Vor über 100 Jahren wurde hinten gebadet, vorne gegessen

17.8.2013, 08:00 Uhr
Die Blütezeit der „Restauration zum Brausebad“ ist längst vorbei. Das Bild von von Fritz Hassler stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Die Blütezeit der „Restauration zum Brausebad“ ist längst vorbei. Das Bild von von Fritz Hassler stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert. © Archiv Ulrich Distler

Wie berichtet (Ehemalige Gaststätte „Brausebad“ weicht einem Neubau) wird demnächst das Gebäude der Traditionsgaststätte „Brausebad“ einem modernen Wohnbau weichen.

Der Redakteur dieses Berichts bediente sich dabei des Namens „Brausebad“, obwohl die Wirtschaft in letzter Zeit „Zur guten Laune“ hieß. Es ist gut, dass er den alten Namen wählte. Dieser bezieht sich auf die Hygiene in Schwabach im 19. Jahrhundert.

Weinigstens am Sonntag sauber

Die Körperpflege um 1860 fasst Dr. Valentin Küster in seinem „Physikatsbericht“ folgendermaßen zusammen: „Die Reinlichkeit ist nicht besonders groß, doch kann man auch nicht gerade darüber klagen ... Es muss hervorgehoben werden, dass auf einzelnen Bauernhöfen wenigstens am Sonntag eine vollständige Reinlichkeit bemerkbar ist ... Die Neigung zum Baden ist gering ...“ (Sieglinde Plank (Hrsg.). : „Bericht über den Kgl. Landgerichtsbezirk Schwabach...“ 1860. Schwabach 1988, S. 32).

Inzwischen steht das Gebäude in der Südlichen Ringstraße 12 leer. Es wird bald abgerissen und macht dann neuen Wohnungen Platz.

Inzwischen steht das Gebäude in der Südlichen Ringstraße 12 leer. Es wird bald abgerissen und macht dann neuen Wohnungen Platz. © Robert Gerner

Doch dieser Zustand sollte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts drastisch ändern.

Im Anwesen „Südliche Ringstraße 12“ wurde 1895 ein „Wannenbad mit Brause“ nach „Nürnberger System“ errichtet. In jener Zeit hatten nur wohlhabende Bürger eine eigene Badewanne daheim. So sollte das Brausebad eine Lücke füllen.

Duschen oder Baden

Der damalige Eigentümer des Anwesens, Georg Egerer, hoffte jedenfalls auf regen Besuch. Übrigens war jeden Freitagnachmittag Damenbadetag. Ein Brausebad mit Wäsche und Seife kostete 15 Pfennig, das Wannenbad mit Wäsche belief sich auf 40 Pfennig.

Ab 1898 war im vorderen Gebäude die Gaststätte „Zum Brausebad“ untergebracht. Sie betrieb der aus Sperberslohe stammende Gastwirt und Metzgermeister Johann Konrad Seybold. Auch sein Sohn Konrad betrieb die Traditionsgaststätte.

Karpfen in der Wanne

In den 1960er Jahren stand in dem Wirtshausgarten anlässlich der Schwabacher Kirchweih ein viel besuchtes, kleines Bierzelt. In einem Nebengebäude stand auch noch eine Badewanne von einst, die nun dem Wässern der Karpfen diente.

Der Schwabacher Landtagsabgeordnete Franz Kick weist in seinem Buch „100 Jahre SPD Schwabach“ aus dem Jahr 1984 darauf hin, dass sich nach dem Zweiten Weltkrieg bis etwa 1970 die sozialdemokratischen Stadträte nach der Fraktionssitzung zum gemütlichen Bier im „Brausebad“ trafen.

Eine Baumgruppe bleibt erhalten

Künftig wird nun nur noch der Baumbestand des einstigen Wirtshausgartens an die „Gaststätte Brausebad“ erinnern. Der hygienischen Verhältnisse Schwabachs gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird kaum jemand mehr gedenken.

Die Porträts dieser unbekannten Arbeiter hingen lange im „Brausebad“, ...

Die Porträts dieser unbekannten Arbeiter hingen lange im „Brausebad“, ... © Archiv Ulrich Distler

Es bleibt nur zu hoffen, dass die neue Architektur sich gekonnt den Gebäuden aus dem Zeitalter des Historismus anpasst. Dies ist in der Ringstraße bislang nicht gelungen.

Die meisten noch bestehenden Altgebäude in der Ringstraße tragen die Handschrift des Baumeisters Johann Carl. Dazu zählt auch die Gaststätte Brausebad. Auf einem Foto des Schwabacher Fotografen Fritz Hassler weist das Gebäude einen gusseisernen Balkon auf. Dieses Schmuckstück gibt es nicht mehr. Ebenso ist auch der eiserne Gartenzaun nebst seiner Tore schon verschwunden.

... haben jetzt aber im „Inspektorsgarten“ eine neue Heimat gefunden.

... haben jetzt aber im „Inspektorsgarten“ eine neue Heimat gefunden. © Archiv Ulrich Distler

Porträts sind umgezogen

Letztlich werden bald nur noch historische Fotografien an die einstige Traditionsgaststätte erinnern. Doch halt! Die Gaststätte Inspektorsgarten in Forsthof beherbergt zwei Porträts von Schwabacher Handwerkern, die einst über dem Stammtisch im „Brausebad“ hingen. Einer der Dargestellten trug den Spitznamen „Schnakes“.

Die unsignierten Porträts sind von künstlerisch hervorragender Qualität. Möglicherweise stammen sie von Johann Michael Kupfer (1859 - 1917), einem Schwabacher, der ab 1882 in Wien lebte.

Keine Kommentare