Sonntag, 17.11.2019

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Schwabacher Frauenhaus weiter voll ausgelastet

Andrea Hopperdietzel und Johanna Zerer legten Bericht 2018 vor - 19.03.2019 05:58 Uhr

„Women in the dark“: Frauen, die häusliche Gewalt erleben, sollen nicht länger im Dunkeln sein, sondern eine Stimme bekommen. Bei einem Projekttag haben ehemalige Bewohnerinnen des Frauenhauses weiße Blusen mit rotem Stift beschriftet und ihre Gedanken, Ängste, Gefühle, Hoffnungen und Träume zum Ausdruck gebracht. © Foto: Frauenhaus


Die Belegung war erneut sehr hoch. Es wohnten 77 Frauen mit 89 Kindern im Frauenhaus. Mit 3350 Belegungstagen mit Frauen und 4887 mit Kindern lag die Auslastung bei den Frauen bei 92 und bei den Kindern sogar bei 134 Prozent. Das Frauenhaus hat zehn Plätze für Frauen und offiziell weitere zehn für Kinder.

Das Frauenhaus ist ein kinderfreundliches Haus und verfügt über fünf Zimmer mit eigenem Kinderzimmer, einen großen Garten und ein Spielzimmer. Die Zimmer sind mit Unterfahrbetten und teilweise mit Stockbetten ausgestattet.

Froh über große Zimmer

"2018 waren wir froh, dass wir unterschiedlich große Zimmer haben und diese großzügig mit Betten ausgestattet sind. Es wohnten 89 Kinder an 4887 Belegungstagen im Haus", so das Frauenhaus-Team.

2018 hat sich von den Vorjahren abgehoben. Über die Jahre zeigte sich, dass der Rückgang der Anzahl der Bewohnerinnen mit einer längeren durchschnittlichen Wohndauer einherging.

2018 war das anders: Länger als drei Monate wohnten nur 16 Prozent im Frauenhaus. Zum Vergleich: 2017 waren es noch 32 Prozent. 2018 wohnten viele Frauen relativ kurz im Haus und zwar 42 Prozent der Frauen weniger als einem Monat. (2017: 43, 2016: 54 und 2015: 52 Prozent).

Hilfe für Kinder

"Bisher war der Kinderbereich sehr knapp mit Personal ausgestattet. Wir freuen uns, dass wir zum 1. Juli 2018 um zehn Stunden wöchentlich aufstocken konnten. Dies wurde durch geänderte Richtlinien des Sozialministeriums möglich und gefördert", heißt es in dem Bericht. Mit nun 1,25 Personalstellen werden die Schulkinder bei den Hausaufgaben unterstützt. Den Müttern wird bei den Schulummeldungen und bei Erziehungsfragen mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Den Kindern wird durch Freizeitangebote, Gruppenarbeit und Einzelgespräche geholfen, das Erlebte zu verarbeiten.

Neu im Team ist Beate Hauck. Sie übernahm ab Januar an drei Abenden die Hausaufgabenbetreuung, Freizeitangebote für die größeren Kinder und den Abendausklang mit Müttern und Kindern.

Neustart ohne Gewalt

Eine besondere Veranstaltung zur Verarbeitung der Gewalt fand im Herbst 2018 statt. Ehemalige Bewohnerinnen nahmen an dem Kunstprojekt "Women in the dark" teil und konnten ihr Leid, ihre Erlebnisse, ihre Lebenskraft und ihren Mut ausdrücken. "In bewundernswerter Weise beschrifteten ehemalige Bewohnerinnen weiße Blusen, schrieben sich ihre Angst von der Seele oder zeigten sich mutig und voller Energie auf ihrem Weg in ein gewaltfreies, selbstbestimmtes Leben", schreiben Zerer und Hopperdietzel.

56 Frauen (73 Prozent) der Frauen hatten einen Migrationshintergrund. Dieser Anteil liegt über dem bundesweiten Durchschnitt von 68 Prozent. Die staatlich geförderte Möglichkeit, Dolmetscherinnen einzuschalten, hat sich als sehr hilfreich herausgestellt.

Dolmetscher am Telefon

"Bei Bedarf bitten wir, bei den meisten Beratungen im Frauenhaus, Dolmetscherinnen persönlich zum Übersetzen zu kommen. Für schnell benötigte Übersetzungen, beispielsweise bei der Aufnahme, oder in der telefonischen Beratung der Interventionsstelle, nutzen wir telefonische Dolmetscherdienste", erklärt Andrea Hopperdietzel.

2018 kamen 48 Prozent der Frauen (37) aus den beteiligten Landkreisen Roth, Nürnberger Land, Weißenburg-Gunzenhausen und der Stadt Schwabach.

Aus den Nachbarstädten Nürnberg, Fürth, Ansbach und den Landkreisen Fürth und Ansbach kamen 19 Frauen (25 Prozent). Aus weiteren Gebieten Bayerns kamen 10 Frauen (13), von außerhalb Bayerns 11 Frauen (14 Prozent).

st

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