007. „Das ist jetzt nix Übertriebenes, was in Schwabach gebaut wurde“, versichert der Fachmann.

An Pfingsten 2013, so der Chef des Wasserwirtschaftsamtes, sei die Region knapp vor einem heftigen Unwetter verschont geblieben. Die Meldestufe drei bis vier (vier ist die höchste) war bereits ausgerufen, als der Wetterdienst Niederschläge mit 100 bis 140 Liter pro Quadratmeter/Tag angekündigt hatte. Die Wetterfront sei dann aber doch südöstlich über die Höhen des Jura gezogen und habe an der Donau furchtbare Schäden angerichtet.

Viele Menschen vergessen vor allem lokale Ereignisse sehr schnell, weiß Fitzthum, und auch der Konstrukteur der Schwabacher Brücke, Diplom-Ingenieur Harald Walz aus Neuler in Baden-Württemberg, wurde schon mit Hochwasserereignissen konfrontiert, die er sich nie hätte vorstellen können. Wenn eine Brücke aus der Verankerung gerissen wird und neu gebaut werden müsse, dann ist das bestimmt nicht billiger, als gleich das Richtige zu tun, sind sich Fitzthum und Walz einig.

Herausforderung

Für Walz, spezialisiert auf Hochwasserschutz und Spezialstahl-Wasserbau, war die Schwabacher Hubbrücke mit rund zehn Meter Länge und 2,50 Meter Breite „eine echte Herausforderung“. Eineinhalb Jahre habe er geplant, 14 Mal die Pläne für das zehn Tonnen schwere Ungetüm „umgemalt“. „Das Projekt war nicht einfach“, sagt Walz. Mal stagnierte es, weil die Naturschützer eine Eiche erhalten wollten, dann war Wahlkampf und wieder eine Pause angesagt. Jetzt ist der Diplom-Ingenieur stolz auf sein Werk. Ob es funktioniert, hat er in dieser Woche ausprobiert. Da musste beim Anheben (bis zu 2,8 Meter) schon mal der Testlauf unterbrochen werden, um am Geländer mit der Flex ein Hindernis zu beseitigen. Und gelöst werden muss wohl auch noch, was passiert, wenn im Falle eines Unwetters der Strom ausfällt.

50 Prozent Zuschuss hat die Stadt für das Projekt Fußgängerbrücke über die Schwabach von der Regierung von Mittelfranken erhalten, sagt Marion Pufahl von der Pressestelle der Stadt. Einmal pro Jahr soll die Anlage überprüft werden. Kostenpunkt: zirka 3000 Euro. Wer sie bei Bedarf bedienen wird, ist noch nicht geklärt. Bauhof, Bereitschaftsdienst der Stadtwerke oder Technisches Hilfswerk? „Da sind wir noch im Findungsprozess“, heißt es aus dem Bauamt.

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