Katzwanger Sebastian Körber ist der erste Fixie-Weltmeister

10.6.2015, 09:18 Uhr

© Manfred Marr

250 unerschrockene Teilnehmer aus ganz Europa und den USA waren bei der „Fixed42 World Championship“ – einer Straßen-Radweltmeisterschaft auf Bahn-Rennmaschinen mit starrem Gang, ohne Schaltung und ohne Bremsen –  am Start.

Im mitreißenden Sprint einer 20 Fahrer starken Spitzengruppe holte sich der schnelle Allrounder Sebastian Körber mit fast zwei Radlängen Vorsprung souverän den ersten WM-Titel vor dem Franzosen Tim Caresa und dem Berliner Justin Rudolph.

Strahlender schneller Katzwanger

„Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 47km/h war das heute ein sehr schnelles und auch sehr hektisches Rennen“, erklärte der erste „Fixie-Weltmeister“ strahlend bei der Siegerehrung.

„ Ride hard or go home“ (Gib alles oder geh’ nach Hause) steht auf der schwarz-grünen Rennmütze, die Sebastian Körber trägt. Ein cooler Spruch, der sehr gut zu dem aus den USA kommenden nicht ungefährlichen Radsport-Trend passt. Erste „Fixed-Gear-Races“, wie man diese Rennen in den USA nennt, wurden dort vor rund 15 Jahren von Fahrradkurieren und verrückten Radsport-Punks ausgetragen.

Spitzen-Allrounder

Seit zwei Jahren gibt es auch in Europa immer mehr dieser Rennen, an denen sich neben begeisterten Hobby-Freaks auch viele aktive und ehemalige Lizenz-Amateure, selbst Profifahrer beteiligen. „Das hat mich schon länger gereizt, auch das einmal zu probieren“, sagt Sebastian Körber, der seit vielen Jahren als Steher, Cross-, Bahn- und Straßenfahrer zur bayerischen Spitzenklasse zählt.

Aber: „Erstmals in meiner langen Radsport-Karriere hatte ich bei diesen sehr ungewöhnlichen Straßenrennen richtig Angst“, gesteht Sebastian Körber, und seine Angst war nicht unbegründet. Mehr als einmal schrammte er bei hohem Tempo nur äußerst knapp an einem Sturz vorbei.

Bremsen mit Kraft und Gefühl

„Wenn man in einem großen Teilnehmer-Feld mit starrem Gang und ohne Bremsen fährt, wird jeder Kilometer zum Nervenkitzel. Um zu bremsen muss man mit beiden Beinen mit viel Kraft und zugleich auch mit viel Gefühl kontern. Dabei gab es jede Menge heikle Situationen und natürlich auch zahlreiche Stürze“, erzählt der 30-jährige Allrounder, den seine langjährige Routine als Bahnfahrer sehr zu Gute kam.

Auch sein taktisches Konzept ging perfekt auf. „Als ich die große Zahl der Starter sah, war mir klar, dass ich mich nur ganz weit vorne im Feld einigermaßen sicher fühlen konnte.“ Bereits nach wenigen Minuten kam auf die vielen Teilnehmer die erste heikle Situation zu, als das riesige Feld auf eine dreispurige Bundesstraße einbiegen musste. „Ich hatte es ohne Sturz geschafft, da ziemlich weit vorne mit dabei zu sein, während es weiter hinten immer wieder mal krachte“, erzählt Körber, der sich vor dem Rennen die Strecke genauer ansah. „Dabei stellte ich fest, dass auf der 1000 Meter langen Zielgeraden in der „Straße des 17. Juni“ starker Rückenwind herrschte. Kurz vor dem vor dem Start habe ich deshalb doch noch eine größere Scheibe aufgelegt“, erzählt der pfiffige Katzwanger, dem bei der Wahl der richtigen Übersetzung seine langjährige Erfahrung bei Bahn- und Steherrennen zugute kam.

Wind(schatten) und Taktik

„Um ein Straßenrennen ohne Schaltung optimal zu fahren, muss man ein gutes Gefühl für die Strecke und die Windverhältnisse haben“, sagt Sebastian Körber, der bis zum rasanten Finale taktisch sehr clever fuhr. Erst auf den letzten 100 Metern kam er aus dem Windschatten seiner Rivalen, um dann unaufhaltsam zuzuschlagen.

Neben dem speziellen weißen „Weltmeistertrikot-Trikot“ erhielt Sebastian Körber als Sieger-Preis einen superleichten Rennrahmen. Der wurde von der bekannten Designerin Anna T. Iron handbemalt und ist eigentlich viel zu schade um ihn bei Rennen zu benützen. Das wertvolle Unikat wird deshalb im Heim des vielseitigen Katzwanger Radsportlers einen Ehrenplatz bekommen.

Seinen zahlreichen Fans verspricht Sebastian Körber, dass er trotz seines WM-Sieges im Trikot des AAN-Racingteams für den RC Wendelstein  weiterhin normale Rennen fahren wird. „Vor allem bei der Deutschen Derny-Meisterschaft, die am 8. August am Reichelsdorfer Keller stattfindet, möchte ich gut abschneiden.“

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www.rad-race.com/berlin

www.garmin-velothon-berlin.de

 

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