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"Skandalös langsam": Baywa will Bund Astrazeneca-Impfstoff abkaufen

Vorstandsvorsitzender kritisiert Chef der Impfkommission - 08.03.2021 16:20 Uhr

Die Baywa AG will ungenutzten AstraZeneca-Impfstoff für ihre Mitarbeiter kaufen. 

03.03.2021 © Hannibal Hanschke, dpa


Der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca hat in Deutschland kein gutes Image. Obwohl Studien zeigen, dass das Vakzin einen hohen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen aufweist, bleiben hierzulande aktuell hunderttausende Dosen ungenutzt liegen.

Bis zum 3. März wurden laut Gesundheitsministerium rund 2,1 Millionen Dosen nach Deutschland geliefert, über alle Bundesländer hinweg wurden bis zum gleichen Tag allerdings laut RKI nur rund 630.000 Dosen verabreicht. Gekühlt lässt sich der Impfstoff länger lagern.

Baywa-Chef: "Impfungen laufen skandalös langsam"

Das Impfdosen ungenutzt in der Kühlung liegen, lässt sich unter anderem damit begründen, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) AstraZeneca lange Zeit nicht für über 65-Jährige empfohlen hat. Das will sie ändern, hat sie am Donnerstagnachmittag verkündet. Ebenso haben Impfkandidaten Termine wieder abgesagt. Dafür sollen nun auch Lehrer und Kita-Angestellte mit Astrazeneca geimpft werden.

Das Vorgehen rund um Astrazeneca stößt bei Klaus Josef Lutz, dem Vorstandsvorsitzenden der Münchner Baywa AG, auf Unverständnis. "Die Impfungen verlaufen in Deutschland skandalös langsam", beschwerte er sich gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Business Insider.


FAQ: Was, wenn man Nein zum Astrazeneca-Impfstoff sagt?


Baywa AG will AstraZeneca-Impfstoff ihren Mitarbeitern anbieten

Sein Unternehmen möchte daher einen Teil der bislang ungenutzten Impfdosen kaufen, um seinen Mitarbeitern eine Impfung durch Betriebs- und Hausärzte anbieten zu können.

Das Magazin zitiert aus einem Brief, den Lutz an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geschrieben hat. In diesem bietet die Baywa an, "bisher ungenutzten Impfstoff per Sondergenehmigung so bald als möglich als Vorsorgemaßnahme für unsere Mitarbeiter käuflich zu erwerben."

"Hat nicht das Rückgrat": Lutz fordert Stiko-Chef zum Rücktritt auf

Zugleich knöpft sich Lutz den Chef der Stiko, Thomas Mertens, vor. Dessen Aussage zur Einordnung des Impfstoffes - "Das Ganze ist irgendwie schlecht gelaufen" - hatte für viel Wirbel in der Diskussion um AstraZeneca gesorgt.

Diese Äußerung sei "niederschmetternd", so Lutz gegenüber dem Magazin. "Herr Mertens hat nicht das Rückgrat, zu sagen, dass es Fehler gegeben hat. Er müsste seinen Hut nehmen."

Die Baywa AG mit Sitz in München beschäftigt rund 18.000 Mitarbeiter in über 40 Ländern und ist Deutschlands größter Agrarhändler.

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trk, sima

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