Sportlerin des Jahres: Diese Kandidatinnen sind nominiert

6.1.2016, 10:23 Uhr
Verena Schmids Trainingsfleiß hat ihr unter anderem EM-Bronze beschert.

Verena Schmids Trainingsfleiß hat ihr unter anderem EM-Bronze beschert. © oh

Vier Nominierte, aber nur ein Sieger. Wie heißen die „Sportler des Jahres 2015“ im Landkreis Roth? Die Kandidaten haben die Sportredakteure der Heimatzeitungen ausgesucht. Die Wahl treffen aber jene 750 Sportlerinnen und Sportler, die bei der Sportlerehrung am 15. Januar selbst ausgezeichnet werden. Höhepunkt bei dieser Traditionsveranstaltung ist die Bekanntgabe der Sportler/ Sportlerin und der Mannschaften des Jahres.

Irgendwie cool

Wer das derzeit größte Schützentalent, das der Landkreis Roth zu bieten hat, kennenlernen möchte, der muss ganz weit in den Süden fahren. Verena Schmid wohnt im Gredinger Ortsteil Schutzendorf und schießt für den Schützenverein Höbing in der Bayernliga. Darüber hinaus gehört die angehende technische Modellbauerin dem Bayernkader und der Nationalmannschaft der Juniorinnen B an. Für Deutschland durfte sie im Vorjahr erstmals bei einer Europameisterschaft ran. „Das war cool“, sagt die 17-Jährige. Die Schützinnen an den Ständen, dahinter eine große Tribüne, elektronische Ergebnisüberwachung, jeder weiß zu jeder Zeit, wie er im Wettkampf liegt. „Der totale Nervenkitzel“ sei das gewesen, und, ja, auch das: „total cool. Deshalb wirst du Sportschützin“, sagt Schmid.

Dass sie aus den Niederlanden mit einer Bronzemedaille in der Mixed-Mannschaft nach Hause zurückgekehrt ist, hat wesentlich dazu beigetragen, dass sie erneut eine der Kandidatinnen für die „Sportlerin des Jahres“ ist. Schon in den vergangenen beiden Jahren war das Ausnahmetalent nominiert und landete auf den Plätzen zwei und drei. Ist die Zeit also reif für die „gläserne Eins“? „I würd’ mi sakrisch g’freia“, sagt Verena Schmid in unverkennbar oberbayerisch eingefärbtem Gredinger Slang. Aber Schützen haben in anderen Sportarten nicht die ganz große Lobby. „Außerdem kommt die Mehrzahl der Stimmberechtigten bei der Sportler-des-Jahres-Wahl – also all die über 700 Männer und Frauen, die am Freitag, 15. Januar, selbst ausgezeichnet werden – aus dem nördlichen Bereich des Landkreises. „Und für die ist Höbing oder Schutzendorf natürlich weit weg.“

In der Favoritenrolle sieht sich die 17-Jährige also eher nicht, und auch ihre drei Konkurrentinnen Theresa Wild (Triathlon) Rhona Schmidt (Leichtathletik) und Milena Slupina (Kunstradfahren) seien ja nicht von Pappe. „Wenn du vorn dabei sein willst, dann reicht einmal Training pro Woche nicht.“

Der Satz gilt auch für Schützin Verena Schmid. „Montags gehört mir“, sagt sie. Alle anderen Tage sind am Abend für ihren Sport reserviert. Dienstags, mittwochs und donnerstags Training, am Wochenende Wettkämpfe oder Kaderlehrgänge. Mit ihrem Kadertrainer Marco Müller (Katzwang) feilt sie schon an der Form für die Luftgewehr-EM, die 2016 in Ungarn stattfindet. Sie muss sich dafür im Januar erst noch in einem Ausscheidungskampf in Coburg qualifizieren.

Außerdem peilt sie in ihrem zweiten und letzten Jahr bei den Juniorinnen B erstmals die Qualifikation für die Kleinkaliber-EM an, die im Sommer in Tallin/Estland über die Bühne geht. „Da dabei zu sein“, sagt die Auszubildende, „wäre natürlich extrem cool“. Das Schießen mit der schwereren Kleinkaliberwaffe ist nach dem Luftgewehr die zweite Disziplin der ehrgeizigen Schutzendorferin. Das Training dafür ist aufwändiger, weil es einen Dreistellungskampf (stehend, knieend, liegend) gibt. Das kostet zusätzliche Stunden an den Ständen, doch mit dem richtigen Zeitmanagement sei das alles in den Griff zu bekommen. Dieses Zeitmanagement hat Verena Schmid: „Alles cool“, sagt sie. Soll heißen: Alles im Griff.

