Jung, wild und grün

U18-Bundestagswahl: Diese Partei hat bei den Jungen die Nase vorn

Bayernweit haben Kinder und Jugendliche vor allem am Freitag in rund 700 Wahllokalen ihre Stimme abgegeben. Hier zum Beispiel im Willstätter Gymnasium in Nürnberg.

 

Bayernweit haben Kinder und Jugendliche vor allem am Freitag in rund 700 Wahllokalen ihre Stimme abgegeben. Hier zum Beispiel im Willstätter Gymnasium in Nürnberg.   © Peter Roggenthin, NNZ

In bayernweit 700 Wahllokalen ging es bereits vergangene Woche so richtig rund: Neun Tage vor der Bundestagswahl setzten 68.000 Kinder unter 18 Jahren ihre Kreuze. Ihr politisches Votum zählt zwar trotz Rekordbeteiligung nicht wirklich. Dennoch artikuliert die junge Generation dadurch ihre Themen.

Der 15-jährige Ilias aus Nürnberg zum Beispiel findet die U18-Wahlen richtig und wichtig, "damit Erwachsene mal sehen, was uns Jüngere bewegt". Dem Neuntklässler einer Mittelschule liegen besonders die Themen Umweltschutz und eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik am Herzen. "Mich beschäftigt gerade sehr, was in Afghanistan passiert."

"Die hohe Wahlbeteiligung und der Rekord bei den Wahllokalen in Bayern zeigt: Junge Menschen wollen, dass ihre Lebenswirklichkeit endlich zum Gegenstand der Politik wird", analysierte Matthias Fack, Präsident des Bayerischen Jugendrings. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie habe deutlich gemacht, dass die Bedürfnisse, Wünsche und Sorgen der Jugend nicht ausreichend wahrgenommen werden.

Ilias (15) hat am Freitag im Wahllokal des Nürnberger Jugendprojekts laut! gewählt

Ilias (15) hat am Freitag im Wahllokal des Nürnberger Jugendprojekts laut! gewählt © Peter Roggenthin, NNZ

Bundesweit ist das Meinungsbild unter den Jugendlichen relativ klar: 21,5 Prozent würden den Grünen ihre Stimme geben, gefolgt von der SPD mit 19,1 Prozent und der CDU/CSU mit 16,6 Prozent. Die Ergebnisse fallen je nach Bundesland, Region und Ort jedoch unterschiedlich aus.

Bayern bleiben Tradition treu

Im Freistaat etwa wählen die Kinder ein Stück weit konservativer als Gleichaltrige in anderen Bundesländern. Könnten sie wirklich den Bundestag über ihre Zweitstimme zusammensetzen, hätten die Jungwähler zu 21 Prozent der CSU ihre Stimme gegeben. An zweite Stelle schafft es ein Sammelsurium "sonstiger Parteien". Den dritten Platz im Partei-Ranking erreichen die Grünen mit 18,4 Prozent. Die FDP kommt auf zwölf Prozent, die AfD und Linke jeweils auf knapp sechs.

Allerdings geht es auch anders: In der CSU-geführten Großstadt Nürnberg etwa liegen die Grünen in der Wählergunst mit 28 Prozent vorn. Auch in Fürth und in Neumarkt ist die Umweltschutz-Partei führend.

Die Forchheimer Minderjährigen würden indessen lieber an erster Stelle die SPD im Bundestag sehen. In der Uni- und Medizinstadt Erlangen und Umland fällt das Votum hingegen deutlich für die Christsozialen aus: 22 Prozent der Jugendlichen machten ihr Kreuzchen bei der CSU. Auch in den Wahlkreisen Bamberg und Ansbach hat Söders Partei die Nase vorn.

Damit wählen junge Menschen anders als ältere: Denn laut aktuellen Umfragen geben die Bundesbürger momentan der SPD den Vorzug, noch vor CDU/CSU und favorisieren nur noch mit 16 Prozent Bündnis90/Die Grünen. Am Ende entscheiden auch sie, die Erwachsenen.

Bier trinken ja, wählen nein?

Warum das Wahlrecht nicht schon längst wie in Österreich auf 16 Jahre gesenkt wurde, kann Ilias nicht nachvollziehen. Der Bayerische Jugendring setzt sich schon seit Längerem für eine Senkung sogar auf 14 Jahre ein. Ilias hält 15 oder 16 für sinnvoll.

"Ab 16 darf man Bier trinken und den Führerschein anfangen - also warum sollte man da nicht auch wählen gehen dürfen? Dann würde auch die jüngere Generationen stärker berücksichtigt werden - und deren Zukunft wird ja politisch gestaltet."

Nürnberger Schüler unter 18 sind ausgerufen zu wählen. Hier im Willstätter Gymnasium..17.09.21 Nürnberg.Foto: Peter Roggenthin pauschal.NNZ

Nürnberger Schüler unter 18 sind ausgerufen zu wählen. Hier im Willstätter Gymnasium..17.09.21 Nürnberg.Foto: Peter Roggenthin pauschal.NNZ © Peter Roggenthin, NNZ

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