Sonntag, 05.04.2020

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Schwabach: Demo auf zwei Rädern

Bund Naturschutz und Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club hatten aufgerufen - 02.03.2020 09:30 Uhr

Demonstrierend durch Schwabachs Straßen: Die Radfahrer erwarten, dass der künftige Stadtrat nicht nur von einem Radwegekonzept redet, sondern dies auch konkret umsetzt. © Foto: Arno Heider


Der Weg der Rad-Klima-Demo führte in Begleitung durch drei Polizeifahrzeuge und einen Fahrer der Motorradstaffel über die Südliche Ringstraße, Limbacher Straße, Flurstraße, Penzendorfer Straße, Klinggraben, Angerstraße und Lindenstraße zum Martin-Luther-Platz, wo Bürgermeister Dr. Roland Oeser davon berichtete, dass ausgebremste Autofahrer zwischen "verbissen dreinschauend bis rauswinkend" auf die Demonstranten reagiert hätten.

Als Stadtrats-Pfleger für den Fahrradverkehr und Öffentlichen Personennahverkehr betonte Martin Sauer, dass ein wahrhaftiges Umsteuern in der Mobilitätspolitik nötig sei. Vor allem aus Gründen des Klimaschutzes, sagte Sauer, denn ein Fünftel der CO2-Emissionen stammten aus dem Verkehr. Der SPD-Stadtrat machte darauf aufmerksam, dass Schwabach bei der Zahl der pro Kopf zugelassenen Kraftfahrzeuge (über 30 600 Autos bei rund 42 000 Einwohnern) Spitzenreiter in Mittelfranken sei. Er stellte infrage, ob es wirklich nötig sei, ein Zweit- oder Drittfahrzeug anzumelden.

Die Verkehrsmittelwahl habe sich in den zurückliegenden Jahren kaum verändert, bedauerte der Sprecher. Ihm war aber bewusst, dass ein Verkehrsmittel nicht die Lösung sein werde. Da der öffentliche Raum begrenzt sei, müsse dieser den Fußgängern und Radfahrern, dem Busverkehr, dem städtischen Grün und dem verbleibenden Pkw- und Lkw-Verkehr gleichberechtigt zur Verfügung stehen. Das bedeute, dass gerade der motorisierte Verkehr entschleunigt werden müsse, dass aber auch Radler und Fußgänger Rücksicht zu nehmen hätten.

 

"Alle müssen umdenken"

 

"Das bisherige Menschenrecht, dass jeder einen Parkplatz vor der Haustüre hat, wird nicht mehr durchsetzbar sein", meinte Martin Sauer: "Wir alle müssen umdenken." Er wünschte sich deshalb eine Oberbürgermeisterin oder einen Oberbürgermeister, der oder die dem Fuß-, Rad- und Busverkehr zu ihrem oder seinem Herzensanliegen macht. Er wünschte sich aber auch eine Bevölkerung, die den Weg einer menschenfreundlichen, klimaschonenden und entspannten Verkehrspolitik mitgestaltet und mitgeht.

"Wir haben viele Konzepte und auch ein Radwegekonzept für die Stadt", sagte Sauer, hielt kurz inne und appellierte dann an den künftigen Stadtrat: "Setzt es halt bitte durch."

Peter Zajdler vom ADFC wünschte sich eine Wiederholung der Fahrrad-Demo, denn "wir müssen uns immer wieder sichtbar machen, wollen wir unsere Ideen rüberbringen". Zajdler war klar, dass die Umsetzung neuer Mobilitätskonzepte nicht per eineinhalb Planstellen bei der Verwaltung zu bewältigen sei und forderte eine Aufstockung des Personals. Bürgermeister Roland Oeser, der für Oberbürgermeister Matthias Thürauf ein Grußwort sprach, erinnerte daran, dass auch die Stadt Schwabach dem Klimaschutz verpflichtet sei. Manchmal brauche die Stadt aber "den Druck der Bürgerschaft", meinte Oeser, ein überzeugter Radlfahrer. Schon vor der Demo forderte er für eine Mobilitätswende einen konkreten Fahrplan.

Wenn der nicht ausreiche, sollte man laut Oeser wie in Erlangen und Nürnberg über einen Radentscheid nachdenken.

ARNO HEIDER

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