Rhona ist immer da

Der Trainer legt die Messlatte ganz schön hoch: Auf 15 Meter könnte Rhona Schmidt im nächsten Jahr schon kommen, glaubt Wolfgang Eberler. Das ist ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass die junge Kugelstoßerin von der LG Landkreis Roth (TSV Röttenbach) ihre Bestleistung in der Saison 2015 mit der Drei-Kilogramm-Kugel auf 13,41 Meter gesteigert hat. Über eineinhalb Meter müsste die 14-Jährige also binnen eines Jahres zulegen, doch die Realschülerin ist natürlich in einem Alter, wo solche Sprünge alleine aufgrund der körperlichen Entwicklung noch möglich erscheinen. Auch sie selbst ist optimistisch, dass sie es schafft: „Die 15 Meter sind drin.“

Erst die Kugel weit schleudern und dann den Weltmeister und Olympiasieger treffen. Rhona Schmidt mit David Storl beim Werfertag in Halle.

Erst die Kugel weit schleudern und dann den Weltmeister und Olympiasieger treffen. Rhona Schmidt mit David Storl beim Werfertag in Halle. © Ammer

Rhona Schmidt hat schon im Grundschulalter in der Röttenbacher Werferschmiede bei Wolfgang Eberler und Rudi Liebisch angeheuert. Zu einer Zeit, als sie selbst eine „furchtbar schlechte Werferin“ war. Heute bezeichnet Eberler seinen Schützling als das größte Kugelstoß-Talent seit Karin Wurm. Die zweifache Sportlerin des Jahres im Landkreis Roth (1997, 2001) steht mit 17,20 Meter, gestoßen am 16. Juni 2001 in Gotha, auf Platz zwölf der ewigen bayerischen Bestenliste. Seither hat keine bayerische Sportlerin eine größere Weite erzielt. Wurm, die längst ihre Karriere beendet hat, aber mit den Röttenbacher Werfern immer noch hin und wieder zum Trainingslager fährt, ist für Rhona Schmidt ein Vorbild. „Ich mag die Karin. Und ich orientiere mich schon an ihren Leistungen.“

Was die Realschülerin auszeichnet? „Wille, Ehrgeiz und absolute Zuverlässigkeit“, lobt ihr Trainer Eberler. Wenn sich die Röttenbacher Werfergruppe zum Training trifft, fehlt eine nie: Rhona Schmidt. Dabei ist das Kugelstoßtraining weniger eintönig als es auf den ersten Blick aussieht. Auf dem Übungsplan stehen viele Sprints und Koordinationsübungen. Im Sommer wird an der Exposivität im Ring gearbeitet, im Winter an der – von Rhona Schmidt weniger geliebten – Ausdauer.

Eine reine Kugelstoßerin ist die 14-Jährige übrigens nicht. Sie gilt auch im Speerwurf als außergewöhnliches Talent. 37,29 Meter weit hat sie das Wurfgerät schon geschleudert, ein Wurf jenseits der 40-Meter-Marke landete knapp außerhalb des Wurfsektors. 2016, so ist die ehrgeizige Schülerin überzeugt, könnte sie 45 Meter schaffen in ihrer „zweitliebsten Disziplin“.

Wolfgang Eberler glaubt, dass Rhona Schmidt für den Speerwurf sogar die besseren Voraussetzungen mitbringt. „Für das Kugelstoßen ist sie eigentlich etwas zu klein.“ „Stimmt, 1,60 Meter, um genau zu sein“, bestätigt Rhona Schmidt. Beim Speerwerfen spielt die Körpergröße eine nicht ganz so große Rolle.

Ihr ganz persönlicher Höhepunkt des Jahres 2015 war übrigens kein Wettkampf, sondern eine Begegnung. Erstmals durfte Rhona Schmidt beim traditionsreichen Werfertag in Halle starten. Und dort traf sie dann Olympiasieger und Weltmeister David Storl.

