Montag, 18.01.2021

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Neuer Roman: Der Turmschreiber kann auch anders

Vier Wochen residierte der Fürther Schriftsteller Leonhard F. Seidl heuer in Abenberg. Er weilte jedoch auch im Mittelalterlichen Kriminalmuseum in Rothenburg und hat dort einen Roman geschrieben: "Der falsche Schah" - 21.12.2020 18:00 Uhr

Da hört für ihn der Spaß auf: Leonhard F. Seidl vor einer „Eisernen Jungfrau“ im „Mittelalterlichen Kriminalmuseum Rothenburg.

20.12.2020 © Foto: Peter Romir


Die Wahl der Jury fiel auf den Fürther Leonhard F. Seidl. Der ist auch im Landkreis Roth und in Schwabach kein Unbekannter: Auf Burg Abenberg fungierte er in diesem Jahr vier Wochen lang als Turmschreiber. Zudem leitete er lange Zeit eine Schreibwerkstatt beim sozialpsychatrischen Dienst in Schwabach.

Als Autor von vier Krimis (darunter "Mutterkorn" und "Fronten") schien er zudem wie geschaffen für den Folterkammer-Auftrag: "Aber ich bin nicht der Typ, der sich gern wiederholt", sagt er. "Deswegen wollte ich nicht einfach einen weiteren Krimi schreiben, sondern mich von der Stadt inspirieren lassen und etwas neues ausprobieren."

"Der falsche Schah"

Heraus kam "Der falsche Schah". Ein Schelmenroman basierend auf einer wahren Begebenheit: Im Sommer 1967 kommen der Schah von Persien und Kaiserin Fara Diba zu Besuch in die Tauberstadt. Der örtliche Schuldirektor Bartholomäus König, der dem Schah zum verwechseln ähnlich sieht, erkennt das als seine große Chance, die Bühne der Weltgeschichte zu betreten...

Klingt ein bisschen nach einem Heinz-Erhard-Schwank - aber Leonhard F. Seidl macht daraus eine groß angelegte Erzählung, die den Bogen aus der Zeit zwischen den Weltkriegen bis ins Heute spannt.

Mit Augenzwinkern

Dabei verarbeitet Seidl viele Geschichten, die er von den Rothenburgern gehört hat. Etwa, was sie dem Vegetarier Hitler bei seinem ersten Besuch in der Stadt zum Essen vorlegten. "Alles ist absolut wahr", beteuert Seidl mit einem merklichen Augenzwinkern.

Und selbst wenn an manchen Stellen dicker aufträgt, als die Wirklichkeit, so steckt doch sehr viel Recherche in seinem Buch: "Gleich am ersten Tag erzählte mir ein Friseur nicht nur vom Besuch des Schah, sondern auch von den Frisuren und der Arbeit in seinem Laden damals."

Da hört der Spaß auf

Und natürlich kommen auch das Kriminalmuseum und seine Folterwerkzeuge prominent in der Geschichte vor. Da wird der sonst sehr verspielte Stil deutlich zurückgefahren: "Als politisch engagierter Schriftsteller weiß ich natürlich, dass Folter kein Witz ist, sondern bittere Realität – deshalb war es mir sehr wichtig, hier den richtigen Ton zu treffen."

Gar nicht so einfach, das alles in den wenigen Wochen in Rothenburg zu schaffen: "Es war schon ein ziemlicher Marathon", meint Seidl. "Und es hat auch nur funktioniert, weil ich schon vier Romane geschrieben hatte und wusste, wie ich das Buch angehen muss."

Fortsetzung folgt

Und obwohl sein Schah-Roman auch recht kritisch mit den Rothenburgern ist – etwa bei ihrem Umgang mit der Nazi-Vergangenheit – kam das Buch dort gut an: "Der Leiter des Kriminalmuseums äußerte sich richtig begeistert über das Werk", freut sich Seidl. Deshalb soll das Literatur-Stipendium in den kommenden Jahren fortgesetzt und weitere Autoren eingeladen werden, die sich trauen im Schatten der Eisernen Jungfrau ihre Texte zu tippen.

INFO"Der falsche Schah" von Leonhard F. Seidl ist im "Volk"-Verlag erschienen. Das Buch hat 190 Seiten und kostet 13,90 €

PETER ROMIR

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