Dienstag, 24.11.2020

|

Rosen für die Rose: Deutsch-Türkin mit Medaille ausgezeichnet

Stadt Schwabach ehrt Aysegül Pirti mit Anna-Wolf-Medaille - Viel soziales Engagement - 20.05.2011 14:13 Uhr

Als erste ausländische Mitbürgerin hat die Stadt Schwabach Aysegül Pirti (Zweite von rechts) mit der Anna-Wolf-Medaille ausgezeichnet. Oberbürgermeister Matthias Thürauf hob ihr großes Engagement für die Integration hervor. Aysegül Pirti dankte ihrer Familie für die verlässliche Unterstützung (von links): Ehemann Mustafa Pirti, Schwiegersohn Dieter, Tochter Asli, Schwiegertochter Sabrina und ihr Sohn Murat.

19.05.2011 © Schmitt


Vorgeschlagen worden war die 59-Jährige von Gabi Beyers, ehrenamtliche Geschäftsführerin des Integrationsbeirats, und von Johanna Zerer, der früheren Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Schwabach.

Integrationsbeirat, Frauenkommission, Internationales Frauencafé: In den Schwabacher Gremien, in denen es um Arbeit für Frauenrechte und bessere Eingliederung von Ausländern geht, ist Aysegül Pirti schon immer zu Hause. Überall hat sie sich mit ihrer offenen, fröhlichen, und verlässlichen Art viele Freunde gemacht.

„Wir sind stolz auf dich“, sagte Rezarta Reimann, Pirtis Stellvertreterin im Amt der Vorsitzenden des Integrationsbeirats. „Schwabach hat dich heute wie eine Mutter in den Arm genommen“, fand Reimann. Von Seiten des türkischen Generalkonsulats in Nürnberg verfolgte Sozialattaché Dr. Kemal Ramoglu die Zeremonie: „Wir freuen uns als Türken sehr über die große Ehre für Frau Pirti.“

„Hochverdiente Auszeichnung“

Für Oberbürgermeister Matthias Thürauf stellt Aysegül Pirti seit vielen Jahren nicht nur ihre Kraft in hohem Maß ehrenamtlich für Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund zur Verfügung. Sie tut das auch mit ihrer „interkulturellen Kompetenz“, wie Thürauf sagte, machte diesen sperrigen Begriff aber sofort für alle wunderbar zugänglich, indem er ihn als „Einfühlungsvermögen auf beiden Seiten“ beschrieb.

Pirti kümmert sich um interkulturelle Begegnungen ebenso wie um Sprachförderung für Kinder, Computerkurse für Frauen und Ausbildungsplätze für Jugendliche. Thürauf bedankte sich für „Ihre herausragenden Leistungen“ und sprach von einer „hochverdienten Auszeichnung“.

„Die in Harmonie und Ruhe lebende Rose“: Ursula Kaiser-Biburger, Vorsitzende der Frauenkommission, hatte die Bedeutung von Pirtis Vornamen Aysegül, kurz Ayse, nachgeschlagen. „Du lebst diesen Namen mit Wissen, Charme und weiblicher Intuition. Du erfreust uns wie sie, deshalb: Bleib unsere Rose“, wandte sich die Stadtheimatpflegerin an Pirti.

Dialog der Religionen

Rosen für die Rose. Unter diesem Motto würdigten die Kolleginnen und Kollegen aus dem Integrationsbeirat die Leistung ihrer Vorsitzenden. „Danke Ayse!“ Neun Buchstaben, ein Satzzeichen auf Zetteln in den Händen von zehn Mitgliedern des Beirats.

Aysegül Pirti ist gläubige Muslimin. Als solche setzt sie sich für den Dialog der Religionen ein. Rosemarie Meinhold, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen, ist dabei eine wichtige Gesprächspartnerin. Seit 1999 treffen sich Christen und Muslime in Schwabach einmal im Jahr zum Meinungsaustausch. „Du hast diese Begegnungen sehr gefördert“, sagte Meinhold, „gerade wegen der Verankerung in deinem Glauben.“

Doris Bohle zeigte sich von Pirtis Engagement sehr beeindruckt. „Diese Arbeit hat gesellschaftlich und politisch einen ganz wichtigen Aspekt“, war die Vertreterin des Internationalen Frauencafés überzeugt.

Gerührt und stolz

In ihrer kurzen Dankesrede zeigte sich Ayse Pirti gerührt und „sehr stolz“ zugleich. Sie dankte ihrer Familie, insbesondere ihrem Mann Mustafa, für die langjährige und verlässliche Unterstützung ihrer ehrenamtlichen Arbeit.

Ebensowenig vergaß sie, ihrem Arbeitgeber Peter Schmidthammer und ihrem Meister Hermann Zeh für das Verständnis zu danken, wenn sie wegen wichtiger Termine oft um Urlaub nachsuchen musste. Seit 23 Jahren arbeitet Aysegül Pirti in der Firma Schmidthammer Vollzeit als Löterin.

Zum Erinnerungsfoto holte sie neben Sohn und Tochter samt deutschen Ehepartnern auch ihre Enkel ins Bild. Denise ist fünf Jahre als, Lars sieben Monate. „Die vierte Generation“, betonte Pirti. Schließlich war ihr Vater bereits Anfang der 60er Jahre nach Deutschland gekommen. Sie folgte 1971 als 19-Jährige. Ein Jahr später lernte sie hier ihren Mann kennen. „Zwischen Schwabach und Nürnberg“, wie sie sich erinnerte. Klingt ja auch fast wie ein Liebesroman: „Mustafa und seine Rose.“

 

ROBERT SCHMITT

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Schwabach