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Leonhard F. Seidl wird Turmschreiber in Abenberg

Fürther Autor tritt 2020 die Nachfolge von Tanja Kinkel an - 25.07.2019 15:00 Uhr

Gerd Scherm (li., Turmschreiber 2007) und Reinhard Knodt (re., Turmschreiber 2004) haben sich für Leonhard F. Seidl (Mi.) als ihren Nach-Nachfolger ausgesprochen. Der Fürther wird im Frühjahr 2020 für einige Wochen in den uralten Stadtmauer-Turm (im Hintergrund) ziehen und dort ein Buch schreiben. © Foto: Robert Gerner


Genaugenommen, so erinnert sich Reinhard Knodt, war es eine "Schnapsidee". Besser gesagt: eine Weinidee. 2003 standen der Schriftsteller Knodt und der damalige Kultur- und Fremdenverkehrschef des Landkreises Roth, Reinhard Wechsler, bei einem Gläschen zusammen. Beide waren Jury-Mitglied bei der Verleihung des Elisabeth-Engelhardt-Literaturpreises. "Da haben wir halt ein bisschen herumgesponnen", sagt Knodt. Und am Ende stand die Idee des Abenberger Turmschreibers.

Knodt selbst war 2004 der Erste, der in die Rolle schlüpfte. Für einen Monat zog er in den Abenberger Stadtmauerturm, beobachtete Land und Leute und schrieb – in Buchform – einen "Brief an den Turmschreiber". Nicht an sich selbst, sondern an seine seinerzeit noch fiktiven Nachfolger. Die kamen zunächst im Drei-Jahres-Rhythmus: Gerd Scherm (2004), Käpt’n Blaubär-Schöpfer Bernhard Lassahn (2010) und Klaus Gasseleder (2013). Dann nahmen der Landkreis Roth und die Stadt Abenberg einen etwas längeren Anlauf, um die erste Turmschreiberin in die Burgstadt zu locken. Tanja Kinkels "Stimmen aus Abenberg", so der Titel ihres Buches, waren erst 2018 zu vernehmen. Dafür dauert es nicht mehr allzu lange, bis der nächste Turmschreiber sein Lager in Abenberg aufschlägt. Der Fürther Leonhard F. Seidl ist auserkoren, die Reihe im Jahr 2020 fortzusetzen.

Große Ideen

Für Seidl ist das "eine große Ehre und eine besondere Form der Wertschätzung", sagte er bei seinem ersten Besuch. Wann er genau seinen Dienst antritt, steht noch nicht fest. "Voraussichtlich im Mai", so Seidl. Was ihn erwartet? Nun, ein besonderer Menschenschlag mögen die Abenberger schon sein. "Aber nicht engstirnig, sondern weltoffen und tolerant", wie Bürgermeister Werner Bäuerlein im Gespräch mit Seidl betonte.

Seidl wird das selbst erfahren, und zwar buchstäblich. "Ich werde mein Fahrrad mitbringen", kündigte er an. Sein Fahrrad und eine Fülle von Ideen. Seitdem er seinen Krimi-Beststeller "Fronten" (2017) auch als Theaterstück auf die Bühne gebracht hat, eröffnen sich für ihn ganz neue Kulturwelten. Das Drehbuch für einen Tatort-Krimi, der in Abenberg spielt? Abenberg zum Zentrum der nordbayerischen Literaturszene machen? Keine Idee ist zu groß, um nicht gedacht zu werden.

Ein Stück bleibt

Seidls Vor-Vorgänger Reinhard Knodt und Gerd Scherm sind 2004 beziehungsweise 2007 nach vier Wochen zwar wieder nach Hause zurückgekehrt. Und doch ist ein Stück von ihnen in der Burgstadt geblieben. Scherm kommt mit seiner Frau regelmäßig zurück, um das Abenberger Kulturprogramm wie die Klosterserenaden zu genießen. Knodt erwägt sogar einen Umzug nach Abenberg. "Ich habe ein bisschen Geld geerbt. Das reicht nicht für ein großes Haus. Aber wenn ich für einen Zweitwohnsitz in zweiter Reihe etwas Kleines, Schnuckeliges fände..."

Leonhard F. Seidl ist in erster Linie als Autor von Kriminalromanen bekannt. Er veröffentlicht jedoch auch in internationalen Literaturzeitschriften und hat auch schon mal an einem Kindermusical mitgeschrieben. Der gebürtige Münchner, den es nach Franken verschlagen hat, ist der Bezirksvorsitzende des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller und auch ansonsten in etlichen Autorengruppen gut vernetzt. Er war schon zweimal bei der Schwabacher LesArt zu Gast, ist aber auch im Ausland ein gefragter Mann.

Als Turmschreiber ist er zwar verpflichtet, am Ende ein Buch abzuliefern. Doch Gerd Scherm, der Turmschreiber des Jahres 2007, glaubt nicht, dass der Druck eine Schreibblockade erzeugen wird. Im Gegenteil: "Du wirst in eine wahre Schöpfungslust geraten."

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