Enormer Aufwand

So funktionieren die Lolli-Tests an den Grundschulen im Landkreis Forchheim

Jana Schneeberg
Jana Schneeberg

E-Mail zur Autorenseite

5.10.2021, 06:00 Uhr
Die Teststäbchen für den Pooltest werden von den Kindern in ein und dasselbe Röhrchen gesteckt und später im Labor als Pool mittels PCR-Testverfahren ausgewertet. Nur wenn der Test positiv ausfällt, werden die individuellen Proben nachgetestet. 
 

Die Teststäbchen für den Pooltest werden von den Kindern in ein und dasselbe Röhrchen gesteckt und später im Labor als Pool mittels PCR-Testverfahren ausgewertet. Nur wenn der Test positiv ausfällt, werden die individuellen Proben nachgetestet.    © Jana Schneeberg, NN

Montagmorgen, 8 Uhr, in der Klasse 2b der Anna-Grundschule Forchheim. Wie jeden Montag beginnt die erste Stunde für die Schülerinnen und Schüler mit einem Corona-Test. Doch anders als in den vergangenen Wochen und vor den Sommerferien sind das nicht mehr die Schnelltests, die mit einem Abstrich aus der Nase funktionieren. Zum zweiten Mal führen die Kinder heute die sogenannten Lolli-Tests durch.

Doch zuerst verkündet Lehrerin Bettina Tröndle noch eine Neuerung: „Wer an seinem Platz sitzt, der darf heute zum ersten Mal seine Maske runter nehmen.“ „Super, Juhu“, rufen da einige. Und schon verschwinden die Masken unter das Kinn oder gleich in die Tasche.

Nun aber zu den Tests. Dafür hat die Grundschullehrerin am Wochenende schon einiges vorbereitet. Denn anders als die Schnelltests, die komplett in der Schule durchgeführt wurden, werden die Lolli-Tests ans Labor geschickt und dort als PCR-Probe ausgewertet. Damit dabei nichts durcheinander geht, müssen die einzelnen Proberöhrchen genau gekennzeichnet sein. Also wurde in den vergangenen Wochen für jeden einzelnen Schüler ein spezieller Pin-Code erstellt, mit dem nun die Teströhrchen versehen werden. Damit das nicht noch mehr wertvolle Unterrichtszeit raubt, hat Bettina Tröndle das schon vorbereitet.

Nun geht sie rum, teilt eingeschweißte Teststäbchen an die Schülerinnen und Schüler aus und stellt, nachdem jeder sein Stäbchen ausgepackt hat, die Testzeit auf dem Handy ein: 30 Sekunden müssen die Kinder das Stäbchen, an dessen vorderer Seite eine Art Mini-Wattetupfer ist, im Mund behalten. „1, 2, 3, auf los geht's los“, sagt die Lehrerin und schon verschwinden die Stäbchen im Mund. „Ein bisschen kreisen, drehen, auf der Zunge rollen“, gibt sie ein wenig Hilfestellung.

Schon brummt das Handy, der Timer ist abgelaufen. Jetzt kommen die Stäbchen alle zusammen in ein dickeres Röhrchen, der sogenannte Pool. Doch damit ist das Prozedere noch nicht zu Ende. Nun bekommt jedes Kind ein eigenes Röhrchen mit einem zweiten Wattestäbchen darin. Die Einzelprobe, die später im Labor nur geöffnet wird, wenn der Pooltest positiv ausfallen sollte.

Zum Schluss kommt noch alles zusammen in ein Plastiktütchen und wird mit Namens-Liste im Sekretariat abgegeben. Kurz nach neun Uhr werden alle Proben vom ASB abgeholt und nach Nürnberg gebracht, von wo aus es dann ins Labor geht.

Eigentlich alles nicht schwierig und mit ein bisschen Routine für die Kinder ohne weiteres machbar. Zwei Mal pro Woche wird jede Klasse getestet. An der Annaschule sind es montags und mittwochs die Erst- und Drittklässler, dienstags und donnerstags die Zweit- und Viertklässler. Allerdings: Es kostet Unterrichtszeit. Mindestens zehn Minuten pro Testtag. Und dann ist es schon ärgerlich, wenn die Proben nicht rechtzeitig ausgewertet werden. Denn das Ergebnis soll bis zum nächsten Start des nächsten Schultags vorliegen. „Wir machen die Pooltests jetzt seit einer Woche, aber schon drei Mal sind die Ergebnisse nicht rechtzeitig gekommen“, erklärt Heike Wentzel, Schulleiterin der Annaschule. Ist das der Fall, muss die ganze Klasse am nächsten Tag mittels Schnelltest nachgetestet werden. „Dann haben wir den Aufwand nochmal“, meint auch Lehrerin Bettina Tröndle.

Jedes Röhrchen muss von der Lehrkraft mit einem Code, der für jedes Kind erstellt wurde, beschriftet werden. Der Aufwand ist nicht unerheblich. 

Jedes Röhrchen muss von der Lehrkraft mit einem Code, der für jedes Kind erstellt wurde, beschriftet werden. Der Aufwand ist nicht unerheblich.  © Jana Schneeberg, NN

Dennoch schieben die Lehrkräfte das auf Schwierigkeiten in der Einführungsphase und hoffen auf Routine in den nächsten Wochen. Dass jetzt von Seiten der Schule vom zeitlichen Ablauf alles klappt, stimmt sie indes froh - und ist nicht selbstverständlich. „Es war schon enormer Aufwand und vor allem ein hoher zeitlicher Druck, mit dem wir die Pooltests einführen mussten“, erklärt Heike Wentzel. Das Einverständnis der Eltern einholen, jeden Schüler in ein eigens installiertes Computersystem einfügen, Pin-Codes generieren und dann die Bestätigung der Eltern per Mail abwarten, all das kostete viel Zeit.

Das sehen auch ihre Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulen im Landkreis so. „Die Einführung war vom Aufwand her heftig, vor allem weil die Zeit sehr kurz war“, fasst Cordula Haderlein, Leiterin des Schulamtes Forchheim zusammen. „Aber inzwischen hat die große Mehrheit die Pooltests eingeführt und wenn es einmal gestartet ist, lässt sich das gut umsetzen.“

Dabei liegt für sie vor allem ein Vorteil auf der Hand: „Die PCR-Auswertung ist deutlich sensitiver als die Schnelltests und zeigt eine Infektion früher an.“ Demzufolge biete das neue Testverfahren mehr Sicherheit im Schulalltag. Und das wiederum rechtfertige für sie, dass die Schüler ab jetzt am Platz auf die Masken verzichten dürfen.

Das sieht auch Heike Wentzel von der Annaschule so. “Ich bin froh, dass die Maskenpflicht am Platz abgeschafft wurde.“ Nicht nur, weil es für die Kinder anstrengend ist, den ganzen Schultag mit Maske zu verbringen. „Auch, weil die Kinder dann doch mitunter schwer zu verstehen sind.“ Unsicherer mache das ihrer Meinung nach das Schulumfeld nicht: „PCR-Tests, CO2-Ampeln und Raumluftflilter, das sorgt alles in allem dafür, dass ein normaler, geregelter Schulalltag für die Kinder möglich ist. Und darum geht es doch.“