Ihre Freundinnen finden Rhonas Leben als Kugelstoßerin übrigens toll. Vor allem seit sie selbst einschätzen können, was 13,41 Meter bedeuten. Im Schulsport steht ja auch manchmal Kugelstoßen auf dem Programm. Bei manchen plumpst die Kugel schon nach zweieinhalb oder drei Metern in den Sand, die Zweitbesten hinter Rhona Schmidt kommen auf: knapp sechs Meter.

Der dritte Titel?

Zweimal, 2009 und 2013, durfte Milena Slupina schon über den ersten Platz bei der Landkreis-Sportlerwahl jubeln. In beiden Jahren hatte die Kunstfahrerin des TSV Bernlohe das absolute Optimum dessen erreicht: Beim ersten Mal, damals 14 Jahre alt, war sie Deutsche Schülermeisterin geworden, beim zweiten Mal, in ihrem letzten Juniorenjahr, hat sie das Kunststück geschafft, zeitlich parallel ein glänzendes Abitur zu schreiben und Europameisterin zu werden. Schaut man nur auf die Platzierungen, ist das Sportjahr 2015 ohne den ganz großen Erfolg geblieben. Insider aber wissen, dass sie heuer mit gigantischem Aufwand eine ganz wichtige Basis für die nächste Saison gelegt hat. Und sie selbst weiß das auch: „Ich bin mehr als zufrieden. Ich hatte eine Saison mit kontinuierlichen Leistungen nah an meiner persönlichen Bestleistung und konnte mich über die ganze Saison hinweg als Vierte im extrem harten Wettbewerb der weltbesten und größtenteils wesentlich erfahreneren deutschen Elitefrauen sehr gut behaupten.“ Die Dreifachbelastung von Dualem Studium im Fach Maschinenbau mit betrieblicher Ausbildung in Nürnberg, Studium an der Uni in Heidenheim und dem riesigen Trainingsaufwand, den Milena Slupina für ihren Sport betreiben muss, plus die vielen Wettkämpfe – all das erfordert ein Höchstmaß an Disziplin, Logistik, Leidenschaft und Leidensfähigkeit.

Milena Slupina vereint beim Kunstradfahren Akrobatik und Kraft auf wunderbare Weise.

Milena Slupina vereint beim Kunstradfahren Akrobatik und Kraft auf wunderbare Weise. © oh

Auch wenn sich vor Auszeichnungen, Pokalen und Medaillen im Hause Slupina die Regalbretter biegen, die beiden gläsernen Einser, die der Dauergast bei der Sportlerehrung des Landkreises bereits erhalten hat, bedeuten der Studentin viel. „Das ist noch einmal etwas ganz anderes, ob du mit einer ganz konkreten Leistung im Wettkampf bewertet wirst, oder ob dir als Sportler viele Menschen gemeinsam einen Preis zuerkennen, für den es weniger handfeste Kriterien gibt.“ Bei der Wahl der Sportler des Jahres kommt es für sie darauf an, dass neben dem an Ergebnissen messbaren Erfolg auch Sportlichkeit im Sinne von Fairness und Einsatzbereitschaft eine Rolle spielen. Deshalb wünscht sie sich, dass Sportler ausgezeichnet werden, die viel für den Erfolg tun müssen, die auch mit den kleinen und großen Niederlagen eines Sportlerlebens gut umgehen können und einen kollegialen und fairen Umgang mit der Konkurrenz pflegen. „Diese Kriterien lege ich bei mir selbst an und weiß, dass es viele andere auch tun.“

Wenn sie selber ihre vier Kreuzchen auf dem Wahlzettel setzt, wird sie versuchen, genau das zu berücksichtigen. Auch, wenn sie von den Nominierten lange nicht alle kennt. „Aber das ein oder andere Gesicht trifft man ja schon seit Jahren bei der Sportlerehrung.“ Das sei, so die Kunstradfahrerin, auch ein ganz wichtiges Plus der Landkreisveranstaltung.

