Ausstellung und Vortrag:

Seltene Bilder in Schwabach: Unverstellter Blick auf die Uiguren

16.5.2021, 06:04 Uhr
Keine Idylle, aber auch keine Elends-Fotografie: Die Bilder, die Laurence Grangien aus der chinesischen Provinz Xinjiang mitgebracht hat, zeigen die Uiguren in ihrem Alltag – wie dieses zwischen schmuckvoller Möblierung und Verfall lernende Kind.

Keine Idylle, aber auch keine Elends-Fotografie: Die Bilder, die Laurence Grangien aus der chinesischen Provinz Xinjiang mitgebracht hat, zeigen die Uiguren in ihrem Alltag – wie dieses zwischen schmuckvoller Möblierung und Verfall lernende Kind. © Foto: Laurence Grangien

Heute wäre eine solche Reise, wie sie die Nürnberger Fotografin Laurence Grangien im Jahr 2017 nach China unternommen hat, sicher nicht mehr möglich. Damals war die 58-jährige Französin, die aus Schwabachs Partnerstadt Les Sables d’Olonne stammt und einige Zeit auch in der Goldschlägerstadt gelebt hat, einfach auf eigene Faust losgezogen.

Von Peking aus fuhr sie mit dem Zug in das 4000 Kilometer entfernte Kashgar in der Provinz Xinjiang, der Heimat der turkstämmigen, muslimischen Uiguren. Sie kam zurück mit faszinierenden Fotos, die den Alltag dieser schwer unter Druck geratenen Minderheit zeigen, ihr Leben und ihre reiche Kultur.


China: Hunderttausende Uiguren in Internierungslagern


Kashgar war einst Teil der historischen Seidenstraße. Der damalige Reichtum ist allerdings längst vergangen, in der Region herrscht bittere Armut. Die Regierung in Peking wiederum verspricht, dass die Einbindung in die "Neue Seidenstraße" neuen Wohlstand bringen soll. Doch das ist nicht die ganze Geschichte.

Eine Million in Lagern

Grangien blieb bei ihrer Reise weitgehend unbehelligt, auch wenn sie natürlich nicht die Internierungslager fotografieren konnte, in denen nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International mindestens eine Million Uiguren festgehalten werden. Heute wäre so eine Reise unbegleitet für westliche Journalisten undenkbar.

Uigurische Händler - Teil einer alten, traditionsreichen Gemeinschaft, die unterzugehen droht.

Uigurische Händler - Teil einer alten, traditionsreichen Gemeinschaft, die unterzugehen droht. © Laurence Grangien

Eine 40-köpfige Journalistengruppe, die 2019 dorthin reisen durfte, wurde auf Schritt und Tritt bewacht und konnte nicht eigenständig recherchieren. Am Rand von Kashgar durften sie zwar auch das riesige Lager besuchen, das nach offizieller Darstellung ein "Berufs- und Weiterbildungszentrum" ist. Aber, schrieb damals die Neue Züricher Zeitung: "Freiwillig ist niemand hier."

"Krisengebiete haben mich schon immer angezogen", sagt Laurence Grangien. Ihr Broterwerb ist eigentlich die Schneiderei. Doch seit vielen Jahren reist sie immer dorthin, wo Armut herrscht. So war sie in Flüchtlingslagern in Syrien, bei den gegen den "Islamischen Staat" kämpfenden Kurden im Nordirak, in Elendsvierteln in Nepal oder Indien, in Äthiopien – oder eben bei den Uiguren in China. "Ich bin immer auf der Seite der Schwachen und der Schwächsten der Gesellschaft", sagt sie.

Zeugen einer reichen Kultur

Auf den Fotos, die Grangien in der Uiguren-Provinz machen konnte, ist auch der Abglanz der Vergangenheit zu sehen. Ein palastähnliches buddhistisches Grab etwa, zu Füßen der "Flammenden Berge", Teil der Tausend-Buddha-Höhlen. Fotografiert hat Grangien aber auch viele traditionelle Gebäude in der historischen Altstadt von Kashgar, von denen viele nun durch Abriss bedroht sind.

In China leben schätzungsweise zehn Millionen Uiguren, die meisten davon in der Region Xinjiang.

In China leben schätzungsweise zehn Millionen Uiguren, die meisten davon in der Region Xinjiang. © AFP

Kritiker werfen der Regierung vor, hier werde gezielt eine ganze Kultur ausgelöscht. Bei einer der wichtigsten Pilgerstätten der Uiguren, dem Mausoleum von Imam Asim Mazar in der Takamaklan-Wüste, ist das bereits geschehen. Die Gedenkstätte wurde inzwischen dem Erdboden gleichgemacht.

"Ich wollte schon so viele Jahre an die Stätten der Alten Seidenstraße reisen", sagt Laurence Grangien. Dass dort nun traditionelle uigurische Kultur bedroht ist, macht sie traurig. Um so wichtiger ist es ihr, dass sie die inzwischen zerstörte Pilgerstätte noch dokumentieren konnte.


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Volkshochschule startet durch:

Erstmals wieder Präsenz-Vorträge

Zur Eröffnung der Ausstellung „Von Peking ins Land der Uiguren“ am Donnerstag, 20 Mai, in der Schwabacher Stadtbibliothek gibt es auch einen Vortrag im Zuge des Programmstarts der Volkshochschule (VHS). Über die Frage „Wachwechsel – Ist China die neue Weltmacht Nr. 1?“ spricht dort ab 19.30 Uhr der langjährige Außenpolitik-Redakteur der Nürnberger Nachrichten, Georg Escher.

Bereits am Dienstag, 18. Mai, startet die VHS mit zwei weiteren Vorträgen in die ersten Präsenz-Veranstaltungen nach der langen Corona-Auszeit: Ab 19 Uhr geht es im VHS-Medienraum um „Datenschutz für Privatpersonen“. Um 19.30 Uhr erwarten die Besucher in der Franzosenkirche „Erinnerungen an die Hugenotten in Schwabach“. Zu allen Veranstaltungen ist eine Anmeldung unter Telefon (09122) 860204 oder E-Mail an die Adresse vhs@schwabach.de nötig. Mehr unter www.vhs. schwabach.de.

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