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So könnte die Bahn das ICE-Werk zwischen Postbauer-Heng und Ezelsdorf quetschen

8.5.2021, 17:01 Uhr
Rechts unten liegt Postbauer-Heng, oben das Gewerbegebiet Espenpark mit dem Kaufland (blau). Dazwischen liegt – leicht grau – der „Betrachtungskorridor“: Bunt eingefärbt ist der mögliche Standort der lang gestreckten ICE-Wartungshalle, gestrichelt die Zufahrt von der Bahnlinie und die Wendeschleife hinter der Halle.

Rechts unten liegt Postbauer-Heng, oben das Gewerbegebiet Espenpark mit dem Kaufland (blau). Dazwischen liegt – leicht grau – der „Betrachtungskorridor“: Bunt eingefärbt ist der mögliche Standort der lang gestreckten ICE-Wartungshalle, gestrichelt die Zufahrt von der Bahnlinie und die Wendeschleife hinter der Halle. © Deutsche Bahn

Zwischen Schwarzenbruck, Mimberg und Pfeifferhütte wären das 265, am Standort Ezelsdorf 195 Hektar (inklusive zwei "Ecken" des Gemeindegebiets von Postbauer-Heng) – irritierend für die Betroffenen vor Ort, die diesen Flächenbedarf zunächst kaum nachvollziehen konnten. Die Planer der Bahn weisen aber darauf hin, dass es sich bei den Flächen um "Betrachtungskorridore" handelt. Innerhalb derer würde das eigentliche Werk dann eingeplant, dafür wären 35 bis 40 Hektar Fläche nötig.


ICE-Werk: Postbauer-Heng von Plänen überrascht


Die beiden Areale stehen mit weiteren neun Standorten, darunter der zunächst von der Bahn favorisierte bei Altenfurt und zwei bei Feucht, am Ende eines Auswahlverfahrens (wir berichteten). Anfangs hatten die Planer in der Region 70 Flächen ins Auge gefasst; sie haben jetzt eine Vorauswahl getroffen, die bis Oktober weiter untersucht werden sollen.

Die ausgewählten Areale müssen Platz bieten für eine 4450 mal 300 Meter (parallel zur Bahnlinie) oder ein 3200 mal 450 Meter (rechtwinklig zur Bahnlinie) großes Werksgelände. Sie dürfen nicht weiter als 25 Kilometer vom Nürnberger Hauptbahnhof entfernt liegen, sich nicht in Überschwemmungsgebieten befinden, keine Siedlungsflächen in Anspruch nehmen, keine Gewässer und Autobahnen kreuzen und nicht in Wasserschutzgebieten und Naturschutzgebieten liegen.

"Aber muss das hier hin?"

Im November geht es mit den neun Standorten ins Raumordnungsverfahren. Dem schließt sich die Planfeststellung an, mit deren Abschluss die Baugenehmigung vorliegen wird. 2028 will die Bahn ihr 400 Millionen Euro teures Werk mit 450 Mitarbeitern in Betrieb nehmen.

"Ein wichtiges Infrastrukturprojekt", sagt Burgthanns Bürgermeister Heinz Meyer, dessen Gemeinde gleich in beiden Fällen betroffen wäre. "Aber muss das hierhin? Ich verstehe die Beweggründe nicht."

Neun mögliche Standorte für ein neues ICE-Instandhaltungswerk lässt die Bahn im Großraum Nürnberg prüfen.

Neun mögliche Standorte für ein neues ICE-Instandhaltungswerk lässt die Bahn im Großraum Nürnberg prüfen. © Deutsche Bahn

Auch für Horst Kratzer steht fest, dass es in der Region sicher geeignetere Standorte für das ICE Werk gibt als das Gebiet nordwestlich von Postbauer-Heng. Auch nach Einsicht in die Planskizze kann er sich nicht recht vorstellen, wie die riesige Schneise in den engen Korridor zwischen dicht bebauten Gebieten passen soll. "Sogar ein Teil des Postbauerer Friedhofs liegt im Korridor."

Nur im S-Bahn-Tempo

Für den Bürgermeister von Postbauer-Heng war es nun zuerst einmal wichtig, dass die Öffentlichkeit, die Bürgerinnen und Bürger, von den Planungen der Bahn erfährt, und das so früh wie möglich. Sein Kollege Heinz Meyer verweist auch auf die ohnehin schon hohe Belastung der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg, auf der neben dem Personen- und Güterverkehr auch der S-Bahnbetrieb abgewickelt werden muss.

Die Fahrstrecke für die täglich 20 ICE-Züge, die von Nürnberg aus nach Ezelsdorf in die Wartung rollen würden, wäre verglichen mit anderen Standorten auch relativ lang und hätte den Nachteil, dass es sich hier um keine Schnellfahrstrecke handelt, so dass die ICEs nur im S-Bahn-Tempo rollen könnten.

Meyer und Kratzer haben das alles im Gespräch mit der Bahn vorgetragen. Mit welchem Ergebnis? "Das sind Profis, für die ist derzeit jeder der neun verbliebenen Standorte gleichwertig", sagt Meyer. "Wenn das bei uns hier realisiert würde", klagt Schwarzenbrucks Rathauschef Markus Holzammer, "dann wäre das ein Wahnsinn, hier würde unvorstellbar viel Natur zerstört."

Ergebnisse im Oktober

Jetzt wird aber zunächst weiter untersucht, stellt DB-Projektleiter Carsten Burmeister fest. Bis Oktober sollen dann alle Ergebnisse zu den einzelnen Standorten vorliegen und gegeneinander abgewogen werden. Dabei soll das ganze Vorgehen so transparent wie möglich sein.

"Themenbezogene Workshops" zu den Planungen verspricht die Bahn und regelmäßige Informationen auf www.ice-werk-nuernberg.de. Hier gibt es auch ein Kontaktformular, über das sich die Bürger direkt an das Projektteam wenden können. Die Bahn will laut eigenen Angaben auch Verbände und Vereine vor Beginn des Genehmigungsverfahrens in die Planungen mit einbeziehen.