Von Milena Slupina wird es am Abend der Sportlerehrung auch Sportliches zu sehen geben. Gemeinsam mit jüngeren Kunstradfahrern ihres Vereins zeigt sie ein Showprogramm. Auch darauf freut sie sich: „Es ist eine tolle Möglichkeit, die Begeisterung, die man selber hat, übertragen zu können.“ sgr

Kreditkarte raus und vor

Auch Theresa Wild war schon einmal Sportlerin des Jahres. Gut, zwar nicht bei uns, aber bei den Kollegen von der Donauwörther Zeitung. Das war 2014. Sechs Jahre zuvor war die Wittesheimerin (Landkreis Donau-Ries) noch eine sehr talentierte Fußballerin, das Ziel der heute 23-Jährigen lautete: Profi werden. Der zweite Kreuzbandriss zwang sie zum Aufhören, mit dem Triathlon begann Wild eigentlich als Ausgleich — bis sie merkte, dass sie vielleicht sogar eine noch talentiertere Triathletin als Fußballerin ist. Sogar so talentiert, dass auch wir sie nominiert haben, obwohl Wild gar nicht aus dem Landkreis stammt oder hier wohnt. Allerdings geht sie für das La Carrera TriTeam Rothsee an den Start, so auch beim Ironman 70.3 Kraichgau auf der Mitteldistanz.

96 Meilen bis zum Vulkan musste Theresa Wild beim Ironman auf Hawaii an dieser Stelle zwar nicht mehr laufen. Aber auch ein Marathon nach 3,86 km Schwimmen und 180 km Radfahren sind ja ein ganz schöner Schlauch.

96 Meilen bis zum Vulkan musste Theresa Wild beim Ironman auf Hawaii an dieser Stelle zwar nicht mehr laufen. Aber auch ein Marathon nach 3,86 km Schwimmen und 180 km Radfahren sind ja ein ganz schöner Schlauch. © Foto: oh

Bei diesem Wettbewerb schwamm Wild 1,9 Kilometer, fuhr 90 km mit dem Rad und lief 21 km. Die gelernte Industriekauffrau machte das so gut, dass sie nach 4:59:32 ins Ziel kam und Deutsche Meisterin in ihrer Altersklasse wurde.

Nach dem Wettbewerb wurde Wild auch noch vor Augen geführt,, endgültig in einem Sport für Besserverdienende angekommen zu sein — so fern man bei den prestigeträchtigen Veranstaltungen dabei sein will. Wild wollte gleich bei der prestigeträchtigsten Veranstaltung dabei sein und durfte es auch, weil sie sich durch ihre Leistung einen von 30 begehrten Slots für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii (Langdistanz) gesichert hatte.

Die Reise ins viel zitierte „Mekka des Triathlons“ hatte ihren Preis: Die Startgebühr betrug 600 Euro. Für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Zell am See (Mitteldistanz) wurden noch einmal 300 Euro fällig. „Das ist ganz schön viel Geld, vor allem, wenn man bedenkt, dass da noch keinerlei Reisekosten dabei sind“, findet Wild.

Schon bei der Siegerehrung im Kraichgau musste sich die Wittesheimerin entscheiden. „Wenn dein Name aufgerufen wird, musst du sofort mit deiner Kreditkarte vorgehen und bezahlen. Sonst bekommst du den Slot nicht“, erzählt Wild. Die Rechnung übernahm Vater Wolfgang Wild, selbst begeisterter Triathlet. Für eine Teilnahme an der prestigeträchtigsten Veranstaltung hat es allerdings nie gereicht. „Es war sein Traum, einmal auf Hawaii zu starten. Ich habe ihn für uns beide erfüllt.“

Und wie. Nach 11:34:24 Stunden kam Wild ins Ziel — als Sechste in der Altersklasse W 18-24. In Zell am See wurde sie Achte in ihrer Altersklasse, die Uhr blieb nach 5:03:33 Stunden stehen. Ob diese Leistungen so herausragend sind, um durch sie Sportlerin des Jahres zu werden, kann Wild nicht einschätzen. Alle Nominierten seien bestimmt Asse auf ihrem Terrain, „aber ich kenne die Sportler zu wenig“.

Wild würde sie aber gerne besser kennenlernen, beispielsweise die Schützin Verena Schmid. „Es wäre bestimmt spannend, sie zu einer Trainingseinheit zu begleiten.“

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