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„Savoir-vivre“ für Anfänger

Ein kulturwissenschaftlicher Schnellkurs zum Les-Sables-Jubiläum - 25.07.2015 08:56 Uhr

Schwabacher Herzlichkeit beeindruckt Gäste aus Les Sables.

Natürlich wollen wir, dass die Stimmung auch beim Bürgerfest so bleibt. Schließlich sollen sich die Freunde aus Les Sables zum 40-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft besonders wohlfühlen.

Wie aber sich richtig verhalten? Schließlich macht nicht jeder jedes Jahr im Nachbarland Urlaub. Und es soll sogar Leute geben, die kein Französisch sprechen und so gut wie keine Ahnung von französischer Lebensart haben. Leute wie mich.

Aber: Ich habe mich eingelesen. Und will mein neues Wissen gerne weitergeben. Deshalb: ein Schnellkurs in wenigen Zeilen. Ein kurzes kulturwissenschaftliches Update: „Savoir-vivre“ für Anfänger.

Tipp Nummer eins:

„Will man ihren Respekt und ihre Zuneigung erwerben, sollte man in der Lage sein, das Französische in Grammatik und Aussprache möglichst korrekt zu sprechen“, schreibt Dietrich Schwanitz in seinem Klassiker „Bildung — Alles, was man wissen muss“. Jede Art von sprachlicher Verballhornung werde als Angriff auf das heiligste Gut der Nation gewertet.

Das kann ja heiter werden. Hoffentlich verrät keiner, dass der Poujolsberg bei der Franzosenkirche in Schwabach schlicht „Buschlersberch“ heißt. Und Les Sables gerne in Les Sabell umbenannt wird. Da ist eine ganze Generation mit Mirä Matjö und Lui de Füness groß geworden, und das kommt dabei raus. Gar nicht trä bjä.

Tipp Nummer zwei:

„Vergiss nie die Anrede bei Begrüßungen, Entschuldigungen, Verabschiedungen und allen sozialen Formeln.“

Boschur alleine genügt nicht. Es muss immer noch ein Madamm oder Madmosell oder auch ein Misjö angefügt werden. Kein Wunder, dass das Wort Etikette aus dem Französischen stammt.

Bei den Franzosen weht in puncto Etikette ein anderer Wind.

25.02.2015 ©  Caroline Blumberg (dpa)


Unerlässlich sind auch die kleinen sprachlichen Gesten: Wenn man nicht gerade um etwas bittet, dann hat man genug Zeit, sich — egal wofür — zu entschuldigen oder — je nach Situation — zu bedanken.

Deshalb: silvuplä, exküsemua, merrsi. Man rattert das am besten wie „Hund, Katze, Maus“ herunter. So liegt man immer richtig.

Tipp Nummer drei:

„Was bei uns übertrieben klingen würde, ist in Frankreich normal. Theatralik gilt bei uns als Verfälschung, in Frankreich als Verbeugung vor dem Adressaten.“

Also, Leute: keine Panik bei Pathos. Die wollen uns nicht veralbern. Die wollen nur nett sein. Dafür sollten wir uns mit höflicher Liebenswürdigkeit revanchieren. Zum Glück ist das für uns Franken eine leichte Übung. Bei unserer eleganten Galanterie. Mit unserem weltläufigen Esbrie. Und unserem legendären Scharm.

GÜNTHER WILHELM

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